Die International Road Transport Union (IRU) hat sich mit einem Schreiben an die EU-Verkehrsminister gewandt. Darin fordert die IRU sofortige und koordinierte Maßnahmen, um der Krise auf dem Kraftstoffmarkt entgegenzuwirken, von denen der Straßenverkehrssektor betroffen sei. Die IRU weist darauf hin, dass der Versorgungsdruck bereits zu außerordentlich hohen Kraftstoffpreisen und konkreten Betriebsstörungen vor Ort führen. Dies bedeute „steigende Risiken für die Aufrechterhaltung des Straßenverkehrs in der gesamten EU, sollte die Krise andauern“.
IRU schlägt einen Maßnahmenkatalog vor
In dem Schreiben wird eine dringende Sitzung des Verkehrsrats gefordert, um die sich entwickelnde Situation anzugehen und koordinierte Maßnahmen auf EU-Ebene zu ermöglichen. Die IRU schlägt gezielte Maßnahmen vor, darunter einen Notfallplan zur Sicherung wesentlicher Logistikströme und Mobilität, zur Bewältigung plötzlicher Nachfragespitzen und grenzüberschreitender Probleme, einen EU-Rahmen für Krisenhilfe, der erhöhte De-minimis-Obergrenzen für staatliche Beihilfen vorsieht, sowie einen EU-Fonds zur Unterstützung von in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen.
Lieferketten könnten gestört werden
„Ohne rasches und koordiniertes Handeln besteht die reale Gefahr schwerwiegender Störungen der Lieferketten und der Mobilität der Menschen in der gesamten Union“, warnte Raluca Marian, EU-Direktorin der IRU. „In Zeiten einer akuten Krise darf der Straßenverkehr nicht als Nebeneffekt der Energiepolitik behandelt werden, sondern als strategischer Sektor, der besondere Aufmerksamkeit und koordiniertes Handeln auf EU-Ebene erfordert. Die Verkehrsminister müssen jetzt gemeinsam handeln.“
Kein Spielraum, um Preisanstieg abzufedern
Die Kraftstoffpreise im Straßenverkehr sind nach Angaben der IRU seit Beginn des Krieges zwischen den USA und Israel mit dem Iran EU-weit „um 30 bis 35 Prozent gestiegen“, was für den Verkehrssektor einen schweren Schlag bedeute. Allein schwere Nutzfahrzeuge verbrauchen EU-weit rund 6,8 Milliarden Liter Diesel pro Monat, so die IRU. Kraftstoff macht rund ein Drittel der Betriebskosten aus. Viele Unternehmen würden mit Margen zwischen 1 Prozent und 3 Prozent arbeiten, so dass praktisch kein Spielraum bleibe, um solche unerwarteten Preisanstiege abzufedern.
Nationale Maßnahmen lösen das Problem nicht
Gleichzeitig komme es entlang wichtiger Verkehrskorridore zu Versorgungsstörungen, darunter Lieferverzögerungen, eingeschränkter Zugang zu Kraftstoff und grenzüberschreitende Ungleichgewichte. Phänomene wie der „Tanktourismus“ würden lokale Engpässe verstärken und nationale Unterstützungsmaßnahmen untergraben. Die IRU warnt davor, dass angesichts des grenzüberschreitenden Charakters des Transportwesens unkoordinierte nationale Reaktionen die Gefahr einer weiteren Fragmentierung des Binnenmarktes und einer Störung der europäischen Lieferketten bergen.