Exporte steigen trotz Iran-Krieg: USA treiben Wachstum

09.07.2026 13:50 Uhr | Lesezeit: 3 min
Containerschiff auf der Straße Hormus
Steigende Exporte in die USA stabilisieren den deutschen Außenhandel, während geopolitische Spannungen im Nahen Osten neue Risiken für Logistik und Energiepreise bringen (Symbolbild)
© Foto: picture alliance/dpa | Farshid-M. Bina

Die deutschen Exporte wachsen im Mai zum vierten Mal in Folge. Vor allem die starke Nachfrage aus den USA sorgt für Dynamik – während der Iran-Krieg neue Risiken für Energiepreise und Transportkosten schafft.

Die deutschen Exporte legen weiter zu und setzen ihren Aufwärtstrend fort, wie die dpa mitteilt: Auch im Mai sind die Ausfuhren gestiegen – und zwar bereits den vierten Monat in Folge. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts erhöhten sich die kalender- und saisonbereinigten Exporte um 0,9 Prozent auf 137,9 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ergibt sich sogar ein Plus von 6,1 Prozent.

US-Geschäft sorgt für Exportdynamik

Vor allem die Nachfrage aus den USA treibt die Entwicklung. Im Mai exportierten deutsche Unternehmen Waren im Wert von 14,1 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten. Gegenüber April entspricht das einem kräftigen Anstieg von 23,1 Prozent, im Jahresvergleich liegt das Plus bei gut 15 Prozent.

Der Außenhandelsverband bewertet die Entwicklung grundsätzlich positiv. „Die Welt kauft weiterhin deutsche Produkte“, sagte Präsident Dirk Jandura. Zugleich warnte er: „Doch der Welthandel wird volatiler, politischer und härter umkämpft.“

Auch aus Sicht von Ökonomen sendet der Exportanstieg ein positives Signal. „Für die deutsche Wirtschaft war der Mai ein guter Monat“, sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. „Die vielerorts befürchtete wirtschaftliche Delle im zweiten Quartal dürfte ausbleiben.“

Europa schwächelt – Impulse kommen aus Drittstaaten

Während das Geschäft mit den USA boomt, zeigt sich der europäische Markt schwächer. In die EU-Staaten wurden im Mai Waren im Wert von 78,3 Milliarden Euro exportiert – ein Rückgang von 1,1 Prozent gegenüber April.

Außerhalb Europas fällt die Entwicklung positiver aus:

  • Exporte nach China stiegen gegenüber April um 7,1 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro

  • Lieferungen nach Großbritannien legten leicht auf 6,7 Milliarden Euro zu

Damit verlagern sich die Wachstumsimpulse zunehmend auf Märkte außerhalb der Europäischen Union.

Importe sinken – Handelsüberschuss steigt deutlich

Parallel zum Exportwachstum sind die Importe zurückgegangen. Im Mai wurden Waren im Wert von 118,8 Milliarden Euro eingeführt, 2,5 Prozent weniger als im April. Im Jahresvergleich ergibt sich allerdings ein Plus von 6,9 Prozent.

Wichtige Handelspartner auf der Importseite bleiben stabil:

  • China ist mit 15,1 Milliarden Euro weiterhin wichtigster Lieferant (+2,0 %)

  • Importe aus den USA stiegen um 11,5 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro

In der Außenhandelsbilanz ergibt sich damit ein deutlich höherer Überschuss. Dieser lag im Mai bei 19,1 Milliarden Euro, nach 14,7 Milliarden Euro im April.

Iran-Krieg erhöht Risiken für Energie und Logistik

Gleichzeitig wächst das geopolitische Risiko für den Außenhandel. Der neu eskalierte Iran-Krieg belastet die globalen Handelsströme und sorgt für Unsicherheit auf wichtigen Transportwegen.

Nach Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus und militärischen Aktionen beider Seiten zogen die Ölpreise zeitweise an. Das wirkt sich direkt auf Transportkosten aus und trifft exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland besonders stark, die ohnehin schwierige Zeiten mit Konkurrenz aus China und Zöllen aus den USA erlebt. 

Konjunkturaussichten bleiben verhalten

Trotz der positiven Exportzahlen bleibt der wirtschaftliche Ausblick gedämpft. Der Sachverständigenrat erwartet für das laufende Jahr lediglich ein Wachstum von 0,5 Prozent, der Internationale Währungsfonds geht von 0,7 Prozent aus.

Steigende Energiepreise, höhere Inflation und zunehmende Unsicherheiten belasten weiterhin Unternehmen und Verbraucher. Auch strukturelle Faktoren bremsen die Wettbewerbsfähigkeit.

„Wer international erfolgreich exportieren will, muss auch international wettbewerbsfähig produzieren können“, sagte Jandura. Als Belastungen nannte er unter anderem hohe Energiekosten, lange Genehmigungsverfahren, zunehmende Regulierung und Defizite bei der Digitalisierung.


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