Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat vor einer höheren Inflation gewarnt und eine schnelle Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) auf der nächsten Zinssitzung im Juni in Aussicht gestellt. „Wir können die hohen Energiepreise nicht ausblenden“, sagte Nagel dem „Handelsblatt“. Zinserhöhungen würden „immer wahrscheinlicher“, wenn sich das Inflationsbild nicht grundsätzlich ändere, sagte Nagel, der auch Ratsmitglied der EZB ist.
Inflationsraten über vier Prozent möglich
Nagel erklärte, er wollte Inflationsraten über vier Prozent in einzelnen Monaten nicht ausschließen. „Selbst bei einem baldigen Kriegsende könnte die Inflationsrate deutlich länger erhöht bleiben, als wir noch vor Wochen dachten“, so der Notenbanker. Zuletzt war die Inflation in der Eurozone im April auf 3,0 Prozent gestiegen. Sie liegt damit deutlich über dem Ziel der EZB, die eine mittelfristige Teuerung von zwei Prozent anstrebt. Allerdings liegt die Kernrate der Inflation, bei der schwankungsanfällige Preise für Energie und Nahrungsmittel ausgeblendet werden, deutlich niedriger.
Die EZB könnte die Zinsen erhöhen
Da sich weiter keine Fortschritte hin zu einem Ende des Iran-Kriegs abzeichnen und der Transport von Waren durch die Straße von Hormus behindert bleibt, steigt an den Finanzmärkten die Erwartung, dass die EZB die Zinsen erhöhen könnte. Der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau machte aber im Radiosender „France Info“ deutlich, dass es noch keine ausreichenden Informationen über die weitere Entwicklung der Kerninflation gebe.