Insolvenzen in der Logistikbranche: Zeichnet sich Trendwende ab?

21.01.2026 10:55 Uhr | Lesezeit: 3 min
Firma hinter einem Zaun an dem ein Schild "Betrieb geschlossen" hängt
Die Zahl großer Unternehmenspleiten ist in Deutschland im vergangenen Jahr um 25 (!) Prozent gestiegen
© Foto: bluedesign/stock.adobe.com

In der Logistikbranche ist die Zahl der Großinsolvenzen im Jahr 2025 weniger stark gestiegen als noch im Jahr 2024. Damit kam die Branche offenbar besser durch die schwache Wirtschaft als viele andere Branchen in Deutschland. Das zeigt eine neue Analyse der Unternehmensberatung Falkensteg.

Die Zahl großer Unternehmenspleiten ist in Deutschland im vergangenen Jahr um 25 (!) Prozent auf 471 Fälle gestiegen. Das vermeldet eine neue Analyse der Unternehmensberatung Falkensteg, die Großinsolvenzen untersucht hat, von den Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Unternehmen betroffen waren. In der Logistikbranche ist die Zahl der Großinsolvenzen dagegen im vergangenen Jahr weniger stark angewachsen als im Vorjahr. So kam es laut Falkensteg in der Logistikbranche im Jahr 2025 zu 5,6 Prozent mehr Großinsolvenzen als im Jahr 2024. Zum Vergleich: im Jahr 2024 hatte sich laut Falkensteg die Zahl der Insolvenzen in der Logistikbranche hierzulande noch verdoppelt.

Stabilisierung in der Logistikbranche, Notlage bleibt

Diese Stabilisierung in der Logistikbranche sei erfreulich, heißt es seitens der Autoren der Falkensteg-Analyse. Diese täusche aber nicht über die grundsätzliche Notlage der Branche hinweg. Ein strukturelles Problem bleibe demnach die Preispolitik. So würden die Auftraggeber seit 2022 die Preise drastisch senken, heißt es in der Studie. Mit der Folge, dass Transportunternehmer teilweise mit niedrigen, einstelligen Margen kalkulieren müssten. „Folglich jagen die (Transport-)Logistiker eher dem Umsatz nach und nicht der Gewinnmarge“, warnt Gunter Fittkau, Logistikexperte bei Falkensteg. Sprich: die Unternehmen seien aus den mageren Gewinnen oder dem Cashflow heraus nicht in der Lage, entsprechend zu investieren, zum Beispiel in die Automatisierung der eigenen Unternehmensabläufe, die umfassende Elektrifizierung der Flotte oder aber die Entwicklung des autonomen Fahrens. Positiv ist: die Logistikunternehmen diversifizieren vermehrt ihr Kundenportfolio. Sprich: ihre Abhängigkeit von einzelnen (Groß-)Kunden ist laut der Falkensteg-Analyse nicht mehr so hoch wie in Zeiten vor der Finanzkrise 2008/2009. Logistiker können also heute Ausfälle bei Einzelkunden besser abfedern.

Eigenverwaltung als Trend zur Restrukturierung

Bemerkenswert ist auch die Art der Insolvenzverfahren in der Logistikbranche, heißt es in der Falkensteg-Analyse. Demnach waren von den 19 Großinsolvenzen acht Eigenverwaltungen und elf klassische Regelinsolvenzen. Damit liegt der Anteil der Eigenverwaltungen in der Logistikbranche um zehn Prozentpunkte deutlich über dem Industriedurchschnitt. „Große Logistiker setzen die sanierungsfreundlichen Verfahren zunehmend als Werkzeuge ein“, begründet dies Gunter Fittkau, Logistikexperte Partner von Falkensteg. Entweder, um dadurch gezielt Unternehmensteile zu verkaufen, sich aus unrentablen Märkten zurückzuziehen oder aber, um die Transformation zu mehr Automatisierung im Unternehmen voranzutreiben", erläutert Fittkau. Inhabergeführte Unternehmen streben private Lösungen an. Sie investieren privates Geld, verkaufen Flottenteile oder geben diese an den Leasinggeber zurück. Eine weitere Möglichkeit ist der Verkauf an den Wettbewerb oder die Kunden. Dies sei eine „stille Konsolidierung“ des Marktes, die sich nicht in den Insolvenzstatistiken zeige.

Seitwärtsbewegung bei Insolvenzen 2026?

2026 erwartet Fittkau in der Logistikbranche eine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau bei Großunternehmen und auf geringerem Niveau bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Hintergrund dafür ist: Immer mehr Industrieproduktionen und Logistikzentren werden wegen niedrigerer Arbeits- und Infrastrukturkosten nach Osteuropa verlagert. Folglich werde der deutsche und westeuropäische Transportmarkt zurückgehen, heißt es, während osteuropäische und südosteuropäische Anbieter zulegen werden. So seien zwar viele große Logistikzentren in Deutschland geplant worden, seien dann aber in Polen oder Tschechien realisiert worden. Diese Regionen entwickeln sich zu Versorgungs-Hubs für Deutschland, das auch in den kommenden Jahren seine zentrale Rolle im europäischen Schwerlast-Transitverkehr behalten werden. Unterm Strich werde das Transportvolumen von Osteuropa über und durch Deutschland steigen, ist sich Fittkau sicher. Allerdings würden deutsche Transportunternehmen aufgrund von Standortnachteilen nicht zwingend davon profitieren.


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