Mit Truck Brain, neuen Komponenten für die elektrische Fahrzeugarchitektur und einer vertieften Zusammenarbeit mit DHL stellt SuperPanther auf der IAA Transportation 2026 zentrale Entwicklungen für künftige E-Lkw-Generationen vor. Parallel dazu treibt das Unternehmen die Markteinführung seiner Sattelzugmaschine eTopas 600 in Europa weiter voran.
Truck Brain soll Transportaufträge verstehen und bewerten
Die aktuellen Fahrzeuge von SuperPanther verfügen schon über Funktionen für Datenerfassung, Ferndiagnose, Over-the-Air-Updates, Energiemanagement und die Koordination zentraler Fahrzeugsysteme. Truck Brain baut auf dieser Architekur auf: Dabei handelt es sich um eine zusätzliche boardseitige Intelligenzschicht, die Fahrzeugzustand, Transportauftrag, Umgebungsinformationen und externe Daten zusammenführt.
Während das Echtzeit-Fahrsystem Sensordaten unmittelbar in Fahrmanöver umsetzt, soll Truck Brain Situationen einordnen, mögliche Entwicklungen bewerten und dem Fahrzeug konkrete Ziele sowie Strategien vorgeben. Eine separate Sicherheits- und Koordinationsschicht prüft jede Entscheidung, bevor sie ausgeführt wird.
„Automatisiertes Fahren lernt, wie man ein Fahrzeug bewegt. Truck Brain ergänzt dieses Können um Wissen, Kontext, Gedächtnis und Schlussfolgerungsvermögen in Bezug auf den Transportauftrag und die physische Welt“, sagt Chao Liu, Gründer und CEO von SuperPanther. „Das Fahrsystem reagiert in Millisekunden, während Truck Brain den Verlauf der gesamten Fahrt berücksichtigt. Verbunden werden beide Ebenen durch eine Koordinations- und Sicherheitsschicht.“
KI-Modell soll auch ohne Cloud-Anbindung arbeiten
Für den Einsatz im Fahrzeug setzt SuperPanther zunächst auf ein spezialisiertes Modell mit sieben Milliarden Parametern. Es wurde für eine künftige Rechnerplattform mit einer Leistung von 1000 TOPS optimiert und soll auch ohne permanente Cloud-Verbindung arbeiten können. Nach Unternehmensangaben sind für die Leistungsfähigkeit eines solchen Systems jedoch nicht allein die Parameterzahl entscheidend, sondern vor allem Fahrzeugwissen, Betriebsdaten und Erfahrungen aus realen Transportanwendungen.
SuperPanther plant schrittweise Automatisierung
Der Hersteller verfolgt nach eigenen Angaben einen dreistufigen Entwicklungsansatz. Zunächst soll Truck Brain Fahrer bei L2+-Anwendungen unterstützen (für kontextbezogene und nachvollziehbare Assistenz). Später sind L4-Funktionen innerhalb definierter Einsatzbereiche vorgesehen. Langfristig sollen vollständig automatisierte Cargo-Roboter den gesamten Transportprozess unterstützen. Für 2027 plant SuperPanther einen L2+-Autobahnpiloten mit aktiven Spurwechseln, Kollisionsvermeidung innerhalb der Fahrspur sowie Navigation an Autobahnauffahrten. Die Verantwortung bleibe dabei beim Fahrer.
DHL und SuperPanther prüfen intelligente Transportlösungen
Auf der IAA Transportation 2026 unterzeichneten SuperPanther und DHL Group eine Absichtserklärung zur Untersuchung möglicher Kooperationen im Bereich intelligenter und automatisierter Transportlösungen. Im Mittelpunkt stehen reale Logistikabläufe, betriebliche Anforderungen und Betriebsdaten. Ziel ist es, Anforderungen für zukünftige automatisierte batterieelektrische Lkw abzuleiten und mögliche Einsatzszenarien unter Praxisbedingungen zu bewerten.
„Autonomes Fahren hat das Potenzial, den Straßengüterverkehr künftig sicherer, effizienter und nachhaltiger zu machen. DHL Freight hat autonome Fahrzeuge bereits in einer kontrollierten Umgebung für die eigene Hoflogistik getestet. Für den Einsatz auf öffentlichen Straßen in Deutschland müssen jedoch noch die entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen geklärt werden. Der erste SuperPanther-Lkw aus europäischer Serienproduktion ist bereits für DHL Freight im Einsatz. Mit der Absichtserklärung wollen wir die Zusammenarbeit mit SuperPanther beim autonomen Fahren ausbauen und gemeinsam untersuchen, welche Möglichkeiten diese Technologie für die Zukunft des Straßengüterverkehrs bietet“, sagt Dr. Antje Huber, Head of Strategy, Marketing & Chief of Staff bei DHL Freight.
eTopas 600 bereits in mehreren Ländern im Einsatz
Parallel zur Entwicklung neuer Technologien treibt SuperPanther die Markteinführung des eTopas 600 voran. Die 4x2-Sattelzugmaschine hat die europäische Fahrzeugtypgenehmigung erhalten, wird gemeinsam mit Steyr Automotive in Österreich in Serienproduktion hergestellt. Das Fahrzeug verfügt über eine Batteriekapazität von 621 kWh und erreicht laut Hersteller im realen Fahrbetrieb Reichweiten von bis zu 560 Kilometern. Über zwei CCS2-Anschlüsse sind Ladeleistungen von bis zu 660 kW möglich. Die ersten Fahrzeuge sind bereits im kommerziellen Einsatz in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Polen und Tschechien unterwegs.
Lesen Sie hier von der ersten Testfahrt mit dem Superpanther eTopas 600 aus China.
Neue Elektroachse und Hochvolt-Technik in Entwicklung
Darüber hinaus präsentierte SuperPanther neue Komponenten für kommende Fahrzeuggenerationen. Die nächste Generation der EverDrive-Elektroachse erreicht laut Hersteller 43.000 Nm Dauerdrehmoment und 500 kW Dauerleistung. Gegenüber der Vorgängerversion konnte das Gewicht um 130 Kilogramm reduziert werden. Ergänzt wird die Entwicklung durch einen neuen Hochvolt-Domänencontroller, der Leistungselektronik, Energieverteilung und Energiemanagement zusammenführt. Dadurch sollen Gewicht und Bauraumbedarf deutlich sinken.
Bis Ende 2027 sollen 1000 Fahrzeuge ausgeliefert werden
Nach Angaben des Unternehmens sollen bis Ende 2026 rund 100 Fahrzeuge an europäische Kunden ausgeliefert werden. Bis Ende 2027 plant SuperPanther insgesamt 1000 Auslieferungen. „Elektro-Lkw wechseln vom Entwicklungsprogramm in den Kundenbetrieb", sagte Michael Ruf, Europa-Chef von SuperPanther. „Der eTopas 600 ist die Plattform, auf der wir in Europa zuverlässige Reichweite, effizienten Energieeinsatz, produktives Laden und Lifecycle-Support unter Beweis stellen."