Niedersachsens Seehäfen steigern Umschlag 2025 – hohe Investitionen bis 2026

23.03.2026 13:45 Uhr | Lesezeit: 4 min
Zogen gemeinsam Bilanz für die niedersächsischen Seehäfen im Jahr 2025: v.l. Grant Hendrik Tonne (Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Bauen), Inke Onnen-Lübben (Geschäftsführerin Seaports of Niedersachsen GmbH) und Holger Banik (Geschäf
Zogen gemeinsam Bilanz für die niedersächsischen Seehäfen im Jahr 2025: v.l. Grant Hendrik Tonne (Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Verkehr und Bauen), Inke Onnen-Lübben (Geschäftsführerin Seaports of Niedersachsen) und Holger Banik (Geschäftsführer Niedersachsen Ports sowie der JadeWeserPort Realisierung)
© Foto: Andreas Burmann

Die niedersächsischen Seehäfen melden 2025 ein kräftiges Plus beim Güterumschlag. Vor allem Container und Energiewende-Logistik treiben die Entwicklung – doch nicht alle Bereiche laufen rund. Mit Investitionen in neue Liegeplätze, Terminalflächen und Sanierungsprojekte soll die maritime Leistungsfähigkeit gestärkt werden.

Die Seehäfen in Niedersachsen haben im Jahr 2025 ihren Gesamtumschlag spürbar ausgebaut und damit ein deutliches Lebenszeichen der maritimen Logistikwirtschaft gesetzt. Nach aktuellen Zahlen des landeseigenen Betreibers Niedersachsen Ports (NPorts) legten die umgeschlagenen Gütermengen im Vergleich zu 2024 um neun Prozent auf insgesamt 60,5 Millionen Tonnen zu. Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) spricht von einem wichtigen Signal: „Das ist ein großer Erfolg“, betonte er.

Starker Schub im Container- und Stückgutbereich

Der Container Terminal Wilhelmshaven setzte seinen Aufwärtstrend eindrucksvoll fort. Mit 1,47 Millionen TEU verzeichnete Deutschlands einziger Tiefwasserhafen ein Plus von 74 Prozent. Zusammen mit den steigenden Fahrzeug- und Stückgutmengen ergibt sich am Standort ein Gesamtumschlag von 38,3 Millionen Tonnen – rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Großteil der Ladung entfällt weiterhin auf flüssige Massengüter. Während Kraftstoffe und LNG deutlich zulegen konnten, verringerte sich der Rohölumschlag um 17 Prozent.

Stückgut wächst landesweit – Energiewende treibt Nachfrage

Im Segment Stückgut erreichten die niedersächsischen Seehäfen insgesamt über 20 Millionen Tonnen (+41 Prozent). Die Entwicklung wird maßgeblich durch Forstprodukte, Stahl sowie Projektladungen getragen – darunter Komponenten für Windenergieanlagen und Seekabel. Auch das Geschäft mit Neufahrzeugen bleibt stark: Insgesamt wurden 2025 rund 1,63 Millionen Fahrzeuge über Cuxhaven, Emden und Wilhelmshaven verschifft.

Inke Onnen-Lübben, Geschäftsführerin der Seaports of Niedersachsen, betonte die Bedeutung der Standorte: „Die positive Entwicklung der niedersächsischen Seehäfen im vergangenen Jahr spiegelt sowohl unsere gute Wettbewerbsposition im internationalen Markt als auch unsere bedeutende Rolle als überregionale Versorgungsdrehscheiben wider.“

Sorge im Fahrzeugumschlag: Zölle bremsen Automobilbranche

Anders stellt sich die Lage im automobilen Roll-on/Roll-off-Verkehr dar. Der Fahrzeugumschlag an den niedersächsischen Seehäfen entwickelte sich rückläufig. „Da sehen wir ganz klar Auswirkungen der Zollpolitik“, erklärte Inke Onnen-Lübben, Geschäftsführerin der landeseigenen Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen.

Die internationale Handelspolitik und veränderte Absatzmärkte belasten damit weiterhin einen traditionell starken Umschlagzweig.

Rückgang bei Massengütern durch weniger Rohölimporte

Leichte Einbußen meldet NPorts zudem im Segment Massengut. Hier sorgte vor allem der geringere Handel mit Rohöl für ein Minus. Vor dem Hintergrund der Energiewende, geänderter Importstrukturen und schwankender globaler Nachfrage bleibt dieser Bereich volatil.

2026: Hohe Investitionen in Hafenentwicklung, Sicherheit und Energiewende

Parallel zum starken Umschlagjahr starten Land und Hafenbetreiber eine neue infrastrukturelle Ausbauphase. Niedersachsen Ports (NPorts) investiert 153 Millionen Euro in Infrastrukturmaßnahmen, ergänzt durch 69 Millionen Euro für Wartung und Substanzerhalt der bestehenden Anlagen.

Die Vorhaben adressieren wachsende Umschlagsmengen, die Anforderungen der Energiewende, sicherheitspolitische Entwicklungen und den Bedarf an effizienterer Hafenlogistik.

„Während wir große Infrastrukturprojekte umsetzen, bereiten wir bereits die nächsten Entwicklungsschritte vor,“ sagte Holger Banik, Geschäftsführer NPorts und JadeWeserPort Realisierungsgesellschaft

Zusätzliche Mittel ermöglichen beschleunigte Umsetzung

Über den Landeshaushalt und das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität stehen 375 Millionen Euro für 21 priorisierte Projekte bereit. Dazu zählen Modernisierungsmaßnahmen, Klimaanpassung, Digitalisierung und die Vorbereitung neuer Terminalflächen.

Ein Schlüsselprojekt ist die Konzeption eines Multipurpose-Terminals in Wilhelmshaven, das künftig an den JadeWeserPort anschließen und tideunabhängig betrieben werden soll.

Konkrete Projekte an den Hafenstandorten

Brake

  • Planung eines dritten Liegeplatzes am Niedersachsenkai
  • Modernisierung des Braker Sieltiefs (Entwässerung)
  • Sanierung des Außentores der Seeschleuse
  • Teil-Elektrifizierung der Hafenbahninfrastruktur
  • Schaffung von 3,5 ha zusätzlicher Lagerflächen

Cuxhaven

  • Bau der neuen Liegeplätze 5, 6 und 7 (inkl. 38 ha Terminalfläche)
  • Aufspülung der Flächen seit März 2026
  • Entwurfsplanung einer Schwerlastbrücke zur B 73
  • Beginn der Modernisierung der Alten Liebe im Oktober

Stade

  • Vorbereitung der Hafenerweiterung Richtung Norden
  • Baugrunduntersuchungen, Kampfmittelsondierung und Gutachten
  • Ziel: Planfeststellungsbeschluss bis 2027

Emden

  • Zehnjährige Sanierung der Großen Seeschleuse
  • Lieferung eines Reserve-Schleusentores im Herbst 2026
  • Bau eines Großschiffliegeplatzes
  • Weitere Vorhaben im Außenhafen (u. a. neue Kaianlage im Wybelsumer Polder)

Inselhäfen

  • Erneuerung des Inselversorgungshafens Wangerooge
  • Sanierung des Leitdamms Norddeich
  • Erneuerung der Dalben an der Schwerlastrampe Norderney

Wilhelmshaven

  • Start der Planung für ein tideunabhängiges Multipurpose Terminal
  • Fortführung der Planungen für den AVG WHV (verflüssigte Gase)
  • Ziel: Baubeginn ab Q4/2027 (bei erteilter Plangenehmigung)

HASHTAG


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