Staus wegen Verdi-Warnstreik erwartet: Tunnel gesperrt

20.01.2026 09:43 Uhr | Lesezeit: 3 min
Luftaufnahme zeigt wie ein LKW und Autos, bei Dedesdorf in den Wesertunnel fahren.
Auch der Wesertunnel (im Bild) ist von der Sperrung durch den Streik betroffen
© Foto: picture alliance/dpa/Carmen Jaspersen

In NRW sind Tunnel gesperrt, in Niedersachsen ebenfalls. Auch Brücken sind zum Teil betroffen. Wo auf Autobahnen, Bundes- und Landstraßen mit Behinderungen zu rechnen ist.

Auto- und Lkw-Fahrer müssen am 20. und 21. Januar in einigen Teilen Deutschlands auf Autobahnen, Bundes- und Landstraßen mit Behinderungen rechnen. Denn die Gewerkschaft Verdi hat zu Warnstreiks im Tarifkonflikt bei der Autobahn GmbH des Bundes sowie des öffentlichen Dienstes aufgerufen.

Auf Landesebene planen Beschäftigte unter anderem in Straßenmeistereien sowie in Verkehrs- und Tunnelleitzentralen die Arbeit niederzulegen. Nicht nur in Nordrhein-Westfalen (NRW), sondern auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist daher mit stärkeren Behinderungen zu rechnen.

Nordrhein-Westfalen: Elf lange Tunnel auf Bundes- und Landstraßen gesperrt

Nordrhein-Westfalen ist besonders stark von den Aktionen betroffen. Dort sollen am Nachmittag des 20. Januar alle 28 Tunnelleitzentralen des Landes bestreikt werden, wie die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bereits am Sonntag mitgeteilt hatte.

Bei elf langen Tunneln im Verlauf von Bundes- und Landesstraßen müssen Auto- und Lkw-Fahrer mit Sperrungen rechnen, wie der Landesbetrieb Straßen.NRW bekanntgab. Er geht davon aus, dass die Tunnelleitzentrale in Leverkusen von Dienstag (20.1.), 16 Uhr bis Mittwoch (21.1.), 16 Uhr bestreikt wird.

Bei den gesperrten Tunneln handele es sich um über 400 Meter lange Straßentunnel, die aus Sicherheitsgründen überwacht werden müssten. Auch der etwas kürzere und nur 275 Meter lange B42-Tunnel Oberdollendorf Galerie in Königswinter falle in diese Kategorie, da er Bestandteil der B42-Tunnelkette sei, erläuterte der Landesbetrieb.

Bei streikbedingten Arbeitsausfällen würden die Tunnel aus Sicherheitsgründen gesperrt. Eine Wiederöffnung sei erst nach dem Ende des Warnstreiks möglich.

Welche Tunnel sind betroffen?

Folgende Tunnel müssten nach Stand Montagabend (19. Januar) gesperrt werden:

  • - B42 Oberdollendorf Tunnel, Königswinter, Fahrtrichtung Nord
  • - B42 Oberdollendorf Galerie, Königswinter, offen Fahrtrichtung Nord
  • - B42 Tunnel Oberkassel, Bonn, Fahrtrichtung Nord
  • - B61 Weserauentunnel, Porta Westfalica
  • - L70 Kiesbergtunnel, Wuppertal
  • - L107 Tunnel Velbert-Langenberg, Velbert
  • - L614 Emmerauentunnel, Lügde
  • - L697 Hestenbergtunnel, Plettenberg
  • - L751 Tunnel Menkhauser Berg, Oerlinghausen
  • - L666n Tunnel Engelbert, Gevelsberg

Autobahn GmbH verweist auf Notdienste, Informationen zur Verkehrslage über einheitlichen Link

Die Autobahnen in NRW betreut die Autobahn GmbH des Bundes. Die Niederlassungen Rheinland und Westfalen des Betreibers verweisen auf Notdienstvereinbarungen, die mit den Gewerkschaften getroffen worden seien. Ziel sei es, die grundsätzliche Verfügbarkeit des Autobahnnetzes aufrechtzuerhalten und die Auswirkungen des Warnstreiks für die Verkehrsteilnehmer so gering wie möglich zu halten, erklärten Sprecher.

Die Autobahn GmbH will während des Warnstreiks am Dienstag auf autobahn.de über einen einheitlichen Link informieren, der zu Beginn des Warnstreiks auch auf den Plattformen X und Facebook kommuniziert werden soll.

Niedersachsen: Elbtunnel, Wesertunnel und Jann-Berghaus-Brücke betroffen

Auch für Auto- und Lkw-Fahrer in Niedersachsen könnte es wegen der Warnstreiks mitunter ein harter Tag werden: So soll der Hamburger Elbtunnel wegen des Warnstreiks nur eingeschränkt befahrbar sein. Je Richtung wird einer von drei Fahrstreifen des Autobahntunnels geschlossen, wie die Autobahn GmbH mitteilte. Die Teilsperrung, die die A7 betrifft, sollte bis Dienstagabend (20. Januar) dauern.

In Ostfriesland wird infolge des Warnstreiks die Jann-Berghaus-Brücke über die Ems in Leer für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger gesperrt. Die Sperrung betreffe den Zeitraum zwischen 6 und 23 Uhr, kündigte die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr an. Autos und Lastwagen können eine Umleitung über den Emstunnel der Autobahn 31 nehmen.

