Nach fünf Monaten Wachstum lag der kalender- und saisonbereinigte Wert der deutschen Exporte für Juli 0,8 Prozent unter dem Vormonat, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtet. Die ausgeführten Waren hatten nach vorläufigen Berechnungen einen Wert von 138,2 Milliarden Euro. Verglichen mit dem Vorjahresmonat ein Plus von 6,1 Prozent. Auch die Importe nach Deutschland gingen zurück: Im Vergleich zum Juni ergibt sich ein Rückgang um 5,7 Prozent. Die eingeführten Waren hatten einen Wert von 116,9 Milliarden Euro. Der Außenhandelsüberschuss kletterte damit auf 21,3 Milliarden Euro – den höchsten Stand seit August 2024.
BGA sieht fragile Lage und verweist auf Preiseffekte
Nach Einschätzung des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) zeigen die Zahlen, wie fragil die wirtschaftliche Lage weiterhin ist. Von einem stabilen Aufschwung könne keine Rede sein, erklärte BGA-Präsident Dirk Jandura. „Die deutsche Außenwirtschaft zeigt zwar weiterhin Widerstandskraft. Aber Widerstandskraft allein reicht nicht. Die Politik muss durch grundlegende Reformen den Standort stärken und die Unternehmen entlasten“, forderte Jandura. Der BGA warnte zudem davor, den Vorjahresvergleich zu positiv zu sehen. Man müsse auch die Preiseffekte berücksichtigen. Wenn die Exportpreise im Juli 4,2 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen, bedeute ein nominales Exportwachstum von 6,1 Prozent eben nicht, dass die exportierte Warenmenge im gleichen Umfang gestiegen sei. Bei den Importen sei der Preiseffekt noch stärker.
Deutliches Wachstum bei Geschäften mit den USA
Wachstum erzielten die deutschen Anbieter vor allem im Geschäft mit den USA. Ausfuhren im Wert von 14,4 Milliarden Euro bedeuteten einen Zuwachs von 19,1 Prozent im Vergleich zum Juni und von sogar von 28,3 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. Ein Grund war das Inkrafttreten des Zollabkommens von Turnberry zwischen den USA und der Europäischen Union, wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer erklärte. Die Einigung gilt zunächst bis 2029 und begrenzt die Zölle für die meisten EU-Einfuhren in die USA auf 15 Prozent, darunter auch Autos und Autoteile. Umgekehrt erhebt die EU auf US-Waren keine Zölle.
Weniger Exporte nach China und UK
Rückläufig waren hingegen die deutschen Exporte in die Europäische Union, nach Großbritannien und nach China. In die Volksrepublik gingen noch Waren im Wert von 5,6 Milliarden Euro (-9,5 Prozent im Vergleich zum Juni). Als größter Importeur nach Deutschland lieferte China Waren im Wert von 15,2 Milliarden Euro, was ebenfalls einen Rückgang zum Vormonat um 7,5 Prozent bedeutete. Im August hat China seine globalen Exporte ausgebaut, die zunehmend auch deutschen Anbietern Konkurrenz machen. Chinas Handelsüberschuss weitet sich im Jahresverlauf seit Januar zusammengerechnet auf 805,5 Milliarden US-Dollar (derzeit etwa 693,6 Milliarden Euro) aus. 2025 hatte China einen Rekordüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar erreicht.
Verhandlungen zwischen der EU und China
Die USA wie auch die Europäische Union fordern schon länger, dass China die Schieflage im gegenseitigen Handelsverhältnis korrigiert. Seit Ende Juni verhandelt die EU mit China über Lösungen. Bis Oktober sollen konkrete Ergebnisse vorliegen. Auch zwischen China und den USA sind Gespräche anberaumt. Die Exportoffensive ist nicht zuletzt eine Reaktion auf die schwache Konsumstimmung in China selbst, die auch für deutsche Firmen ein Problem ist. „Was Unternehmen nach wie vor benötigen, ist eine kräftig anziehende Binnennachfrage“, sagte der Chef der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Nordchina, Oliver Oehms.