Die Zahl der Übernahmen und Fusionen im globalen Transport- und Logistiksektor bleibt auf hohem Niveau. Laut PwC achten Investoren bei Akquisitionen jedoch stärker auf Resilienz, Netzwerke und strategischen Nutzen.
Das Transport & Logistics Barometer des Beratungsunternehmens PwC zeigt für das erste Halbjahr 2026, dass die Aktivität an Übernahmen und Beteiligungen in der Branche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stabil bleibt – trotz geopolitischer Spannungen. Zugleich stellen die Berater aber fest, dass Käufer von Logistikunternehmen selektiver vorgehen.
„Wir beobachten in der ersten Jahreshälfte 2026 keinen schwächeren, sondern einen selektiveren M&A-Markt im globalen Transport- und Logistiksektor. Dabei konzentriert sich das Kapital auf die Vermögenswerte, die Widerstandsfähigkeit, Kontrolle über das Netzwerk und die Ertragsqualität stärken“, so Ingo Bauer, Leiter des Bereichs Transport, Logistik und Tourismus bei PwC Deutschland.
So wurden laut dem Beratungsunternehmen im ersten Halbjahr 17 Mega-Deals mit einem Wert von jeweils mehr als einer Milliarde US-Dollar angekündigt. Das würde verdeutlichen, dass auch in einem vorsichtigen Marktumfeld große Transaktionen möglich seien, wenn sie Skaleneffekte, Zugang zu kritischen Logistikfähigkeiten oder Kontrolle über zentrale Netzwerke versprechen.
Die M&A-Aktivität dürfte auch im weiteren Jahresverlauf selektiv, aber strategisch relevant bleiben, schätzen die Berater. Kapital werde vor allem in Vermögenswerte fließen, die eine klare strategische Logik und resiliente Cashflows aufweisen sowie einen messbaren Beitrag zur Robustheit von Lieferketten leisten. Investoren konzentrieren sich somit zunehmend auf Logistikunternehmen mit resilienten Lieferketten.
„Die nächste Phase der Deal-Aktivität wird weniger durch Kapazitätswachstum geprägt sein. Entscheidend wird vielmehr die Fähigkeit, Netzwerke zu orchestrieren, Korridore zu diversifizieren, Technologien zu integrieren und operative Flexibilität abzusichern“, so Ingo Bauer.
Zudem schätzen die Berater, dass strategische Allianzen eine wichtige Ergänzung zu klassischen Transaktionen bleiben würden – etwa bei Frachtenbörsen, Verteidigungslogistik und autonomen Fahrzeugen.
Denn parallel zur M&A-Aktivität haben die Berater auch strategische Allianzen analysiert. Sie hätten im ersten Halbjahr an Bedeutung gewonnen.
Nach 193 Ankündigungen im Jahr 2025 wurden im ersten Halbjahr 2026 bereits 105 Allianzen, Joint Ventures und Codeshare-Vereinbarungen verzeichnet. Das waren rund 19 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
„Transport- und Logistikunternehmen kombinieren zunehmend selektive Fusionen und Übernahmen mit strategischen Partnerschaften, um Fähigkeiten schneller aufzubauen und die Resilienz ihrer Netzwerke zu stärken“, erklärt Ingo Bauer dazu.
Die Berater schauten sich für das erste Halbjahr auch an, wo die meisten Transaktionen stattfanden: Demnach blieb Asien & Ozeanien mit 68 der 105 angekündigten Transaktionen bei der Anzahl an Deals führend.
Europa habe dagegen besonders hohe durchschnittliche Deal-Größen erreicht: 27 Transaktionen mit europäischer Beteiligung wurden angekündigt, die einen Gesamtwert von 30,3 Milliarden US-Dollar erreichen.
Käufer und Zielunternehmen aus dem Nahen Osten waren an zwölf angekündigten Transaktionen mit einem Gesamtwert von rund 7,09 Milliarden US-Dollar beteiligt. Das sei bereits mehr als der Gesamtwert des Jahres 2025 mit 5,47 Milliarden US-Dollar, erklärt das Beratungsunternehmen weiter.
In sieben der Transaktionen seien Investoren oder Zielunternehmen aus den Ländern des Golf-Kooperationsrats (GCC) involviert: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Kuwait, Bahrain und Oman.
Das prägende Thema der ersten Jahreshälfte waren denn auch die geopolitischen Spannungen in der Golfregion. Diese stören den Seeverkehr rund um die Straße von Hormus erheblich, so die Berater.
Sie würden die Transport- und Logistikbranche vor große Herausforderungen stellen. PwC rechnet vor: Die Beeinträchtigungen betreffen Handelsströme im Wert von rund 650 Milliarden US-Dollar und 20 bis 25 Prozent der globalen Öltransporte.
„Die Lage rund um die Straße von Hormus hat die Rolle der Länder des Golf-Kooperationsrats GCC für den Welthandel ins Rampenlicht gerückt“, erläutert Burkhard Sommer, Leiter des Maritimen Kompetenzzentrums bei PwC Deutschland.
So habe sich der GCC zu einer der wichtigsten Logistikregionen auf dem Ost-West-Korridor entwickelt. Ein Rolle dabei spielten die geografische Lage zwischen Asien, Europa und Afrika sowie gezielte Investitionen in Häfen, Flughäfen und Binneninfrastruktur.
„Die Golf-Region dürfte künftig eine noch prominentere Rolle spielen: Sie entwickelt sich vom Transitkorridor zu einem wichtigen Wachstumsmarkt und strategischen Konnektor für globale Lieferketten“, schätzt Sommer. Der Fokus der Länder des GCC liege nicht mehr nur auf ihrer Rolle als Logistikdrehkreuz. Die Region repräsentiere künftig vielmehr ein resilientes, kommerziell strukturiertes Ökosystem.