Fachkräftemangel entspannt sich wegen der Wirtschaftsschwäche

17.06.2026 09:31 Uhr | Lesezeit: 3 min
Schild "Fachkräfte gesucht" hängt an einem Gitterzaun
In Deutschland fehlen zwar weiterhin Fachkräfte, aber weniger als noch vor drei Jahren, die Wirtschaftsschwäche macht sich hier bemerkbar
© Foto: Heiko/ AdobeStock

Der Fachkräftemangel entspannt sich zwar, bleibt aber hoch, wie eine Umfrage zeigt. Besonders kleine und mittlere Unternehmen leiden unter dem Arbeitskräftemangel.

In Deutschland fehlen laut KfW Research weiterhin Fachkräfte, aber deutlich weniger als noch vor drei Jahren. Zu Beginn des zweiten Quartals 2026 meldeten 21 Prozent der Unternehmen in Deutschland Behinderungen ihrer Geschäftstätigkeit durch Fachkräftemangel – vor vier Jahren war es noch mehr als doppelt so viele. Vor allem der Industrie fehle weniger Personal, während Bauwirtschaft, viele Dienstleistungsbranchen sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nach wie vor stark unter Engpässen leiden.

Strukturelles Angebot an Fachkräften kaum verbessert

Der Rückgang folge „einem klaren Muster“, so KfW Research: In Bereichen, in denen die Wirtschaft schwächelt, entspannt sich der Fachkräftemangel deutlich. In der Industrie berichten nur noch 14 Prozent der Unternehmen von Engpässen, nach einem Höchststand von 44,5 Prozent im dritten Quartal 2022. Viele Firmen kämpfen mit schwacher Nachfrage, hohen Energiekosten und internationalem Wettbewerbsdruck. Sie stellen deshalb weniger ein. Dadurch geht der Fachkräftemangel zurück, obwohl sich das strukturelle Angebot an Fachkräften kaum verbessert hat.

Lage im Verkehrsbereich weiter angespannt

Anders sieht es dort aus, wo die Nachfrage nach Leistungen trotz Flaute hoch bleibt oder sogar wächst. Im Dienstleistungsbereich sind 25 Prozent der Unternehmen von Fachkräftemangel betroffen und damit deutlich mehr als im Durchschnitt. Angespannt ist die Lage etwa in der Rechts- und Steuerberatung sowie auch im Verkehrssektor. Im Bauhauptgewerbe meldet knapp ein Drittel der Betriebe Einschränkungen durch fehlende Fachkräfte. Hier stabilisieren insbesondere öffentliche Investitionen in Straßen, Schienen, Kanäle, Rohrleitungen und Kabelnetze die Nachfrage nach Bauleistungen.

Anhaltende Wirtschaftsschwäche ist spürbar

„Der Fachkräftemangel in deutschen Unternehmen hat etwas nachgelassen. Leider ist das allerdings vor allem auf die anhaltende Wirtschaftsschwäche zurückzuführen“, sagte Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. „Der Fachkräftemangel wird voraussichtlich wieder anziehen, wenn die konjunkturelle Lage sich bessert. Wichtig ist es daher, bei der Umsetzung von Gegenmaßnahmen nicht nachzulassen.“ Schumacher betont die Bedeutung folgender Maßnahmen, um den Arbeitsmarkt dauerhaft zu entlasten.

  • Junge Menschen sollten für Mangelberufe begeistert werden
  • Lebenslange Weiterbildung
  • Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren
  • Fachkräfteeinwanderung

Fachkräftemangel beeinträchtigt viele Mittelständler

Besonders betroffen vom Fachkräftemangel sind laut KfW Research zudem Mittelständler. Im April 2026 waren 22 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen in ihrer Geschäftstätigkeit durch Fachkräftemangel beeinträchtigt, bei den Großunternehmen waren es mit 19,3 Prozent deutlich weniger. Mittelständler könnten „im Wettbewerb um Fachkräfte oft weniger attraktive Bedingungen als Großunternehmen bieten“.


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