Ökonom erwartet anhaltend hohe Kraftstoffpreise

13.04.2026 08:37 Uhr | Lesezeit: 3 min
Person nimmt Zapfhahn aus der Tanksäule
Die Kraftstoffpreise haben laut ADAC am Wochenende zwar nachgegeben, allerdings weniger als in den Vortagen
© Foto: mikemobil2014-stock.adobe.com

In den vergangenen Tagen gingen die Kraftstoffpreise zwar etwas zurück, bleiben aber hoch. dies könnte angesichts der unsicheren politischen Lage auch längere Zeit so bleiben, warnt ein Ökonom.

Nach der Waffenruhe im Iran-Krieg erwartet der Ökonom Carsten Brzeski kurzfristig etwas Entlastung an den Tankstellen, warnt jedoch vor anhaltend hohen Preisen und neuen Risiken. „Die Tankpreise gehen leicht zurück. Aber eben auch deshalb, weil wir zu Beginn der Woche durch die Eskalation extrem hohe Preise gesehen haben“, sagte der Chefvolkswirt bei der Bank ING im Interview mit dem Nachrichtenportal „T-Online“. Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau sei nicht in Sicht. „Wir landen aber nicht bei den Spritpreisen vor dem Iran-Krieg. Dafür ist die Waffenruhe viel zu brüchig. Es gibt nach wie vor ein viel zu hohes Risiko weiterer Eskalationen.“ Zudem bleibe die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus eingeschränkt.

Ökonom rechnet mit hohen Energiepreisen

In einem Basisszenario, also der angenommenen wahrscheinlichsten Entwicklung, rechnet Brzeski mit weiter erhöhten Energiepreisen. „In unserem Basisszenario, das fast schon ein mildes Szenario ist, gehen wir davon aus, dass es noch einmal zu einer Eskalation kommen wird.“ Erst danach sei mit einer schrittweisen Stabilisierung zu rechnen. „Damit würde über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen die Straße von Hormus langsam wieder aufgehen“, sagte er. Eine vollständige Normalisierung werde jedoch erst im vierten Quartal erwartet. Zum Jahresende könnte der Ölpreis bei „knapp unter 90 Dollar pro Barrel Dated Brent“ liegen. „Tankpreise könnten dauerhaft hoch bleiben, wenn auch niedriger als in den vergangenen Tagen.“

Ökonom warnt vor einer neuen Inflationswelle

Für Deutschland und Europa prognostiziert der Ökonom zugleich eine neue Inflationswelle. Diese werde „im Sommer in der Spitze auf knapp vier Prozent steigen“ und sich „bis ins erste Quartal 2027 hineinziehen“. Das Wirtschaftswachstum in Deutschland sieht er bei „ungefähr bei 0,6 oder 0,7 Prozent“. Im ungünstigsten Fall droht laut Brzeski wieder eine Eskalation mit erheblichen Folgen: „Im Worst-Case-Szenario scheitern die Friedensbemühungen und es kommt erneut zu einer Eskalation.“ Dann könnten die Ölpreise stark steigen und die Inflation auf „sechs bis acht Prozent“ klettern. „Wir würden über eine leichte Rezession sprechen“, so Brzeski. „Die deutsche Konjunktur wäre für das Gesamtjahr im Minus.“

Kraftstoffpreise haben nur wenig nachgegeben

Die Spritpreise haben am Wochenende zwar nachgegeben, allerdings weniger als in den Vortagen, so der ADAC. Diesel verbilligte sich im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Samstags um 1,4 Cent auf 2,301 Euro pro Liter, wie der ADAC mitteilt. Superbenzin der Sorte E10 verbilligte sich um 0,3 Cent auf 2,101 Euro pro Liter. Am Sonntagmittag gab es allerdings hohe Preissprünge. Zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr verteuerte sich Diesel um 9,7 Cent auf 2,364 Euro pro Liter, Super E10 um 9,3 Cent auf 2,164 Euro, wie der ADAC mitteilte.

Trump droht mit Blockade der Straße von Hormus

Nach dem vorläufigen Scheitern der Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran hat US-Präsident Donald Trump eine Seeblockade der Straße von Hormus angekündigt. Die US-Marine werde alle Schiffe daran hindern, in die Meerenge einzufahren oder diese zu verlassen, teilte Trump auf der Plattform Truth Social mit. „Die Blockade wird in Kürze beginnen.“ Die Streitkräfte seien auch angewiesen worden, alle Schiffe abzufangen, die Gebühren an Iran gezahlt hätten. Niemand, der eine „illegale Maut“ entrichte, werde auf hoher See sichere Passage haben, schrieb Trump. Zudem kündigte er an, vom Iran gelegte Seeminen in der für die Weltwirtschaft wichtigen Meerenge zerstören zu lassen.


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