Rechtliche und bürokratische Hürden wirken abschreckend

23.09.2026 16:19 Uhr | Lesezeit: 3 min
Schild "Fachkräfte gesucht" hängt an einem Gitterzaun
Der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften werde steigen, in dem Maße wie die Konjunktur anzieht, so Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW  
©Foto: Heiko/ AdobeStock

Rund jedes zehnte mittelständische Unternehmen in Deutschland beschäftigt ausländische Fachkräfte. Hürden bei der Rekrutierung sind die Sprache, aber auch die Bürokratie.

Die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften kann angesichts des demographischen Wandels und dessen Folgen für den deutschen Arbeitsmarkt ein Lösungsbaustein für die entstehende Personallücke sein. Derzeit beschäftige gut jedes zehnte mittelständische Unternehmen in Deutschland – 11,5 Prozent – Fachkräfte aus dem Ausland, so das Ergebnis einer repräsentativen Sonderbefragung im Rahmen des KfW-Mittelstandspanels. Diese fand im Januar 2026 statt, befragt wurden deutsche kleine und mittlere Unternehmen sämtlicher Wirtschaftszweige bis zu einer Umsatzgrenze von 500 Millionen Euro.

Größe des Unternehmens spielt eine Rolle

Definiert ist der Begriff „ausländische Fachkraft“ in dieser Umfrage als Person mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die zum Zweck der Erwerbstätigkeit nach Deutschland zugewandert ist, über eine berufliche oder akademische Qualifikation verfügt und entsprechend eingesetzt wird. Aus dem Ausland stammende Hilfsarbeiter beispielsweise fallen also nicht darunter. Bei den Unternehmen, die ausländische Fachkräfte beschäftigen, handelt es sich vor allem um große Mittelständler mit 50 und mehr Beschäftigten. 61 Prozent von ihnen gaben an, ausländische Fachkräfte im Betrieb zu haben. Je kleiner die Unternehmen, desto seltener spielen Fachkräfte aus dem Ausland eine Rolle für sie.

Industrie, Handel und Baugewerbe

Besonders häufig beschäftigen demnach Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe ausländische Fachkräfte. 21 Prozent von ihnen gaben das an. Es folgen der Handel mit 14,3 Prozent sowie das Baugewerbe mit 13,3 Prozent. 12,4 Prozent der Unternehmen erklärten, aus unterschiedlichen Gründen auf die Einstellung von ausländischen Fachkräften zu verzichten – obwohl grundsätzlich Bedarf bestehe. 45,5 Prozent der Unternehmen hingegen betonten, derzeit keinen Bedarf für ausländische Fachkräfte zu haben.

Eine Folge der schwachen Konjunktur

„Die konjunkturelle Schwächephase führt dazu, dass der Fachkräftemangel momentan geringer ist als noch vor einigen Jahren. Die Unternehmen spüren den demografisch bedingten Arbeitskräftemangel daher nicht so stark. Der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften wird aber wieder steigen, in dem Maße wie die Konjunktur weiter anzieht“, sagte Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. 

Sprachbarrieren und Bürokratie

Als Herausforderung oder Hindernis bei der Rekrutierung ausländischer Beschäftigter nannten 69,1 Prozent der Unternehmen Sprachbarrieren. 47,5 Prozent bemängelten bürokratische und rechtliche Hindernisse. „Wir sehen in unserer Umfrage, dass ein Teil der mittelständischen Unternehmen zwar gerne Beschäftigte aus dem Ausland rekrutieren würde, rechtliche und bürokratische Hürden allerdings abschreckend auf sie wirken. Diese Barrieren sollten angesichts des demografischen Wandels und des damit voranschreitenden Fachkräftemangels konsequent abgebaut werden“, sagte Dirk Schumacher.

Nur wenig Unterschiede zwischen Ost und West

Kaum Unterschiede gibt es in dem Bereich laut der Umfrage zwischen Ost- und Westdeutschland. Im Osten liegt der Anteil der Unternehmen, die ausländische Fachkräfte beschäftigen, mit 9,6 Prozent geringfügig niedriger als im Westen mit 11,9 Prozent. Die Differenz beruhe vor allem auf der Branchenstruktur, da im Westen der Anteil größerer Mittelständler im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor höher ist, so KfW.


Mit dem VerkehrsRundschau-Newsletter immer auf dem neuesten Stand

Von Montag bis Freitag bekommen Sie unser Mittags-Update mit aktuellen Nachrichten aus der Transport- und Logistikbranche kostenfrei in Ihr E-Mail-Postfach. Zusätzlich bekommen Sie immer samstags digitale VR-Post mit den Wochen-Highlights. Den VR-Newsletter können Sie hier gratis abonnieren.

Sie haben ein Sie haben Fragen, Anregungen oder ein konkretes Anliegen? Dann schreiben Sie uns gerne an das VerkehrsRundschau-Postfach unter verkehrsrundschau@tecvia.com


HASHTAG


#Fachkräftemangel

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.