Auch in der Wesermarsch müssen sich Pendler und andere Reisende auf Probleme einstellen. Dort werde der Wesertunnel für den Verkehr infolge des Warnstreiks gesperrt, sagte ein Verdi-Sprecher.

Anders ist es dagegen bei der Hunteklappbrücke bei Berne. Die wichtige Brücke an der Bundesstraße 212 soll anders als beim Warnstreik im Dezember dieses Mal geöffnet bleiben.

Die Weserfähre Bremerhaven-Nordenham kündigte an, wegen der Sperrung des Wesertunnels häufiger zu fahren. In der Zeit von 5 bis 23 Uhr seien zwei Fähren im Pendelbetrieb unterwegs, teilte der Betreiber mit. Trotzdem sei mit Wartezeiten an den Anlegern und Fahrplanabweichungen zu rechnen.

IHK kritisiert ganztägige Wesertunnelsperrung: Weiträumige Umleitungen

Dass der Wesertunnel streikbedingt den ganzen Tag geschlossen bleibt, kritisiert die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK).

„Gerade in einer wirtschaftlich unsicheren Zeit sendet eine ganztägige Sperrung einer Schlüsselinfrastruktur das falsche Signal an Unternehmen“, sagte der Vorsitzende des IHK-Verkehrsausschusses, Fokke Fels. Die Sperrung zwinge den Berufs- und Lieferverkehr zu weiträumigen Umleitungen über andere Weserquerungen und verlängere Fahrzeiten erheblich, hieß es.

Drei weitere Tunnel betroffen

Weitere Vollsperrungen infolge der Warnstreiks gibt es nach Angaben der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zudem hier:

  • - B3, Tunnel Bovenden (Landkreis Göttingen)
  • - B241, Butterbergtunnel (Landkreis Göttingen)
  • - L111, Schwingeklappbrücke bei Stade.

Hamburger Elbtunnel: Erste Auswirkungen am Morgen - massiver Stau

Erste Auswirkungen in Niedersachsen zeigten sich am Morgen des 20. Januar: So sorgt der bundesweite Warnstreik im öffentlichen Dienst seit dem Morgen für massive Verkehrsprobleme rund um den Hamburger Elbtunnel. Nach Angaben der Verkehrsleitzentrale sind sowohl der Elbtunnel selbst als auch die Ausweichstrecken stark überlastet.

„Aktuell haben wir alles, was nach Hamburg rein will - Richtung Norden und sogar auch Richtung Süden - mit deutlich erhöhtem Verkehrsaufkommen“, sagte eine Sprecherin der Verkehrsleitzentrale der Deutschen Presse-Agentur am Morgen.

Auf der A1 in Richtung Hamburg staute sich der Verkehr demnach auf rund zwölf Kilometern, ebenso vom Autobahndreieck Südwest auf der A7. Auch auf der B75 bis Wilhelmsburg ging es kaum voran. Ausweichrouten wie die Bremer Straße oder die B4 seien derzeit nur im Stop-and-go-Verkehr passierbar.

Richtung Süden stockte der Verkehr laut Verkehrsleitzentrale ebenfalls erheblich, unter anderem von der A23 ab Halstenbek-Krupunder bis durch den Elbtunnel. Auch Bundesstraßen stadteinwärts, etwa die Kollaustraße, waren stark belastet.

Winterdienst: Verzögerungen möglich

Trotz des Warnstreiks soll der Winterdienst in Niedersachsen erfolgen. Es könne aber zu Verzögerungen kommen, teilte die Landesbehörde weiter mit. Verkehrsteilnehmer sollten entsprechend vorsichtig und rücksichtsvoll fahren.

Im Südwesten keine größeren Auswirkungen erwartet

Dagegen dürfte der der Warnstreik im Südwesten keine größeren Auswirkungen für Kraftfahrzeugfahrer auf den Autobahnen haben. Man habe mit den Gewerkschaften in vielen Niederlassungen sogenannte Notdienstvereinbarungen abschließen können, teilte die Autobahn GmbH mit. Ziel sei es, den Betrieb im Falle von Arbeitskampfmaßnahmen weitgehend gewährleisten zu können, hieß es. Man wolle die Auswirkungen auf die Verkehrsteilnehmer und die Wirtschaft so gering wie möglich halten.

Die Niederlassung Südwest der Autobahn GmbH hat nach eigenen Angaben rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist für das Autobahnnetz in Baden-Württemberg sowie in Teilen von Rheinland-Pfalz und Hessen zuständig. Insgesamt betreuen die Mitarbeiter rund 1.050 Autobahn-Kilometer. In Stuttgart betreibt die Autobahn GmbH eine Verkehrs- und Tunnelleitzentrale, außerdem gibt es 15 Autobahnmeistereien entlang der Straßen.

Wo wird bundesweit gestreikt?

Insgesamt sind Warnstreiks nach Verdi-Angaben an 18 Standorten bundesweit geplant. Aktionen und Arbeitsniederlegungen gibt es demnach in Niederlassungen und Außenstellen der Autobahn GmbH etwa auch in:

  • Nürnberg,
  • Rostock,
  • Stuttgart,
  • Hannover,
  • Montabaur,
  • Hamm,
  • Gelsenkirchen,
  • Köln,
  • Kiel,
  • Hamburg und
  • Berlin.

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