Die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs stößt zunehmend an wirtschaftliche Grenzen. Hohe Fahrzeugpreise haben sich 2026 in Europa zum größten Hindernis beim Umstieg auf alternative Antriebe entwickelt. Gleichzeitig sind viele Kunden nicht bereit, Mehrkosten für emissionsärmere Transporte zu übernehmen.
Das zeigt der „Green Compact“-Report von IRU und Trimble, für den mehr als 1.000 Transportunternehmen aus 36 Ländern befragt wurden. Rund 70 Prozent der Teilnehmer in Westeuropa und 71 Prozent in Osteuropa geben an, dass ihre Kunden die zusätzlichen Kosten der Dekarbonisierung nicht tragen wollen.
Hohe Fahrzeugpreise bremsen alternative Antriebe
Während im vergangenen Jahr vor allem fehlende Lade- und Tankinfrastruktur als Hindernis galt, rücken 2026 die Anschaffungskosten der Fahrzeuge in den Vordergrund.
In Westeuropa nennen 66 Prozent der Befragten die Fahrzeugpreise als Hürde, gegenüber 49 Prozent im Vorjahr. In Osteuropa stieg der Anteil besonders deutlich von 52 auf 78 Prozent.
Nach Angaben der IRU können Elektro-Lkw derzeit das Zwei- bis Dreifache eines vergleichbaren Diesel-Lkw kosten. Die zusätzlichen Investitionen seien für viele Transportunternehmen angesichts geringer Margen nur schwer zu stemmen.
Speditionen setzen auf Effizienzmaßnahmen
Die Bereitschaft, Emissionen zu reduzieren, ist der Umfrage zufolge dennoch hoch. In Westeuropa haben 90 Prozent der befragten Betreiber mindestens eine entsprechende Maßnahme umgesetzt. In Osteuropa sind es 87 Prozent.
Besonders verbreitet sind Maßnahmen, die sich ohne große zusätzliche Investitionen umsetzen lassen. 53 Prozent der westeuropäischen Unternehmen setzen auf eine optimierte Routenplanung, 42 Prozent auf Schulungen für eine effizientere Fahrweise.
Deutlich weniger Unternehmen haben dagegen konkrete Klimaziele festgelegt. In Westeuropa trifft dies auf 41 Prozent der Befragten zu. 43 Prozent berechnen ihre CO₂-Emissionen.
HVO liegt bei alternativen Kraftstoffen vorne
Bei den alternativen Kraftstoffen setzen viele Unternehmen zunächst auf Technologien, die sich mit bestehenden Fahrzeugen nutzen lassen. HVO ist in allen untersuchten Regionen die am weitesten verbreitete Alternative.
In Westeuropa nutzen laut Umfrage bereits 29 Prozent HVO. Innerhalb der kommenden fünf Jahre könnte der Anteil auf 54 Prozent steigen.
Investitionen in batterieelektrische Lkw planen 29 Prozent der westeuropäischen Betreiber. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede nach Unternehmensgröße und Einsatzgebiet. Von den Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz planen 87 Prozent entsprechende Investitionen. Bei kleineren Betrieben sind es 26 Prozent.
Kundenprämien könnten Dekarbonisierung beschleunigen
Neben geringeren Fahrzeugkosten könnten vor allem wirtschaftliche Anreize den Umstieg unterstützen. In Westeuropa betrachten 37 Prozent der Unternehmen Preisaufschläge ihrer Kunden für emissionsärmere Transporte als besonders starken Treiber.
Steuerliche Anreize nennen 32 Prozent, staatliche Subventionen 31 Prozent. Gesetzliche Vorgaben spielen mit 22 Prozent eine geringere Rolle.
Damit macht die Untersuchung ein grundsätzliches Dilemma sichtbar: Transportunternehmen sollen erhebliche Investitionen in emissionsärmere Fahrzeuge und Infrastruktur tätigen, können diese Mehrkosten aber häufig nicht an ihre Auftraggeber weiterreichen.