Transport- und Logistikbetriebe arbeiten verstärkt mit Technologieunternehmen zusammen, um ihre eigene Digitalisierung voranzubringen. Das geht aus einer neuen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hervor. Demnach kooperieren Unternehmen oder sie kaufen zu, weil es in manchen Fällen eigenständig nicht gelingt, digitaler zu werden.
„Digitalisierung ist in der Branche längst keine strategische Option mehr für Unternehmen, sondern eine zwingende Voraussetzung für zukünftige Wettbewerbsfähigkeit“, sagte Studien-Co-Autor Sebastian Pieper. Es gehe den Unternehmen um Zugang zu Künstlicher Intelligenz und zu Cloud-Diensten.
Studie nennt Beispiele aus Berlin und Hamburg
Die Studie nennt für diesen Trend auch zwei Beispiele aus Deutschland: Im Juni des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die japanische Reederei NYK Line das Berliner Fintech Kadmos kauft. Das Unternehmen hat eine digitale Lohnabrechnungsplattform für Seeleute entwickelt.
Außerdem hat sich der Osnabrücker Logistiker Hellmann Worldwide Logistics an dem Hamburger Cloud-Unternehmen Sirum beteiligt , wie im Februar öffentlich geworden ist. Sirum entwickelt für die Kurier-Express-Paketdienste von Hellmann ein digitales Verwaltungssystem.
Man solle Akquisitionen und Partnerschaften gezielt als strategische Option prüfen, so Pieper weiter: „Sie sind ein möglicher Ansatz, um den Erwerb von Fähigkeiten zu beschleunigen und das Geschäftsmodell zu erweitern.“
Er nennt auch Beispiele dafür:
Innovative digitale Lösungen können
- bestehende Vertriebskanäle ergänzen sowie
- Kosten- und Effizienzvorteile in Kernprozessen und Supportfunktionen ermöglichen.
M&A-Trend: Nahezu doppelt so viele Joint Ventures und Allianzen
Eine Folge auch der Digitalisierungsbemühungen: Die PwC-Autoren zählten weltweit vergangenes Jahr 193 neue Joint Ventures, Allianzen und weitere nicht näher genannte Formen der Zusammenarbeit. Das entspricht nahezu einer Verdopplung zum Vorjahr, wie aus dem „Transport & Logistics Barometer“ hervorgeht. Dieses veröffentlichen die Berater halbjährlich.
Während Joint Ventures und Allianzen an Bedeutung gewonnen haben, blieben Übernahmen und Fusionen in dem Sektor auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau:
- 207 Transaktionen mit einem Wert von mindestens 50 Millionen US-Dollar (rund 43 Millionen Euro) zählten die Verfasser im vergangenen Jahr weltweit.
- Im Vorjahr kam es zu 199 Transaktionen.
„Ein Grund für die anhaltende Zurückhaltung bei Fusionen und Übernahmen sind die aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten“, wie PwC weiter mitteilt.
„Investoren gehen derzeit äußerst selektiv vor und konzentrieren sich auf risikoarme, langfristige Vermögenswerte“, kommentiert Ingo Bauer, Leiter des Bereichs Transport, Logistik und Tourismus bei PwC Deutschland. Dazu zählen etwa infrastrukturbezogene Transaktionen wie Flughäfen, Häfen und Straßen.
Strategische Reaktion auf Zoll- und Handelspolitik der USA
Die Geopolitischen Unsicherheiten schlagen sich laut PwC aber auch in den Strategien der Unternehmen nieder: „Die erratische Zoll- und Handelspolitik der USA hatte auch in der zweiten Jahreshälfte unmittelbare Auswirkungen auf Unternehmen der Transport- und Logistikindustrie“, erläutert Burkhard Sommer, Leiter des Maritimen Kompetenzzentrums bei PwC Deutschland.
„Sie passten nicht nur ihre Routen und Transportmittel an, sondern modifizierten auch ihre Beschaffungsstrategien, um die Belastung durch Zölle so weit wie möglich zu reduzieren.“
Dafür setzten die Unternehmen auf unterschiedliche Strategien, wie die Berater ausführen:
- So zogen sie Sendungen vor,
- leiteten sie gezielt über Korridore mit niedrigeren Zollsätzen um.
- Als weitere Optionen nutzten sie Near-Shoring oder
- integrierten Durchreichungs- und Anpassungsklauseln in langfristige Verträge.
Ausblick: Infrastruktur und Digitalisierung als M&A-Treiber
Für 2026 rechnet PwC mit eher moderater M&A-Aktivität. Geopolitische Spannungen und eine schwächelnde Weltwirtschaft würden weiterhin für Unsicherheit sorgen. „Für die Unternehmen der Branche wird es im Jahr 2026 vor allem darauf ankommen, widerstandsfähige Netzwerke aufzubauen, eine diversifizierte Beschaffung zu sichern und ihre Leistungsfähigkeit durch gezielten Einsatz von Technologie zu stärken“, so Ingo Bauer.
Er hält es für wahrscheinlich, dass strategische Investoren unter anderem auf Fusionen und Übernahmen setzen werden. Auch für Finanzinvestoren würden Ziele im Bereich der Transportinfrastruktur auf der Agenda bleiben. Sicher ist sich Ingo Bauer, dass „die Digitalisierung auch im laufenden Jahr die technologischen Allianzen und kleinere, fokussierte Transaktionen vorantreiben wird.“