Am deutschen Arbeitsmarkt mehren sich die Zeichen einer vorsichtigen Erholung, wie die dpa vermeldete: Zwar wollen viele Unternehmen weiterhin Stellen abbauen, doch Konjunkturforscher registrieren eine zunehmende Stabilisierung. Gleichzeitig verändert der demografische Wandel die Beschäftigungsstruktur nachhaltig.
Nach Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) profitiert der Arbeitsmarkt von einer etwas besseren Konjunkturentwicklung. Während sich die Lage bei der Arbeitslosigkeit allmählich entspannt, bleibt die Beschäftigungsentwicklung unter Druck. Grund dafür ist vor allem der Ruhestand der geburtenstarken Jahrgänge.
Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte sichern viele Branchen
Eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes zeigt die wachsende Bedeutung von Zuwanderung für den Arbeitsmarkt: Im Jahr 2025 hatten 27 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Deutschland eine Einwanderungsgeschichte.
In mehreren Berufsgruppen stellen Menschen mit Einwanderungsgeschichte bereits die Mehrheit der Beschäftigten. Dazu zählen Köchinnen und Köche (56 Prozent), die Lebensmittelherstellung (55 Prozent), Bodenleger (54 Prozent), Gerüstbauer (51 Prozent) sowie die Fleischverarbeitung (51 Prozent).
Berufskraftfahrer zählen zu den wichtigen Engpassberufen
Besonders hoch ist der Anteil von Beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte in Berufen mit Personalknappheit, sogenannten Engpassberufen. Dazu gehören Berufskraftfahrer mit 41 Prozent, der Hotelservice mit 40 Prozent sowie die Kranken- und Altenpflege mit 33 Prozent. Die Zahlen verdeutlichen die Bedeutung internationaler Fach- und Arbeitskräfte für die Besetzung offener Stellen und die Sicherung von Beschäftigung in wichtigen Wirtschaftsbereichen.
Trotz der etwas stabileren Konjunktur sehen Arbeitsmarktforscher weiterhin erhebliche Belastungsfaktoren. Neben der wirtschaftlichen Unsicherheit wirken sich vor allem strukturelle Veränderungen in der Industrie auf die Beschäftigung aus. Besonders die Automobilindustrie steht im Fokus. Der Wandel von der Verbrennertechnologie zur Elektromobilität verändert Produktionsprozesse und Qualifikationsanforderungen und wirkt sich auf die Beschäftigungsperspektiven aus.
Ifo-Barometer signalisiert vorsichtige Entspannung
Auch das Ifo-Institut registriert eine Verbesserung der Beschäftigungserwartungen. Das Beschäftigungsbarometer legte den dritten Monat in Folge zu und erreichte 95,1 Punkte. „Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Zugleich betont er: „Eine echte Erholung ist aber noch nicht in Sicht.“ Vor allem in Industrie und Handel werden weiterhin Arbeitsplätze abgebaut.
Positiv entwickelt sich nach Angaben des Ifo-Instituts insbesondere der Dienstleistungsbereich. Dort überwiegt inzwischen der Anteil der Unternehmen, die zusätzliche Beschäftigte einstellen wollen. Neue Mitarbeiter suchen unter anderem Ingenieurbüros sowie Rechts- und Steuerberatungen und Wirtschaftsprüfer. Auch Zeitarbeitsunternehmen bewerten ihre Beschäftigungsaussichten wieder etwas optimistischer.
Industrie baut weiter Stellen ab, Handel bleibt Schlusslicht
Im verarbeitenden Gewerbe bleibt der Beschäftigungssaldo mit minus 9,4 Punkten negativ. Gegenüber dem Wert von minus 18,2 vor zwei Monaten hat sich die Lage allerdings deutlich verbessert. Einstellungspläne gibt es vor allem in der Nahrungsmittelindustrie sowie bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen.
Am schwächsten fällt die Entwicklung weiterhin im Handel aus. Mit minus 12,8 Punkten bleibt der Beschäftigungssaldo klar negativ. Allerdings gehört auch dieser Wert zu den besseren Ergebnissen der vergangenen Jahre. Insgesamt zeigen die aktuellen Frühindikatoren in fast allen Wirtschaftsbereichen leichte Verbesserungen. Von einer breiten Erholung des deutschen Arbeitsmarktes gehen die Institute derzeit jedoch noch nicht aus.