Nach der Sperrung der Bonner Nordbrücke wird eine teilweise Wiederfreigabe der Brücke diskutiert, wie die dpa mitteilt: Eine Entscheidung der Autobahn GmbH wird kurzfristig erwartet und ist für Verkehr und Wirtschaft in der Region entscheidend.
Verkehrsexperte Roman Suthold vom ADAC Nordrhein hält es für wahrscheinlich, dass Fußgänger und Radfahrer die Brücke wieder nutzen können. Auch eine Freigabe für Autos ist aus seiner Sicht möglich – allerdings nur nach technischen Nachbesserungen. Diese Arbeiten könnten mehrere Monate dauern.
Langfristig ist die Perspektive klar begrenzt: «Der Neubau dürfte sich mindestens bis in die 30er Jahre hinziehen.», sagt Suthold. Für Lkw sieht er keine realistische Rückkehr. «Ein einzelner 40-Tonner belastet eine Brücke so stark wie 60.000 Pkw».
Welche Folgen die Sperrung für Verkehr und Wirtschaft hat
Die Sperrung der Nordbrücke führt bereits jetzt zu massiven Verkehrsproblemen in der Region Bonn. Umleitungen, längere Fahrzeiten und zusätzliche Belastungen auf anderen Rheinbrücken prägen die Lage.
Ocke Hamann von der IHK NRW beschreibt die Situation als kritisch. Eine Teilfreigabe sei zwar möglich, doch der Ausgang der Prüfungen bleibe offen. «Gleichzeitig gilt: Sicherheit geht vor.», sagt Hamann. Die Bewertung der Schäden sei komplex und nur von wenigen Fachleuten vollständig nachvollziehbar. Klar ist für ihn: «Bleibt die Nordbrücke gesperrt, ist das für die Region eine Katastrophe. Auch wenn sie teilweise wieder freigegeben werden könnte, wäre der Schaden riesig.»
Warum Experten weitere Brückenprobleme in NRW erwarten
Die Probleme der Bonner Nordbrücke gelten als Beispiel für einen größeren Sanierungsstau in NRW. Experten rechnen damit, dass weitere Brücken überprüft oder eingeschränkt werden müssen.
Als besonders gefährdet gelten laut Suthold die Rodenkirchener Brücke in Köln sowie die Wiehltalbrücke auf der A4. Beide Bauwerke stehen bereits unter erhöhter Belastung. Nach Angaben der IHK NRW sind rund 2.500 Brücken im Bundesland sanierungsbedürftig. Weitere Sperrungen oder Einschränkungen gelten daher als wahrscheinlich. «Keiner weiß genau, welche es als Nächstes treffen wird. Besonders auf die Brücken über den Rhein blicken wir mit großer Sorge», sagt Hamann.
Welche Ursachen hinter den Brückenproblemen stehen
Die meisten betroffenen Brücken wurden für deutlich geringere Verkehrsbelastungen gebaut als heute üblich. Das betrifft sowohl das Verkehrsaufkommen als auch das Gewicht der Fahrzeuge, so die dpa weiter: Während Lkw früher etwa 24 Tonnen wogen, sind heute bis zu 44 Tonnen üblich. Gleichzeitig hat der Verkehr insgesamt stark zugenommen. Diese Entwicklung belastet die Bauwerke stärker als ursprünglich vorgesehen.
Hinzu kommt laut Suthold ein strukturelles Problem: «Die Politik hat aber zu lange weggehört». Warnungen vor maroden Brücken habe es bereits seit Jahren gegeben. «Jetzt rennt man mit den Sanierungen hinterher.»
Was sich laut Experten ändern muss
Experten fordern schnellere Planungs- und Bauprozesse, um weitere Sperrungen zu verhindern. Der Sanierungsstau lasse sich mit der aktuellen Geschwindigkeit nicht bewältigen. «Die Sperrungen nehmen zu, das Tempo aber nicht - das ist nicht nachvollziehbar», sagt Hamann. Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz sei ein richtiger Ansatz, drohe aber an Wirkung zu verlieren.
Seine zentrale Forderung: «Eine Brücke an der gleichen Stelle neu zu bauen - das muss in zwei Jahren möglich sein.»
Wer für die Nordbrücke verantwortlich ist
Die Entscheidung über die Bonner Nordbrücke liegt bei der Autobahn GmbH und damit beim Bund. Gleichzeitig wächst der politische Druck im Land Nordrhein-Westfalen.
Verkehrsminister Oliver Krischer kündigte an, bei längerer Sperrung Anpassungen im Bahnverkehr zu prüfen. Zugleich verwies er auf die Zuständigkeit des Bundes.
Im Landtag kritisierte die Opposition die Landesregierung scharf: In einer von allen drei Oppositionsfraktionen beantragten Aktuellen Stunde nahmen SPD, FDP und AfD die schwarz-grüne Regierung unter Beschuss. SPD-Fraktionsvize Alexander Vogt warf der Koalition vor, trotz der sich zuspitzenden Verkehrsengpässe sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene keinen Plan zu haben, wie der Infrastruktur-Notstand zu beseitigen sei, so die dpa. Nach ihren Angaben gelten aktuell rund 2439 Brücken in NRW als marode.