DSLV-Studie: Logistik wird zum Strom-Großverbraucher in Deutschland

23.06.2026 14:59 Uhr | Lesezeit: 3 min
Stromstecker mit Euro-Scheinen und Münzen
Energiewende im Güterverkehr treibt Strombedarf massiv
© Foto: Alexander Raths/stock.adobe.com

Eine DSLV-Studie zeigt: Der Strombedarf der Logistik steigt bis 2045 massiv. Haupttreiber ist die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs.

Der Logistiksektor in Deutschland wird in den kommenden zwei Jahrzehnten deutlich mehr Strom benötigen als bisher. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom DSLV Bundesverband Spedition und Logistik beauftragte Studie des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen. Demnach steigt der jährliche Strombedarf der Branche bis 2045 auf 186 Terawattstunden. Damit würde die Logistik zu einem der größten Stromverbraucher des Landes aufsteigen.

Straßengüterverkehr wird zum Haupttreiber

Der größte Teil dieses zusätzlichen Energiebedarfs entfällt auf den Straßengüterverkehr. Hintergrund ist vor allem die politisch vorgegebene Dekarbonisierung der Lkw-Flotten. Im zugrunde gelegten Basisszenario gehen die Studienautoren davon aus, dass bis 2040 bereits ein sehr hoher Anteil neu zugelassener Lastwagen lokal emissionsfrei unterwegs sein muss.

Für das Jahr 2045 rechnet die Studie im Straßengüterverkehr allein mit einem Strombedarf von 155,8 Terawattstunden. Das entspricht rund 84 Prozent des gesamten untersuchten Energiebedarfs im Logistiksektor.



Auch Logistikimmobilien und Schiene brauchen mehr Energie

Neben dem Straßentransport steigt auch der Stromverbrauch in Logistikimmobilien deutlich. Für Distributionszentren, Cross-Docks, Fulfillment-Center, Kühlhäuser und Hochregallager kalkuliert die Studie einen Bedarf von 22,3 Terawattstunden. Hinzu kommen 7,8 Terawattstunden im Schienengüterverkehr.

In Summe würde die Logistik damit im Jahr 2045 rund 14 Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs beanspruchen.

Konkurrenz um Strom und Netzkapazitäten

Bereits in zehn Jahren könnte die Logistik nach der Studie mehr Strom benötigen als einige der energieintensivsten Industriebranchen. Für 2035 wird ein Bedarf von 109,6 Terawattstunden prognostiziert. Damit würde die Branche in direkte Konkurrenz zu anderen Großverbrauchern um Netzkapazitäten und bezahlbare Energie treten.

Hinzu kommt eine zweite Herausforderung: Mit der Elektrifizierung von Lkw-Flotten könnten erhebliche Lastspitzen entstehen – etwa dann, wenn in den Abendstunden Depots, Gebäude und Schienentraktion gleichzeitig Strom benötigen.

Photovoltaik hilft – reicht aber nicht aus

Ein Teil des steigenden Strombedarfs könnte künftig direkt an Logistikstandorten erzeugt werden. Die Studie sieht auf Dachflächen von Logistikgebäuden ein wachsendes Potenzial für Photovoltaik-Anlagen. Dennoch reicht selbst ein maximaler Ausbau nicht aus, um den künftig stark steigenden Energiebedarf zu decken.

Der Anteil selbst erzeugten Stroms am Gesamtbedarf würde laut Studie langfristig sogar sinken, weil der Verbrauch durch die Elektrifizierung des Verkehrs deutlich schneller wächst als die verfügbare PV-Leistung.


DSLV fordert Netzausbau und günstigeren Strom

Angesichts der Ergebnisse fordert der DSLV einen deutlich schnelleren Ausbau der Stromnetze. Aus Sicht des Verbands darf die Elektrifizierung der Logistik nicht an fehlenden Netzanschlüssen oder langwierigen Genehmigungen scheitern.

Zudem fordert der DSLV:

  • niedrigere Strompreise für die Branche
  • lastvariable Netzentgelte für netzdienliches Laden
  • und stärkere Unterstützung bei der Entwicklung von Logistikstandorten zu Energie-Hubs


Logistikzentren sollen zu Energie-Knoten werden

Aus Sicht der Branche reichen klassische Warenumschlagsflächen künftig nicht mehr aus. Logistikimmobilien sollen sich zu integrierten Energie- und Infrastrukturobjekten entwickeln – etwa mit Photovoltaik, Batteriespeichern und intelligentem Lastmanagement.

Das Ziel: Lastspitzen glätten, Strom teilweise selbst erzeugen und die Versorgung unabhängiger gestalten.

Energiewende wird zur Standortfrage

Die Studie zeigt damit vor allem eines: Die Transformation des Güterverkehrs ist längst nicht mehr nur eine Verkehrs- oder Klimafrage. Sie wird zunehmend zu einer energiepolitischen und standortrelevanten Herausforderung.

Für die Logistikbranche bedeutet das: Ohne leistungsfähige Netze, wettbewerbsfähige Strompreise und planbare Rahmenbedingungen könnte die Antriebswende deutlich schwieriger werden als bislang angenommen.


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