Bahn will Konzept der Generalsanierungen anpassen

12.08.2026 09:21 Uhr | Lesezeit: 3 min
Bahn will Konzept der Generalsanierungen anpassen
Die Sanierungen der Korridore sollen künftig zeitlich besser aufeinander und auf andere Bauvorhaben abgestimmt werden
© Foto: Deutsche Bahn AG / Michael Neuhaus

Die Deutsche Bahn will das Konzept der Generalsanierungen anpassen, was der Bundesverkehrsminister begrüßt. Zahlreiche Details sind bisher aber weiter offen.

Mit der Sanierung zentraler Bahnstrecken bis 2036 will die Deutsche Bahn die Mängel bei Infrastruktur und Pünktlichkeit im Fernverkehr in den Griff bekommen. Doch zuletzt häuften sich die Probleme: Sanierungen verzögerten sich, wurden teurer und die Züge trotz modernerer Strecke nicht pünktlicher. Die DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla kündigte Anfang Juli an, das Konzept der Generalsanierungen zu überprüfen. Nun stehen nach Informationen der „Deutschen Presse-Agentur“ erste Eckpunkte fest. Zuvor hatte das „Manager Magazin“ berichtet.

Anzahl und Umfang der Projekte sollen geprüft werden

Grundsätzlich will die Deutsche Bahn laut den Medienberichten grundsätzlich an den Sanierungen festhalten – allerdings mit einigen Änderungen. Zunächst sollen Anzahl und Umfang der Projekte überprüft und neu priorisiert werden. Die finanziellen und personellen Ressourcen sollen auf die Maßnahmen fokussiert werden, die die größte Wirkung für die Qualität und Zuverlässigkeit im Bahnverkehr bedeuteten. Ob das heißt, dass andere Projekte gestrichen werden, bleibt unklar.

Strecken für spätere Digitalisierung vorbereiten

Die Sanierungen sollen darüber hinaus zeitlich besser aufeinander und auf andere Bauvorhaben abgestimmt werden. Ein weiterer Punkt betrifft die Digitalisierung. Immer wieder wurde kritisiert, dass die Bahn die Sanierung der Korridore nicht dazu nutzt, die betroffenen Strecken umfassend mit der digitalen Zugleittechnik ETCS auszustatten. Dem „Manager Magazin“ zufolge plant die Bahn nun, alle Strecken für eine spätere Digitalisierung zumindest vorzubereiten.

Strecken schrittweise in Betrieb nehmen

Außerdem will der Konzern laut Informationen der „dpa“ mehr Flexibilität bei der Wiederinbetriebnahme der Strecken nach dem Ende der Sanierungen. Künftig soll jede sanierte Strecke nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise wieder in Betrieb genommen werden. Besonders bei der sensiblen Leit- und Sicherungstechnik sollen Tests, Abnahmen und Inbetriebnahme „realistischer geplant und schrittweise vorbereitet“ werden. Was das für die Dauer einzelner Baustellen und den gesamten Zeitplan der Sanierungen bedeutet, bleibt aber offen. 

Die offene Frage der Baufreiheit sanierter Strecken

Die Bahn hatte bei der Vorstellung des Konzepts der Generalsanierungen versprochen, dass auf den Strecken im Anschluss an die Arbeiten für zehn Jahre nicht mehr gebaut werden müsse. Später reduzierte sie diesen Zeitraum auf fünf Jahre. Künftig will die Bahn dem „Manager Magazin“ zufolge klarer benennen, wie lange jede Strecke nach der Sanierung von weiteren Bauarbeiten verschont bleibt. Ob damit eine Aufweichung des Fünf-Jahres-Versprechens einhergeht, blieb ebenfalls unklar. 


Generalsanierungen sollen Netz insgesamt verbessern

Mit den Generalsanierungen sollen bis 2036 mehr als 40 hochbelastete Bahnstrecken umfassend saniert und modernisiert werden. Dafür werden die Abschnitte in der Regel für ein halbes Jahr vollständig gesperrt. Damit soll sich nach und nach die Zuverlässigkeit auf den jeweiligen Strecken und im Gesamtnetz erhöhen und der Bahnverkehr wieder zuverlässiger und vor allem pünktlicher laufen. 



Forderungen des Bundesverkehrsministers

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), äußerte sich positiv zu den Plänen der Bahn. „Aus meiner Sicht gibt es deutlichen Verbesserungsbedarf bei Abläufen und Ergebnissen der Korridorsanierungen“, sagte er der „Deutschen Presse-Agentur“. Daher sei es „gut und richtig, dass sich die Bahn und Frau Palla dazu Gedanken machen“. Nach der Sanierung einer Strecke müsse diese „messbar besser funktionieren als vorher und es darf nicht kurzfristig zu erneuten Baumaßnahmen kommen“, forderte Bilger.

Kritik am Zeitpunkt einzelner Sanierungen

Im Zusammenhang mit dem Niedrigwasser im Rhein kritisierte Verkehrsminister Bilger jüngst zudem den Zeitpunkt einzelner Sanierungen: Seit Juli wird die rechte Rheinstrecke zwischen Troisdorf nahe Köln und Wiesbaden saniert, die Bauarbeiten sollen noch bis Dezember laufen. So fehlen Kapazitäten, um Gütertransporte vom Schiff auf die Schiene zu verlagern. Bilger sprach von sehr ungünstigen Umständen. Bahnchefin Palla sah sich Anfang Juli angesichts der Probleme und der wachsenden Kritik veranlasst, eine Überprüfung des Korridorkonzepts anzustoßen. Die Pläne sollen in den kommenden Wochen konkreter vorgestellt werden.


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