BDI warnt vor „China-Schock 2.0“ für die Industrie
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht die deutsche Wirtschaft zunehmend unter Druck durch China. Nach Einschätzung des Verbands betreffen die Herausforderungen längst nicht mehr einzelne Branchen, sondern weite Teile der Industrie. Verantwortlich seien unter anderem Abhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen, staatlich geförderte Überkapazitäten chinesischer Unternehmen sowie ein wachsender Wettbewerbsdruck in Schlüsseltechnologien.
Der BDI spricht in diesem Zusammenhang von einem „China-Schock 2.0“, der die europäische Industrie vor neue Herausforderungen stelle.
Billige Importe erhöhen Wettbewerbsdruck
Nach Auffassung des Industrieverbands treffen mehrere Entwicklungen gleichzeitig aufeinander. Dazu gehören ein schwacher Binnenmarkt in China, hohe Produktionskapazitäten sowie eine begrenzte Aufnahmefähigkeit anderer großer Absatzmärkte.
Die Folge sei ein verstärkter Exportdruck chinesischer Unternehmen, der sich zunehmend auf den europäischen Binnenmarkt auswirke. Viele Industriezweige sehen sich dadurch einem intensiveren Preiswettbewerb ausgesetzt.
Rohstoffe und Technologien im Fokus
Besondere Sorgen bereiten aus Sicht des BDI die Abhängigkeiten bei strategisch wichtigen Rohstoffen und Vorprodukten. Gleichzeitig investiert China massiv in Zukunftstechnologien und verfolgt das Ziel, in zahlreichen Schlüsselindustrien eine führende Rolle einzunehmen.
Diese Entwicklung betrifft unter anderem Bereiche wie:
- Elektromobilität,
- Batterietechnologie,
- Digitalisierung,
- erneuerbare Energien,
- sowie industrielle Hochtechnologie.
Europa soll handelsfähig bleiben
Trotz der wachsenden Herausforderungen spricht sich der Verband gegen eine vollständige Abschottung gegenüber China aus. Stattdessen müsse Europa seine wirtschaftlichen Interessen konsequenter vertreten und gleichzeitig die Regeln des freien Welthandels stärken.
Positive Signale sieht der BDI in neuen internationalen Handelsabkommen der Europäischen Union. Diese könnten helfen, Absatzmärkte zu diversifizieren und wirtschaftliche Abhängigkeiten zu verringern.
Handelsabkommen gewinnen an Bedeutung
Vor dem Hintergrund der geopolitischen Veränderungen gewinnen neue Handelspartnerschaften für europäische Unternehmen zunehmend an Bedeutung.
Der Verband verweist darauf, dass ein großer Teil des Welthandels weiterhin auf Grundlage internationaler Handelsregeln stattfindet. Umso wichtiger sei es, bestehende Wirtschaftsbeziehungen auszubauen und neue Märkte zu erschließen.
Deutsche Industrie spürt Wandel bereits
Für viele Unternehmen ist die veränderte Wettbewerbssituation bereits spürbar. Während China über viele Jahre ein wichtiger Absatzmarkt für deutsche Industrieprodukte war, geraten deutsche Hersteller dort zunehmend unter Druck.
Besonders sichtbar ist dies in Teilen der Automobilindustrie, wo heimische chinesische Anbieter Marktanteile gewinnen und verstärkt auch in Europa auftreten.
Europa soll schneller reagieren
Der BDI fordert daher eine engere Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft. Ziel müsse es sein, schneller auf Marktveränderungen reagieren und Wettbewerbsverzerrungen wirksamer begegnen zu können.
Gleichzeitig müsse Europa seine eigene industrielle Basis stärken und Investitionen in Innovation, Forschung und technologische Souveränität ausbauen.