Bahnnetz bleibt trotz Milliardeninvestitionen in schlechtem Zustand
Der Zustand des deutschen Schienennetzes hat sich im vergangenen Jahr trotz hoher Investitionen nicht verbessert. Im aktuellen Netzzustandsbericht erhielt das Netz erneut die Schulnote 3,0, wie bereits im Vorjahr. Eine Trendwende sei bislang nicht erreicht, erklärte Bahnchefin Evelyn Palla. Viele Anlagen und Bahnhöfe befänden sich weiterhin in keinem guten Zustand.
Sanierungsstau weiterhin enorm
Im Jahr 2025 investierte die Deutsche Bahn rund 19,9 Milliarden Euro in die Infrastruktur. Diese Summe sei notwendig, um den bestehenden Sanierungsstau zumindest nicht weiter anwachsen zu lassen. Dessen Umfang bezifferte Philipp Nagl, Chef der Infrastrukturtochter DB InfraGo, auf rund 130 Milliarden Euro.
Für das laufende Jahr sind nochmals höhere Ausgaben geplant: 23 Milliarden Euro sollen in das Schienennetz fließen, begleitet von rund 28.000 Baustellen. Die Bahn rechnet damit, dass sich der Zustand des Netzes damit ab 2026 leicht verbessern könnte. Zusätzlich sollen in diesem Jahr vier Generalsanierungen besonders stark belasteter Strecken abgeschlossen werden.
Hochleistungsnetz schwächer als Fläche
Im Bericht unterscheidet die Bahn zwischen dem Hochleistungsnetz (rund 9.000 Kilometer) und dem Flächennetz (etwa 24.000 Kilometer). Das Hochleistungsnetz schnitt mit der Note 3,04 schlechter ab als das Flächennetz mit 2,96.
Für einen stabilen Betrieb müsse das Hochleistungsnetz perspektivisch einen Wert von 2,5 bis 2,6 erreichen, erläuterte Nagl. Anlagen mit einer Note von 4 oder schlechter gelten als dringend erneuerungsbedürftig.
Stellwerke größtes Sorgenkind
Besonders kritisch bleibt der Zustand der Stellwerke. Sie erhielten im Gesamtnetz die Note 4,02 – eine leichte Verbesserung um 0,1 Punkte gegenüber dem Vorjahr. Dennoch gilt jedes zweite der rund 4.000 Stellwerke als erneuerungsbedürftig.
Stellwerke sind zentral für den Bahnbetrieb, da sie unter anderem Weichen und Signale steuern und damit die sichere Zugfahrt gewährleisten.
Brücken leicht verbessert
Besser entwickelt sich der Zustand der Brücken. Sie erhielten die Note 2,64, nach 2,78 im Jahr 2024. Aufgrund ihres hohen Wiederbeschaffungswerts bleiben Brücken dennoch ein kostenintensiver Schwerpunkt bei der Sanierung der Infrastruktur.