Dekra-Report: Was die größten Unfallrisiken für Lkw-Fahrer sind

21.05.2026 15:50 Uhr | Lesezeit: 1 min
Junger Lkw-Fahrer müde oder krank über sein Lenkrad gebeugt, hält sich den Kopf
Lenk- und Ruhezeiten einhalten sieht die Dekra als eine wichtige Maßnahme, um Unfallrisiken im Arbeitsplatz Staßenverkehr zu reduzieren: Müdigkeit erhöhe das Unfallrisiko auch für Lkw-Fahrer um das Achtfache (Symbolbild)
© Foto: blackday/stock.adobe.com

Der Verkehrssicherheitsreport 2026 der Dekra zeigt: Müdigkeit, Zeitdruck und fehlende Parkplätze zählen zu den Hauptrisiken für Berufskraftfahrer. Was Fahrer berichten und welche Maßnahmen nötig sind.

Die Dekra sieht Müdigkeit, Stress und Parkplatzmangel als Hauptunfallrisiken für Lkw-Fahrer. Sie hat zum 19. Mal in ihrem Verkehrssicherheitsreport „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ 2026 Unfallgefahren und Problemfelder von Menschen untersucht, die täglich im Arbeitsumfeld auf der Straße unterwegs sind: Als Lkw- oder Busfahrer, als Polizei oder Rettungskraft oder auf Straßenbaustellen.

So bringen Berufskraftfahrerinnen und -fahrer wichtige Waren fürs tägliche Leben oder die Industrie an ihr Ziel, betont die Prüforganisation deren Rolle. Diese würden mit ihren Fahrzeugen pro Jahr teilweise über 100.000 Kilometer zurücklegen.

Müdigkeit bei Lkw-Fahrern: Unfallrisiko steigt um das Achtfache

„Es gilt unbedingt, genauer hinzuschauen, die Ursachen zu analysieren und herauszufinden, mit welchen Maßnahmen sich Unfälle vermeiden oder zumindest in ihren Folgen mindern lassen“, sagte Jann Fehlauer, Geschäftsführer von Dekra Automobil, bei der Vorstellung des Verkehrssicherheitsreports.

Wie die Prüforganisation weiter mitteilt, wird als einer der wichtigsten Risikofaktoren im Verkehr die Müdigkeit angesehen. Denn wer müde ist, ist weniger aufmerksam und zeigt eine verzögerte Reaktionsfähigkeit. Studien zufolge steige das Risiko für einen Unfall aufgrund von Schlafmangel um das Achtfache an, erklärt die Dekra.

„Die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten sowie gezielte Gesundheitsförderung können Übermüdung, Stress und Fehlbeanspruchung reduzieren und damit die Unfallgefahr senken“, so Fehlauer.

Stressfaktoren im Straßenverkehr: Zeitdruck und Witterung erhöhen Unfallrisiko

„Ungünstige Witterungsbedingungen, hohes Verkehrsaufkommen, technische Störungen oder das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmender können jederzeit unvorhersehbare kritische Situationen zur Folge haben“, erklärt der Dekra-Geschäftsführer außerdem. Zudem können Zeitdruck, unregelmäßige Arbeitszeiten, monotone Fahrsituationen, fehlende Erholungsphasen und hohe Leistungsanforderungen zu Stress und Ermüdung beim Fahrpersonal führen.

Digitale Systeme im Lkw: Zwischen Unterstützung und Ablenkung

Als einen weiteren Risikofaktor sieht die Organisation die hohe Komplexität moderner Verkehrssysteme. Digitalisierung und Vernetzung würden Arbeitsprozesse verändern. Sie zählt die Ablenkung durch technische Geräte zu den großen Herausforderungen.

Zwar machen Navigationssysteme, digitale Auftragssteuerung und automatisierte Fahrfunktionen manche Aufgaben einfacher, sie führen aber auch zu neuen Anforderungen. Berufskraftfahrer müssen mehrere Informationen verarbeiten und Entscheidungen treffen, während sie ihre Aufmerksamkeit auf den Verkehr richten.

Lkw-Parkplätze fehlen: Zwei Drittel müssen riskant parken

Außerdem befragte das Unternehmen im Rahmen des Verkehrssicherheitsreport 2026 das Fahrpersonal zur Parkplatzsituation und zur Sicherheitslage auf Raststätten in Deutschland und anderen europäischen Staaten. Demnach müssen fast zwei Drittel der Befragten regelmäßig an gefährlichen Orten parken, um die Ruhezeiten einzuhalten.

Mehr als die Hälfte der Lkw-Fahrer legt auf der Suche nach einem Parkplatz regelmäßig mehr als 20 zusätzliche Kilometer zurück. „Sowohl das gefährliche Parken als auch die verlängerten Lenkzeiten wegen der Parkplatzsuche können das Unfallrisiko erheblich erhöhen“, so Fehlauer.

Dekra-Report: Warum der Arbeitsplatz Straße besonders gefährlich ist

Der Geschäftsführer mahnt dazu, den „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ als Hochrisikobereich nicht isoliert zu betrachten. Es handle sich um ein Zusammenspiel aus Infrastruktur, Technik, Organisation und persönlichem Verhalten. „Die reine Fokussierung auf technische Lösungen reicht nicht aus, wenn die Rahmenbedingungen oder menschliche Faktoren unberücksichtigt bleiben.“

Die Dekra fordert daher für mehr Verkehrssicherheit unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Arbeitsstellen im Straßenraum konsequent zu schützen
  • Die Arbeitsbedingungen im Transportwesen konsequent zu verbessern
  • Kontrolle der Vorschriften zur Ladungssicherung und zu Lenk- und Ruhezeiten
  • Gefahrgutvorschriften einzuhalten und diese weiterzuentwickeln
  • sichere, beleuchtete und überwachte Lkw-Parkplätze auszubauen

Der Dekra Verkehrssicherheitsreport 2026 „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ steht online unter www.dekra-roadsafety.com zum Download zur Verfügung.

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