Berufskraftfahrer: Mangel erhöht Anforderungen und Benefits

09.07.2026 14:55 Uhr | Lesezeit: 4 min
Junge Lkw-Fahrerin in Schutzkleidung an der Tür eines weißen Lkw
Berufskraftfahrer werden in vielen Branchen gesucht. Mit dem Fahrermangel steigen 2026 sowohl die Anforderungen an Qualifikation und Soft Skills als auch die angebotenen Benefits (Symbolbild)
© Foto: Kirill Gorlov/stock.adobe.com

Berufskraftfahrer bleiben in Deutschland Mangelware. Eine Analyse von 350 Stellenangeboten zeigt, welche Qualifikationen, Soft Skills, Führerscheine und Zusatzleistungen Arbeitgeber 2026 besonders häufig verlangen und anbieten.

Berufskraftfahrer fehlen in Deutschland in großer Zahl. Nach Angaben des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung fehlen derzeit mindestens 120.000 Fahrerinnen und Fahrer. Für Unternehmen hat das spürbare Folgen: Fahrzeuge bleiben stehen, Aufträge können nicht vollständig bedient werden und Beschäftigte arbeiten vielerorts unter hoher Belastung. Für Bewerber verbessert sich zugleich die Verhandlungsposition. Denn mit dem Personalmangel steigen nicht nur die Chancen auf eine Stelle, sondern auch die Zahl der angebotenen Zusatzleistungen.

Eine Analyse von 350 Stellenangeboten zeigt zugleich, dass der Fahrerberuf anspruchsvoller geworden ist. Im Rahmen des DEKRA Arbeitsmarktreports 2026 hat die DEKRA Akademie untersucht, welche Anforderungen Arbeitgeber an Berufskraftfahrer stellen und welche Leistungen sie im Gegenzug anbieten. Das Ergebnis: Gesucht werden nicht nur Fahrpraxis und passende Führerscheine, sondern auch technisches Verständnis, Sicherheitswissen und ausgeprägte persönliche Kompetenzen.

Berufskraftfahrer werden nicht nur in der Logistik gesucht

Berufskraftfahrer finden Stellenangebote längst nicht mehr nur in der Transport- und Logistikbranche. Zwar stammt der größte Anteil der untersuchten Offerten aus diesem Bereich (38,9 Prozent), doch auch Personaldienstleister spielen mit 16,9 Prozent eine wichtige Rolle. Hinzu kommen Ausschreibungen aus Handel, Bau, Recycling und Entsorgung sowie dem Großhandel.

Arbeitgeber setzen dabei überwiegend auf Vollzeit. 87,7 Prozent der ausgewerteten Stellenangebote richten sich an Bewerber für eine Vollzeitbeschäftigung. Weitere 9,7 Prozent der Unternehmen zeigen sich flexibler und bieten entweder Teilzeit oder Vollzeit an.

Führerschein CE bleibt die wichtigste Zugangsvoraussetzung

Berufskraftfahrer benötigen je nach Fahrzeugklasse die passende Fahrerlaubnis. Mit Abstand am häufigsten wird in den Stellenanzeigen der Führerschein der Klasse CE verlangt. 74,9 Prozent der Offerten setzen diese Fahrerlaubnis voraus. Sie berechtigt zum Führen schwerer Lkw und Sattelzüge.

Zusatzqualifikationen verbessern die Jobchancen. In 12,9 Prozent der Stellenangebote wird Erfahrung mit einem Ladekran verlangt. In diesen Fällen brauchen Fahrer neben dem Lkw-Führerschein zusätzlich den Ladekranschein. Ebenfalls hilfreich sind weitere Nachweise: Eine ADR-Bescheinigung für Gefahrguttransporte wird in 14,6 Prozent der Anzeigen genannt, ein Staplerschein in 14,0 Prozent.

