Der Brenner-Basistunnel gilt als eines der bedeutendsten europäischen Infrastrukturprojekte. Er soll den Güterverkehr stärker auf die Schiene verlagern, den Lkw-Transit über die Alpen reduzieren und schnelle Bahnverbindungen ermöglichen. Ab 2032 ist die Inbetriebnahme geplant, unter anderem mit einer Fahrzeit von rund zweieinhalb Stunden zwischen München und Verona.
Planung des deutschen Nordzulaufs weiter offen
Während der Tunnel in Österreich und Italien voranschreitet, befindet sich die Planung der nördlichen Zulaufstrecke durch das bayerische Inntal weiterhin im Prozess. Das Bundesverkehrsministerium will die Unterlagen in den kommenden Monaten prüfen und anschließend an den Bundestag übermitteln. Dieser entscheidet dann über Zeitplan, Fortgang und Ausgestaltung des Projekts.
Eine Entscheidung zum Brenner-Nordzulauf wird nach Angaben der CSU-Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig im ersten Halbjahr 2026 erwartet. Die Verzögerung begründet sie mit der Vielzahl parallel zu bewertender Schienenprojekte.
Bürgerinitiativen fordern Ausbau statt Neubau
Vor der anstehenden Entscheidung positionieren sich Bürgerinitiativen erneut deutlich. Unter dem Dach des Vereins Brennerdialog Rosenheimer Land sprechen sie sich weiterhin für den Ausbau der bestehenden Strecke aus. Dieser sei aus ihrer Sicht schneller, kostengünstiger und nachhaltiger als ein kompletter Neubau.
Kritisch sehen die Initiativen insbesondere die Kostenentwicklung: Die aktuellen Schätzungen für den Neubau liegen bei neun bis 15 Milliarden Euro – ein Vielfaches früherer Annahmen. Zudem befürchten sie erhebliche Belastungen für Kommunen und Anwohner.
Deutsche Bahn setzt auf Neubautrasse
Die Deutsche Bahn hält den Ausbau der Bestandsstrecke hingegen für nicht ausreichend. Sie hat eine Neubautrasse geplant und die entsprechenden Unterlagen beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht. Die Entscheidung des Bundestages gilt als Voraussetzung für die nächsten Planungsschritte.
Zentrale Diskussionspunkte sind zusätzliche Tunnelabschnitte zum Schutz der Bevölkerung. Diese könnten zwar die Eingriffe in Landschaft und Siedlungsräume reduzieren, würden das Projekt jedoch verteuern und verzögern.
Politik fordert Weitblick bei Jahrhundertprojekt
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter bezeichnet die Trassenwahl als „Jahrhundert-Entscheidung“. Er fordert eine möglichst unterirdische Streckenführung, umfassenden Lärmschutz und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Landschaft. Die Verantwortung für Umsetzung und Zeitplan liege beim Bund, ein Neubau sei jedoch für Wirtschaft und grenzüberschreitenden Verkehr unerlässlich.
Langfristiger Zeitplan und internationale Dimension
Trotz Verzögerungen wird derzeit eine Fertigstellung der Neubaustrecke um das Jahr 2040 angestrebt. Gegner des Neubaus haben bereits Klagen angekündigt, was den Baustart weiter hinauszögern könnte.
Auch in Österreich und Italien sind Zulaufstrecken notwendig. Dort sind die Planungen teilweise weiter fortgeschritten, einzelne Abschnitte befinden sich bereits im Bau oder sind abgeschlossen. Der Brenner-Basistunnel selbst wurde 2004 beschlossen und ist seit 2016 im deutschen Bundesschienenausbaugesetz als Projekt mit vordringlichem Bedarf verankert.