Lkw-Fahrer aus Drittstaaten – Wie gelingt der Change bei der Fahrerakquise?

03.07.2026 09:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
Fahrer, Trucker, Berufskraftfahrer
Fahrer aus Drittstaaten sind bei guter Vorbereitung eine potenzielle Lösung für den Fahrermagel in der Europäischen Union
© Foto: MAN Truck & Bus

Deutschland fehlen bis zu 120.000 Lkw-Fahrer, jedes Jahr kommen weitere 15.000 dazu. Der europäische Arbeitsmarkt ist leer, die Fahrerbelegschaft altert rapide. Immer mehr Unternehmen richten den Blick deshalb auf Drittstaaten. Doch der Weg vom Bewerber in Ghana, Albanien oder Ägypten bis ins Fahrerhaus eines deutschen Trucks ist komplex, langwierig und voller Fallstricke. Eine neue Folge von VerkehrsRundschau Funk zeigt, was Speditionen wirklich wissen müssen.

Warum Drittstaaten zur strategischen Notwendigkeit werden
Die Ausgangslage ist eindeutig: Der EUArbeitsmarkt ist praktisch leergefegt. Länder wie Polen, Rumänien oder Bulgarien kämpfen selbst mit Engpässen, während die deutsche Fahrerbelegschaft rapide altert. Die inländische Ausbildung deckt nur einen Bruchteil des Bedarfs. „Wir müssen uns verabschieden von der Vorstellung, dass der europäische Markt das Problem noch lösen kann“, sagt Christian Richter, „Drittstaaten sind kein Plan B mehr, sondern der einzige realistische Weg.“ Die GVN‑Machbarkeitsstudie zeigt klar: Wer heute wachsen oder überhaupt stabil bleiben will, muss über Drittstaaten nachdenken – nicht als exotische Option, sondern als strategische Notwendigkeit.

Lkw-Fahrer aus Drittstaaten: Rettung gegen den Fahrermangel?

Welche Länder sich eignen – und warum Strukturen entscheidend sind

Die Ausgangslage ist eindeutig: Der EU‑Arbeitsmarkt ist praktisch leergefegt. Länder wie Polen, Rumänien oder Bulgarien kämpfen selbst mit Engpässen, während die deutsche Fahrerbelegschaft rapide altert. Die inländische Ausbildung deckt nur einen Bruchteil des Bedarfs. „Wir müssen uns verabschieden von der Vorstellung, dass der europäische Markt das Problem noch lösen kann“, sagt Christian Richter, „Drittstaaten sind kein Plan B mehr, sondern der einzige realistische Weg.“ Die GVN‑Machbarkeitsstudie zeigt klar: Wer heute wachsen oder überhaupt stabil bleiben will, muss über Drittstaaten nachdenken – nicht als exotische Option, sondern als strategische Notwendigkeit.

Qualifizierung: Der dickste Brocken im gesamten Prozess

Die Qualifizierung ist der Teil, an dem viele Projekte scheitern. Fahrer müssen Deutsch lernen – mindestens A2, besser B1. Sie benötigen eine Anerkennung ihres Führerscheins, müssen theoretische und praktische Prüfungen ablegen und die BKF‑Grundqualifikation erwerben. Deutschland ist hier notorisch langsam: Prüfungen oft nur auf Deutsch, Termine rar, Verfahren schwerfällig. Viele Unternehmen weichen deshalb auf Polen aus, wo BKF‑Prüfungen mehrsprachig und Abläufe eingespielter sind. „Deutschland ist bei der BKF‑Qualifikation nicht gerade Weltmeister“, sagt Richter, „wer auf schnellere Verfahren angewiesen ist, muss pragmatisch denken – und das heißt oft: Qualifizierung im Ausland.“

Visum, Ankunft, Integration: Der unterschätzte Kraftakt

Der härteste Teil ist das Visum. Realistisch dauern die Verfahren sechs bis zwölf Monate. Botschaften sind überlastet, jede fehlende Unterlage wirft das Verfahren zurück. Parallel müssen Unternehmen bereits Wohnraum organisieren, Arbeitsverträge vorbereiten, Sozialversicherung anmelden und ein Onboarding planen, das kulturelle und sprachliche Unterschiede berücksichtigt. Viele Speditionen unterschätzen, wie viel Betreuung nötig ist: Behördengänge, Bankkonto, Krankenversicherung, Orientierung im Alltag. Drittstaatenrekrutierung ist kein Projekt, sondern ein langfristiger Integrationsprozess. „Die Arbeit endet nicht mit der Einreise“, betont Richter, „die ersten Monate entscheiden über Bindung, Motivation und langfristigen Erfolg.“

Politische Baustellen und der Rat an Unternehmen

Führerscheinrecht, BKF‑Reform, Visa – überall hakt es. Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Trotzdem können Projekte funktionieren, wenn sie professionell aufgesetzt werden. Wenn eine Spedition sich ernsthaft und auf Basis eines fundierten Zeitplans mit einem solchen Projekt beschäftigt, kann daraus ein Zukunftsprojekt gegen den Fahrermangel werden.  


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