Regionale Touren prägen den Berufsalltag

Berufskraftfahrer sind heute deutlich häufiger regional unterwegs als auf internationalen Langstrecken. In den Stellenanzeigen dominieren Fahrten im Nah- und Regionalverkehr mit 41,7 Prozent. Hinzu kommen Auslieferfahrten mit 23,4 Prozent. Viele Arbeitgeber weisen außerdem auf Tagestouren hin (13,1 Prozent), auf tägliche Heimkehr (11,4 Prozent) oder auf freie Wochenenden (11,4 Prozent).

Fernverkehr bleibt relevant, internationale Touren aber selten. Nationaler Fernverkehr wird in 11,1 Prozent der Anzeigen genannt. Daneben taucht Fernverkehr allgemein in 7,4 Prozent der Offerten auf. Internationale Langstrecken oder Auslandsverkehr kommen dagegen nur noch auf 6,3 Prozent. Übernachtungen werden in 5,4 Prozent der Stellenanzeigen erwähnt. Die Auswertung zeigt damit klar: Der Schwerpunkt liegt im Güterverkehr zunehmend auf Einsätzen mit kürzerem Radius.

Sicherheit und Praxiswissen stehen im Mittelpunkt

Berufskraftfahrer müssen heute weit mehr beherrschen als das Fahren allein. In 89,4 Prozent der untersuchten Anforderungsprofile beschreiben Arbeitgeber konkrete Kenntnisse, Erfahrungen oder Qualifikationen. Besonders wichtig ist die Ladungssicherung. Unternehmen achten darauf, dass Fahrer ihre Fracht fachgerecht verstauen, um Schäden und Unfälle durch verrutschende Ware zu vermeiden.

Technisches Verständnis gehört ebenfalls zum Anforderungsprofil. Jeder vierte Arbeitgeber erwartet, dass Berufskraftfahrer kleinere Reparaturen selbst übernehmen können. Hinzu kommen Kontroll- und Dokumentationsaufgaben. Fahrer müssen vor Fahrtantritt den Zustand des Fahrzeugs prüfen, Frachtpapiere korrekt handhaben und – sofern das Fahrzeug entsprechenden Sozialvorschriften und der Tachographenpflicht unterliegt – Fahrerkarte und digitales Kontrollgerät sicher bedienen.

Balkendiagramm: Gewünschte Kenntnisse und Erfahrungen von Berufskraftfahrer:innen
Berufskraftfahrer müssen heute mehr können als Fahren allein, besonders wichtig ist die Ladungssicherung
© Foto: DEKRA Akademie 2026

Berufserfahrung ist oft erwünscht, aber nicht immer Pflicht

Berufskraftfahrer mit Erfahrung bleiben gefragt, doch viele Arbeitgeber wollen den Bewerberkreis laut Dekra-Report nicht unnötig eingrenzen: In nur 42,3 Prozent der Stellenanzeigen finden sich Hinweise dazu, welche Berufserfahrung gewünscht wird. 35,4 Prozent der Offerten richten sich an Bewerber mit einschlägiger Erfahrung – häufig allerdings mit dem Zusatz „wünschenswert“.

Auch Einsteiger und Quereinsteiger haben Chancen. 6,6 Prozent der Stellenanzeigen wenden sich ausdrücklich an Bewerber ohne Berufserfahrung. In 17 Fällen sind Quereinsteiger willkommen. Nur ein kleiner Teil der Arbeitgeber sucht Fachkräfte mit langjähriger Erfahrung im Gütertransport.

Sprachkenntnisse werden wichtiger

Berufskraftfahrer sollen nach dem Willen vieler Arbeitgeber zunehmend sprachlich sicher auftreten. In 44,3 Prozent der Stellenangebote werden Sprachkenntnisse genannt. Meist geht es dabei nicht um Fremdsprachen, sondern um gute oder sehr gute Deutschkenntnisse. 36,0 Prozent der Offerten formulieren diesen Punkt ausdrücklich.

Fremdsprachen spielen im Fahrerberuf weiterhin nur eine Nebenrolle.

