In Deutschland ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Frühjahr minimal gewachsen: 0,2 Prozent Plus zum Vorquartal errechnete das Statistische Bundesamt für April bis Juni 2026 auf vorläufiger Basis. Die Wirtschaft im Euroraum wuchs mit 0,4 Prozent doppelt so stark. Dass die Wiesbadener Statistiker zugleich für die deutsche Wirtschaft den Wert für das erste Quartal von 0,3 Prozent auf 0,4 Prozent nach oben setzten, werten einige Volkswirte als Signal dafür, dass die konjunkturelle Erholung ausgeprägter ist als gedacht, trotzdem bleibt das Wachstum niedrig.
Erfreuliches Signal, aber kein Befreiungsschlag
„Das Wachstum von 0,2 Prozent ist ein erfreuliches Signal, aber längst kein Befreiungsschlag“, sagt Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), mit Blick auf Deutschland. „Nur dank massiven, überwiegend mit Krediten finanzierten öffentlichen Investitionen hat die deutsche Wirtschaft den Iran-Schock bisher besser verkraftet als befürchtet. Von einem selbsttragenden Aufschwung sind wir weit entfernt.“
Inflation zieht deutlich an
Positive Impulse kamen im zweiten Quartal vom Außenhandel: Die Exporte nahmen den vorläufigen Daten zufolge gegenüber dem Vorquartal zu. Dagegen gingen die Investitionen zurück, obwohl der Staat gewaltige Milliardeninvestitionen in Straßen, Schienen und Verteidigung angeschoben hat. Allerdings zog die Teuerung im Juli wieder sprunghaft auf 2,8 Prozent an, nachdem die Inflationsrate im Juni auf
2,3 Prozent gesunken war. Für Energie mussten Verbraucher im Juli sogar 8,3 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor.
Stimmung in den Unternehmen verbessert sich
Jüngste Konjunkturdaten machen immerhin etwas Hoffnung: Die Stimmung in den Unternehmen, die das Ifo-Institut regelmäßig ermittelt, hat sich im Juli den dritten Monat in Folge verbessert. Aus dem Ausland verzeichnete die Industrie nach jüngsten Daten mehr Aufträge. Zudem legten die deutschen Exporte im Mai den vierten Monat in Folge zu. Den Reformkurs der Bundesregierung wertet die Wirtschaft als Schritt in die richtige Richtung und fordert Tempo bei der Umsetzung. Die schwarz-rote Koalition hatte sich Anfang Juli auf ein Reformpaket geeinigt. Geplant sind etwa Maßnahmen zum Bürokratieabbau sowie zur Stabilisierung der Sozialabgaben.
Commerzbank korrigiert Wachstumsprognose nach oben
Für das laufende Jahr waren die Wachstumsprognosen zuletzt reihenweise nach unten korrigiert worden. Viele Ökonomen sahen einen spürbaren Aufschwung erst ab 2027, wenn die Summen, die der Staat in die Infrastruktur steckt, ihre volle Wirkung entfalten. Angesichts der jüngsten Konjunkturdaten wächst vereinzelt die Zuversicht: Die Commerzbank etwa traut der deutschen Wirtschaft 2026 statt 0,6 Prozent nun 1,0 Prozent Wachstum zu. 2025 war Deutschland mit einem Mini-Plus von 0,2 Prozent knapp am dritten Jahr ohne Wachstum in Folge vorbeigeschrammt.