Bei Insolvenzen größerer Unternehmen wird immer seltener ein Rettungsweg gefunden. Im vergangenen Jahr konnte nur noch knapp jede dritte Firma (32,1 Prozent) nach der Pleite saniert oder an Investoren verkauft werden, wie die Transformationsberatung Falkensteg in einer Studie ermittelt hat. 2020 hatte die Rettungsquote mit 57 Prozent noch deutlich mehr als die Hälfte betragen. Untersucht wurde der Verlauf von 486 Insolvenzverfahren bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro.
Fehlen eines tragfähigen Geschäftsmodells
„Die Überlebenschance eines insolventen Unternehmens ist auf einen Tiefstand gefallen und hat sich innerhalb von fünf Jahren halbiert“, sagte der Falkensteg-Partner und Studienautor Jonas Eckhardt. Eine Insolvenz sei heute „deutlich häufiger das Ende als ein Neuanfang“. Die angezeigte Zahlungsunfähigkeit gehe deutlich seltener auf vorübergehende Belastungen zurück. In weiten Teilen fehle es schlicht an einem tragfähigen Geschäftsmodell. Das treffe beispielsweise Zulieferer der Verbrennertechnik oder den klassischen Handel. Selbst risikobereite Käufer übernähmen keine Kapazitäten, die strukturell nicht mehr gebraucht würden.
"Die Überlebenschance eines insolventen Unternehmens ist auf einen Tiefstand gefallen."
Falkensteg-Partner und Studienautor Jonas Eckhardt
Transportunternehmen sind für Käufer attraktiv
Die höchste Rettungsquote beobachtet die Studie im Gesundheitswesen (50 Prozent) sowie in der Logistikbranche mit 42,1 Prozent. Transportunternehmen seien für Käufer attraktiv, weil sie Zugriff auf knappe operative Ressourcen wie Fahrer, Disponenten, Fachpersonal, Fuhrpark, Standorte und Kundenbeziehungen erhielten. Im Maschinenbau sorgen Patente, moderne Maschinenparks, eingespielte Kundenbeziehungen und spezialisierte Belegschaften für 41,0 Prozent Übernahmen oder Sanierungen. Nahezu sicher ist das unternehmerische Aus für insolvente Autohandelsunternehmen, von denen nur 6,1 Prozent gerettet wurden.
Hohe Risiken für Logistikunternehmen
Für das laufende Jahr rechnet Eckhardt mit etwa 450 Großinsolvenzen nach 486 Fällen im Jahr 2025. Zu den größten Belastungen zählten laut der Untersuchung steigende Energiepreise, hohe Arbeitskosten sowie drohende Lieferkettenstörungen, auch die Handelspolitik der USA wird genannt. Die höchsten Risiken steckten in der Logistik, der Chemie und der Metallwarenbranche. Nach einer kurzen Atempause im Jahr 2025 werde die Insolvenzwelle bei den Automobilzulieferern weitergehen.