Auf mehreren großen deutschen Neubahnstrecken fahren deutlich weniger Güterzüge als ursprünglich bei deren Planung erwartet. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage im Bundestag hervor. Besonders groß ist die Differenz auf den Verbindungen Nürnberg-Ingolstadt, Erfurt-Leipzig/Halle und Ebensfeld-Erfurt.
Nach Auskunft der DB InfraGO wurden in den vergangenen 25 Jahren fünf Schienenstrecken wesentlich neu in Betrieb genommen: Köln-Rhein/Main, Nürnberg-Ingolstadt, Erfurt-Leipzig/Halle, Ebensfeld-Erfurt und Wendlingen-Ulm. Mit Ausnahme der für den schnellen Personenverkehr trassierten Strecke Köln-Rhein/Main waren die genannten Neubaustrecken auch für den Güterverkehr vorgesehen.
Nürnberg-Ingolstadt kaum vom Güterverkehr genutzt
Für die Strecke zwischen Nürnberg und Ingolstadt waren bei Baubeginn rund 100 Güterzüge täglich zugrunde gelegt worden. Tatsächlich wurde die Verbindung 2025 nur vereinzelt von Güterzügen genutzt, überwiegend bei Umleitungen.
Als einen Grund nennt die Bundesregierung ein im Jahr 2025 geltendes Tunnelbegegnungsverbot. Dadurch war die Nutzung der Strecke für den Schienengüterverkehr eingeschränkt.
Erfurt-Leipzig/Halle weit unter früherer Prognose
Noch deutlicher fällt die Differenz auf der Strecke zwischen Erfurt und Leipzig/Halle aus. Zum Zeitpunkt der Planfeststellung im Jahr 1996 waren 131 Güterzüge pro Tag prognostiziert worden.
2025 nutzten dagegen insgesamt 449 Güterzüge die Strecke. Umgerechnet entspricht das durchschnittlich rund 1,2 Zügen pro Tag.
Auch zwischen Ebensfeld und Erfurt klaffen Planung und tatsächliche Nutzung weit auseinander. Hier waren bei der Planfeststellung 1996 insgesamt 168 Güterzüge täglich angenommen worden. Im Jahr 2025 wurden 651 Güterzüge gezählt, durchschnittlich rund zwei pro Tag.
Wendlingen-Ulm mit durchschnittlich 0,4 Güterzügen
Für die Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm wurde zum Zeitpunkt des Baubeginns 2010 auf Basis der Verkehrsverflechtungsprognose 2025 mit 16 Güterzugpaaren gerechnet.
Tatsächlich befuhren 2025 insgesamt 160 Güterzüge die Strecke. Daraus ergibt sich ein Durchschnitt von rund 0,4 Güterzügen pro Tag.
Schienengüterverkehr bleibt hinter Planungen zurück
Die Zahlen verdeutlichen die erhebliche Differenz zwischen früheren Verkehrsprognosen und der tatsächlichen Nutzung der Neubaustrecken durch den Güterverkehr.
Für die Verkehrspolitik ist die Entwicklung auch vor dem Hintergrund der angestrebten Verlagerung von Gütertransporten auf die Schiene relevant. Die Frage ist dabei nicht allein, welche Infrastruktur für den Güterverkehr gebaut wird, sondern auch, unter welchen betrieblichen Bedingungen diese Strecken von Güterbahnen tatsächlich genutzt werden können.