Soft Skills gewinnen weiter an Gewicht

Berufskraftfahrer werden längst nicht mehr nur nach Führerschein und Fahrpraxis ausgewählt. 82,3 Prozent der Stellenangebote nennen konkrete persönliche Eigenschaften. Damit haben Soft Skills im Vergleich zu früher nochmals an Bedeutung gewonnen.

Zuverlässigkeit bleibt die wichtigste persönliche Anforderung. Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit stehen weiterhin an der Spitze der genannten Eigenschaften. Besonders deutlich zugelegt hat außerdem der Wunsch nach Verantwortungsbewusstsein. Diese Eigenschaft ist von Rang acht auf Rang zwei vorgerückt. Arbeitgeber erwarten, dass Fahrer umsichtig handeln und eigenverantwortlich arbeiten.

Höflichkeit ist für Unternehmen heute deutlich wichtiger als früher. Ein respektvoller Umgang mit Kunden und Kollegen wird in den Anzeigen wesentlich häufiger hervorgehoben als noch vor einigen Jahren. Das Verhalten von Fahrkräften wirkt aus Sicht der Arbeitgeber nach außen auf das Unternehmensimage und beeinflusst intern die Abläufe, etwa bei der Be- und Entladung.

Psychische Belastbarkeit wird stärker nachgefragt als körperliche Belastbarkeit. Rund jede zehnte Stellenanzeige nennt Stressresistenz oder psychische Belastbarkeit ausdrücklich. 2019 spielte dieser Punkt nur vereinzelt eine Rolle. Mögliche Gründe sind dichter Verkehr, Baustellen, Staus und steigender Zeitdruck. Körperliche Belastbarkeit wird dagegen seltener betont als in früheren Auswertungen.

Benefits werden zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor

Berufskraftfahrer können im aktuellen Marktumfeld mit mehr Zusatzleistungen rechnen. Der Fahrermangel zwingt Unternehmen dazu, nicht nur mit Gehalt, sondern auch mit zusätzlichen Angeboten um Personal zu werben. Ähnliches hat auch eine aktuelle Untersuchung der International Road Transport Union (IRU) ergeben.

Weiterbildung gehört inzwischen zu den häufigsten Benefits. 41,7 Prozent der Arbeitgeber nennen Qualifizierungsangebote. Das ist besonders relevant, weil Berufskraftfahrer keinen gesetzlichen Anspruch darauf haben, dass vorgeschriebene Weiterbildungen vom Arbeitgeber bezahlt werden. In der Praxis übernehmen viele Betriebe die Kosten dennoch, um Beschäftigte langfristig zu halten.

Moderne Fahrzeuge und zeitgemäße Ausstattung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Fast jedes dritte Unternehmen wirbt mit einer modernen Fahrzeugflotte. Hinzu kommen Hinweise auf aktuelle Arbeitskleidung sowie digitale Ausstattung wie Smartphone oder Tablet. Solche Leistungen werden in 22,6 Prozent der Anzeigen genannt.

Lesen Sie hier: Lkw-Fahrer aus Drittstaaten – Wie gelingt der Change bei der Fahrerakquise?

Der Fahrerberuf professionalisiert sich weiter

Berufskraftfahrer übernehmen heute sicherheitsrelevante, technische und organisatorische Aufgaben in einem deutlich professionalisierten Umfeld. Fachwissen, Zusatzqualifikationen, Sprachkenntnisse und Soft Skills werden von Arbeitgebern heute klarer benannt als in früheren Auswertungen. Gleichzeitig zeigen die Angebote, dass Unternehmen stärker in Qualifizierung und Ausstattung investieren.

„Die Professionalität im Fahrerberuf ist gestiegen – nicht zuletzt auch deshalb, weil Unternehmen konkret davon profitieren,“ erklärt Katrin Haupt, Geschäftsführerin, DEKRA Akademie. „Denn gut qualifizierte Fahrerinnen und Fahrer verursachen weniger Unfälle, sparen Kraftstoff oder gefährden keine Kundenbeziehungen. Zudem sind Beschäftigte, die wertgeschätzt werden, ihrem Arbeitgeber stark verbunden.“

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