Deutschlands Straßen sollen widerstandsfähiger gegen Hitze, Frost und hohe Verkehrsbelastungen werden. Im Parlamentskreis Straße diskutierten Bundestagsabgeordnete mit Vertretern aus Wissenschaft und Asphaltindustrie darüber, wie langlebigere Baustoffe schneller in die Praxis gelangen können. Im Fokus standen neben klimaresilientem Asphalt auch der Erhalt bestehender Straßen und der Abbau bürokratischer Hürden.
Angesichts von mehr als 13.200 Kilometern Bundesautobahnen und rund 38.000 Kilometern Bundesstraßen könnten langlebigere Fahrbahnbeläge dazu beitragen, Sanierungsintervalle zu verlängern und Verkehrsbehinderungen durch Baustellen zu reduzieren.
Langlebiger Asphalt kann Sanierungszyklen verlängern
Welches Potenzial neue Materialien bieten können, zeigte Prof. Dr.-Ing. Hartmut Johannes Beckedahl von der Bergischen Universität Wuppertal anhand eines Praxisbeispiels. Eine stark beanspruchte Busspur in Wuppertal wurde 2005 mit hochpolymermodifiziertem Asphalt ausgestattet.
Der zuvor eingesetzte konventionelle Belag musste etwa alle vier Jahre erneuert werden. Der neue Asphalt liegt dagegen seit mehr als 20 Jahren. Den Angaben zufolge standen Mehrkosten von rund zehn Prozent einer um 500 Prozent verlängerten Nutzungsdauer gegenüber.
Das Beispiel spricht dafür, bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von Straßen stärker die gesamte Nutzungsdauer einzubeziehen. Höhere Investitionskosten können sich rechnen, wenn dadurch weniger Sanierungen notwendig werden.
Neue Baustoffe sollen schneller auf die Straße kommen
Ein weiteres Thema war die Dauer zwischen Entwicklung, Erprobung und regulärem Einsatz neuer Baustoffe. Technische Innovationen müssen hohe Anforderungen erfüllen, bevor sie in das Regelwerk der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) aufgenommen werden.
Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) arbeitet deshalb an einem gestuften Verfahren. Technisch geeignete Lösungen könnten damit bereits vor ihrer vollständigen Aufnahme in das Regelwerk breiter eingesetzt werden. Die BASt könnte dabei als unabhängige Prüfinstanz fungieren.
Ziel ist es, die Einführung neuer Verfahren zu beschleunigen, ohne Abstriche bei technischen Anforderungen und Qualität zu machen.
Asphaltindustrie fordert weniger Bürokratie
Diskutiert wurden auch regulatorische Belastungen für Asphaltproduzenten. Der Deutsche Asphaltverband verwies unter anderem auf Anforderungen zur kontinuierlichen Emissionsmessung in Asphaltmischanlagen.
Die dafür eingesetzten beheizten Messleitungen können nach Verbandsangaben den Stromverbrauch betroffener Anlagen um mehr als zehn Prozent erhöhen. Hinzu kommen Investitions- und Betriebskosten. Die Branche fordert daher eine Überprüfung der entsprechenden Anforderungen der TA Luft und verweist auf wiederkehrende Messungen als mögliche Alternative.
Straßenerhalt darf neben Brückensanierung nicht zurückfallen
Neben neuen Materialien rückte insbesondere der Zustand der vorhandenen Infrastruktur in den Fokus. Nach den bei der Veranstaltung genannten Zahlen werden 71 Prozent des Güterverkehrs in Deutschland über die Straße abgewickelt. Entsprechend hoch ist die Belastung vieler Verkehrswege.
Während ein großer Teil der politischen Aufmerksamkeit derzeit auf maroden Brücken liegt, sehen die Experten auch bei den Fahrbahnen von Bundesstraßen erheblichen Erhaltungsbedarf. Eine ausreichende Finanzierung soll verhindern, dass sich dort ein zusätzlicher Sanierungsstau entwickelt.
Dabei gewinnen auch die Folgen des Klimawandels an Bedeutung. Sanierungen sollen stärker auf steigende Temperaturen und andere veränderte klimatische Bedingungen ausgerichtet werden.
Digitale Straßenerfassung soll Sanierungen verbessern
Zusätzliche Möglichkeiten bieten digitale Verfahren zur Zustandserfassung. Sie können Schäden frühzeitig sichtbar machen und dabei helfen, Erhaltungsmaßnahmen gezielter einzuplanen.
Auch die Kreislaufwirtschaft spielt im Straßenbau bereits eine wichtige Rolle. Nach Angaben des Deutschen Asphaltverbands werden mehr als 90 Prozent des anfallenden Ausbauasphalts im Materialkreislauf gehalten.
Für die Transport- und Logistikbranche ist vor allem eine langfristig leistungsfähige Straßeninfrastruktur entscheidend. Langlebigere Fahrbahnen könnten nicht nur Sanierungskosten reduzieren, sondern auch die Zahl baustellenbedingter Engpässe und damit verbundener Verzögerungen im Straßengüterverkehr verringern.