Neue ETS-Regeln treiben Kosten in Chemieindustrie
Die Europäische Kommission hat neue Benchmarkwerte im Emissionshandelssystem (ETS) festgelegt. Diese bestimmen, wie viele CO₂‑Zertifikate Industrieunternehmen künftig kostenlos erhalten. Nach Einschätzung des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) führt dies für die Branche bereits ab 2026 zu zusätzlichen Kosten in dreistelliger Millionenhöhe pro Jahr.
Strengere Vorgaben verändern Zertifikate-Zuteilung
Die neuen Benchmarks gelten für den Zeitraum bis 2030 und verschärfen die Effizienzvorgaben für den CO₂‑Ausstoß von Produktionsanlagen. Unternehmen müssen dadurch mehr Emissionszertifikate zukaufen, wenn ihre Anlagen diese Vorgaben nicht erreichen.
Der Emissionshandel ist eines der zentralen Instrumente der EU‑Klimapolitik: Je knapper die Zertifikate werden, desto höher steigen die Kosten für CO₂‑intensive Produktion.
Kritik aus der Industrie
Der VCI kritisiert die neuen Vorgaben als nicht praxistauglich. Die Benchmarks orientierten sich teils an Produktionsbedingungen, die für viele deutsche Standorte nicht realistisch erreichbar seien.
Insbesondere Unterschiede bei:
- Energieversorgung
- Infrastruktur
- sowie verfügbaren Ressourcen
führten dazu, dass einzelne Regionen nicht vergleichbar seien.
Transformation stößt an Grenzen
Die EU verfolgt mit den strengeren Regeln das Ziel, Investitionen in klimafreundliche Technologien zu beschleunigen. Nach Einschätzung der Branche scheitert dies derzeit jedoch an fehlenden Rahmenbedingungen.
Genannt werden vor allem:
- unzureichende Energie- und Wasserstoffinfrastruktur
- hohe Kosten für grünen Strom
- sowie fehlende Nachfrage nach teureren, klimafreundlichen Produkten
Damit wird die Transformation aus Sicht der Unternehmen erschwert.
Forderung nach Entlastung
Der VCI fordert, die zusätzliche Belastung durch den Kauf von Emissionszertifikaten vorübergehend zu begrenzen. Ziel sei es, Unternehmen mehr Zeit zu geben, die notwendigen Voraussetzungen für den Wandel zu schaffen.
Zudem wird eine Überarbeitung der Berechnungsmethoden gefordert, da diese in Teilen als technisch nicht erfüllbar gelten.
Reform des Emissionshandels steht bevor
Mit Blick auf die anstehende Reform des ETS im Juli fordert die Industrie grundlegende Anpassungen. Dazu zählen unter anderem:
- realistischere Reduktionspfade
- Anpassungen bei der Marktstabilitätsreserve
- sowie bessere Rahmenbedingungen für Investitionen