Bahnchefin Palla sieht Fortschritte trotz anhaltender Probleme
Die Deutsche Bahn hat ihr Pünktlichkeitsziel im Fernverkehr im ersten Halbjahr 2026 verfehlt. Lediglich 58,7 Prozent der Fernzüge erreichten ihr Ziel innerhalb der von der Bahn definierten Pünktlichkeitsgrenze. Bahnchefin Evelyn Palla räumte ein, dass dieser Wert nicht zufriedenstellend sei. Gleichzeitig verwies sie darauf, dass die meisten Verspätungen unterhalb von 15 Minuten geblieben seien.
Nach Ansicht der Konzernchefin werde die Deutsche Bahn häufig ausschließlich an der Pünktlichkeit des Fernverkehrs gemessen. Dies bilde jedoch die gesamte Leistung des Unternehmens nur eingeschränkt ab.
Pünktlichkeitsziel bislang außer Reichweite
Für das laufende Jahr hatte die Bahn eine Quote von mindestens 60 Prozent im Fernverkehr angestrebt. Nach den Ergebnissen des ersten Halbjahres liegt das Unternehmen bislang unter dieser Marke.
In die Pünktlichkeitsstatistik fließen Fernzüge ein, die ihr Ziel mit weniger als sechs Minuten Verspätung erreichen. Zugausfälle werden in dieser Kennzahl nicht berücksichtigt.
Sanierung des Netzes bleibt Großprojekt
Die Deutsche Bahn und der Bund investieren weiterhin Milliardenbeträge in die Modernisierung der Schieneninfrastruktur. Zahlreiche Baustellen und Sanierungsmaßnahmen sollen die Leistungsfähigkeit des Netzes langfristig verbessern.
Kurzfristig sorgen die Bauarbeiten jedoch weiterhin für Einschränkungen im Betrieb. Die Konzernführung betont deshalb regelmäßig, dass die Erneuerung der Infrastruktur ein mehrjähriger Prozess sei.
Kritik an früheren Führungsstrukturen
Palla sieht einen Teil der heutigen Probleme auch in der Unternehmenskultur der vergangenen Jahre begründet. Die Leistungsausrichtung des Managements habe nicht ausgereicht, um die Herausforderungen des Konzerns wirksam zu bewältigen.
Die Bahnchefin setzt deshalb auf eine stärkere Verantwortung der Führungsebenen und eine stärkere Ergebnisorientierung innerhalb des Unternehmens.
Konzernumbau läuft weiter
Seit ihrem Amtsantritt hat Palla eine umfassende Neuaufstellung des Konzerns eingeleitet. Dazu gehören unter anderem:
- der Abbau von Führungsstrukturen,
- eine Straffung der Verwaltung,
- die Verlagerung von Verantwortung in operative Einheiten,
- sowie neue Steuerungs- und Führungsmodelle.
Ziel ist es, Entscheidungen näher an das operative Geschäft zu bringen und die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu erhöhen.
Qualität soll langfristig steigen
Trotz der aktuellen Schwierigkeiten sieht die Bahnführung erste Fortschritte auf dem eingeschlagenen Kurs. Der Konzernumbau soll langfristig zu einer höheren Zuverlässigkeit und besseren Betriebsqualität führen.
Entscheidend wird dabei sein, ob die Infrastrukturmodernisierung und die organisatorischen Veränderungen in den kommenden Jahren messbare Verbesserungen für Fahrgäste und Kunden bringen.