Verkehrsministerkonferenz: Das sind die Beschlüsse für den Güterverkehr

22.10.2026 15:57 Uhr | Lesezeit: 4 min
Verkehrsministerkonferenz 2026 Hohenschwangau
Verkehrsminister wollen Wasserstraßen und Güterverkehr stärken
©Foto: Winsczyk

Straße, Schiene und Wasserstraße: Bei der Verkehrsministerkonferenz standen zahlreiche Themen auf der Agenda, die Transport und Logistik unmittelbar betreffen. Ein Überblick über die wichtigsten Beschlüsse und Vorhaben.

Niedrigwasser: Lkw-Fahrverbot soll bis 20. Dezember gelockert bleiben

Die Ausnahme vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw soll angesichts des anhaltenden Niedrigwassers bis zum 20. Dezember verlängert werden. Darauf verständigten sich die Verkehrsminister der Länder bei ihrer Konferenz in Hohenschwangau. Mit der Maßnahme sollen die Folgen eingeschränkter Transportmöglichkeiten auf den Wasserstraßen für Wirtschaft und Logistik abgemildert werden.

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger verwies darauf, dass sich Bund und Länder bereits beim Auftreten der Niedrigwasserlage kurzfristig auf mehrere Maßnahmen verständigt hätten. Dazu habe auch die Aussetzung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots gehört. Die Länderverkehrsminister hätten nun beschlossen, die entsprechende Ausnahme bis zum 20. Dezember zu verlängern.

Niedrigwasser bereitet der Wirtschaft weiter Probleme

Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer machte deutlich, dass die Niedrigwasserlage weiterhin erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft habe. Niedrigwasser und seine Folgen ließen sich zwar nicht vollständig beseitigen. Mit einzelnen Maßnahmen könnten die Belastungen jedoch reduziert werden.

Die Verlängerung der Ausnahme vom Fahrverbot bezeichnete Krischer als notwendige, wenn auch nicht ideale Maßnahme. Besonders Nordrhein-Westfalen ist als Standort entlang des Rheins von den Einschränkungen der Binnenschifffahrt betroffen.

Wasserstraßen langfristig widerstandsfähiger machen

Über die kurzfristigen Erleichterungen für den Straßengüterverkehr hinaus wollen Bund und Länder die Wasserstraßen stärker gegen länger andauernde Niedrigwasserperioden absichern. Dazu sollen Infrastrukturprojekte schneller vorangetrieben werden.

Nach Einschätzung Krischers dauern die entsprechenden Prozesse derzeit zu lange. Neben dem Abbau bürokratischer Hürden seien dafür ausreichend Personal und Ressourcen in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung erforderlich. Auch niedrigwassergeeignete Schiffe könnten einen entscheidenden Beitrag leisten, um den Gütertransport bei ausgeprägten Trockenperioden aufrechtzuerhalten.

Bilger bekräftigte das Ziel, die Wasserstraße als wichtigen Verkehrsträger für den Gütertransport zu erhalten und zu stärken. Das Bundesverkehrsministerium wolle deshalb die Förderung für den Umbau auf niedrigwassergeeignete Schiffe in der bisherigen Höhe fortführen. Eine vorgesehene Kürzung werde zurückgenommen. Dazu liefen Gespräche mit dem Haushaltsausschuss des Bundestages und dem Bundesfinanzministerium.


Weniger Belastungen durch Korridorsanierungen

Auch die geplanten Korridorsanierungen im Schienennetz waren Thema der Verkehrsministerkonferenz. Das bisherige Konzept wurde nach Angaben Bilgers überprüft und weiterentwickelt.

Für Logistikunternehmen sind die monatelangen Streckensperrungen mit erheblichen Einschränkungen verbunden. Nach Abschluss einer Sanierung müsse eine Strecke deshalb deutlich weniger störanfällig sein. Zudem müssten sich die Beteiligten auf zugesagte baufreie Zeiträume verlassen können. Mit dem überarbeiteten Konzept sollen die Belastungen für Logistiker, Pendler und Reisende auf ein Mindestmaß reduziert werden.

In den kommenden fünf Jahren sollen laut Bilger mehr als 80 Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur fließen. Die Einzelheiten sollen in einer Leistungsvereinbarung mit der DB InfraGO festgeschrieben werden. Insgesamt stehen nach Angaben des Ministers in der laufenden Legislaturperiode 170 Milliarden Euro für Investitionen in Schiene, Straße und Wasserstraße bereit.

Außerdem ein Thema waren die Trassenpreise. Die Verkehrsminister der Länder fordern unter anderem einen verbindlichen Bund-Länder-Prozess zur Reform des Trassenpreissystems einzuleiten. Diskussionsgrundlage solle das gemeinsame Eckpunktepapier der Länder zum Thema sein.




"Infrastrukturprobleme bei der Bahn werden zunehmend zur Belastungsprobe für unser Land"

Christian Bernreiter, Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr des Freistaats Bayern und Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz


Defense: Brücken und Infrastruktur resilient gestalten

Ein weiteres Thema auf der Konferenz waren auch sicherheitspolitische Aspekte. Unter anderem ging es darum, die Infrastruktur auch für die militärischen Erfordernisse - sprich schwere und breite Fahrzeuge - mitzudenken. So sollte die militärische Resilienz beim Bundesverkehrswegeplan mitgedacht werden. Brücken müssten so ausgelegt werden, dass militärische Fahrzeuge darüber fahren können. Auch Schienenstrecken dürften im Ernstfall nicht überlastet sein.

Autonomen Verkehr fördern

Ebenfalls ein Thema war das autonome Fahren. Die Minister wollen das gemeinsame Ziel von Bund und Ländern, Deutschland zu einem Leitmarkt für autonomes und vernetztes Fahren zu entwickeln und hierfür Modellregionen mit dem Übergang in einen skalierbaren Regelbetrieb zu etablieren, weiter vorantreiben. 

Der Wunsch der Länder: Der Bund solle hierfür seine Förderung erheblich erhöhen. Neben den Fahrzeugkosten sollten künftig weitere Elemente wie digitale und physische Infrastruktur, Leitstellen und Technische Aufsicht, Systemintegration, Hochlauf- und Übergangskosten mit in den Blick genommen werden.

Die Arbeitsgruppe zu dem Thema soll laut der Verkehrsministerkonferenz die verkehrlichen, rechtlichen und wettbewerblichen Auswirkungen und Erfordernisse autonomer Verkehre fortlaufend evaluieren. Das langfristiges Ziel wäre dabei, Vorschläge für einen dauerhaften rechtlichen Rahmen zu entwickeln. Dieser sollte zum einen die sich ständig weiterentwickelnde Technologie und die veränderten Mobilitätsbedürfnisse von Bevölkerung und Wirtschaft berücksichtigen. Zudem sollte er staatliche Regulierungsmöglichkeiten absichern.


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