Brenner-Nordzulauf könnte deutlich teurer werden
Der geplante deutsche Zulauf zum Brennerbasistunnel zählt zu den größten Bahnprojekten des Landes – und könnte deutlich teurer ausfallen als bisher bekannt. Die Deutsche Bahn beziffert die aktuellen Planungs- und Baukosten für die Strecke zwischen München und der österreichischen Grenze auf rund 8,6 Milliarden Euro.
Zusätzlich kalkuliert das Unternehmen umfangreiche Risikovorsorgen für Inflation und mögliche Kostensteigerungen. Einschließlich dieser Reserven liegt das finanzielle Gesamtvolumen bei deutlich über 16 Milliarden Euro.
Hohe Reserven für Risiken eingeplant
Nach Angaben der Projektverantwortlichen handelt es sich bei den zusätzlichen Milliardenbeträgen nicht um fest eingeplante Ausgaben, sondern um Vorsorge für mögliche Preissteigerungen und Projektrisiken.
Die Bahn verweist darauf, dass bei großen Infrastrukturprojekten langfristige Unsicherheiten berücksichtigt werden müssen. Ziel sei es, die tatsächlichen Kosten durch ein konsequentes Risikomanagement möglichst deutlich darunter zu halten.
Bundestag muss über Trasse entscheiden
Das Projekt steht nun vor einer wichtigen politischen Weichenstellung. Das Bundesverkehrsministerium will die Planungsunterlagen zusammen mit einer fachlichen Bewertung an den Bundestag übergeben.
Dort soll über die künftige Trassenführung entschieden werden. Erst danach können die weiteren Planungsschritte und Genehmigungsverfahren vorangetrieben werden.
Deutschland hinkt hinterher
Während der eigentliche Brennerbasistunnel in den Alpen bereits seit Jahren gebaut wird und Anfang der 2030er Jahre den Betrieb aufnehmen soll, liegt die Planung der deutschen Zulaufstrecke deutlich zurück.
In Österreich und Italien sind zahlreiche Abschnitte bereits fertiggestellt, im Bau oder weit fortgeschritten. Auf deutscher Seite steht dagegen die endgültige Trassenentscheidung noch aus.
Tunnel treiben Kosten nach oben
Ein erheblicher Teil der hohen Kosten geht auf aufwendige Tunnelbauwerke zurück. Um die Belastungen für Anwohner zu reduzieren und Konflikte mit Kommunen zu entschärfen, wurde der Anteil unterirdischer Streckenführungen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht.
Die von der Bahn bevorzugte Variante umfasst rund 64 Kilometer Strecke, von denen mehr als die Hälfte im Tunnel verlaufen sollen.
Streit um Verlauf bleibt bestehen
Trotz umfangreicher Dialogverfahren gibt es weiterhin Widerstand gegen das Vorhaben. Bürgerinitiativen bevorzugen einen Ausbau der bestehenden Bahnstrecke und lehnen eine neue Trasse ab.
Umstritten bleibt insbesondere die geplante Querung des Inns nördlich von Rosenheim. Während die Bahn eine Brückenlösung favorisiert, fordern Kritiker eine deutlich teurere Untertunnelung.