Der automatisierte Austausch von Antriebsbatterien bei schweren E-Lkw, das so genannte Battery Swapping, kann unter definierten Voraussetzungen eine zusätzliche Option zum Aufladen an einer Ladesäule sein. Zu diesem Schluss kommt ein Whitepaper des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML, dessen Erarbeitung von Unternehmen aus dem Arbeitskreis CO₂-freie Logistik des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik initiiert und begleitet wurde.
Ein operativer Mehrwert könne demnach vor allem bei besonders zeitkritischen Prozessen und standardisierten Korridorverkehren – Hub-to-Hub-Verkehren im Mehrschichtbetrieb oder 24/7-Werk- und Shuttleverkehren – entstehen.
Fehlende Standardisierung bremst Einsatz
Allein: Noch fehlt es bei diesem Ladekonzept an einer Standardisierung, die eine herstellerübergreifende Interoperabilität verschiedener Fahrzeug- und Batterietypen zulässt. Offen seien auch Fragen zu Eigentum und Haftung sowie zu Höhe des Investitionsbedarfs für automatisierte Wechselstationen und Batteriepools, schreibt das Fraunhofer IML weiter.
Dennoch stützten die Erkenntnisse aus Sicht von Fraunhofer IML und DSLV die im Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 des Bundesverkehrsministeriums verankerte Maßnahme, die Erprobung von Battery Swapping gezielt zu fördern.
eHaul‑Projekt lieferte erste Praxiserfahrungen
Der Austausch entladener gegen vollgeladene Batterien an einer Batteriewechselstation wurde zuletzt im Rahmen des Forschungsprojekts „eHaul“ der TU Berlin erprobt. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte das eHaul-Projekt seinerzeit mit fünf Millionen Euro gefördert.
Batteriehersteller als Betreiber möglicher Wechselstationen
Für die Umsetzung künftiger Pilotprojekte kommen laut Fraunhofer IML unterschiedliche Betreiber- und Geschäftsmodelle in Betracht. Besonders effizient ist es nach Einschätzung der Autoren, wenn Batteriehersteller selbst in Wechselstationen investieren und diese an Logistikunternehmen vermieten. Dies soll Battery Swapping für Logistikunternehmen wirtschaftlich attraktiver machen.
Handlungsdruck durch Asien
„Neben einer Verbesserung der Ladeinfrastruktur für kabelgebundenes Laden vor allem an logistischen Standorten braucht es weitere pragmatische Lösungen. Battery Swapping kann dazu beitragen, Fahrzeugverfügbarkeiten zu erhöhen“, sagt Professor Uwe Clausen, Institutsleiter am Fraunhofer IML. Die internationalen Entwicklungen, vor allem in Asien, erhöhten dabei den Handlungsdruck, europäische Anforderungen frühzeitig in Forschung, Pilotierung und Standardisierung einzubringen und zu überführen.
Frank Huster, DSLV-Hauptgeschäftsführer ergänzt: „Dass die Grundlagen für dieses Whitepaper im Arbeitskreis CO₂-freie Logistik des DSLV geschaffen wurden, ist kein Zufall. Lösungen für die Praxis entstehen dort, wo der Handlungsdruck am größten ist: in den Unternehmen selbst.“
Das Whitepaper wurde erarbeitet vom Fraunhofer IML im Auftrag von DHL Group, DSV Holding Germany, Greiwing Truck & Trailer, Nagel-Group Logistics, Remondis-Gruppe und Rewe Group mit Unterstützung des DSLV-Arbeitskreises CO2-freie Logistik.