Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober erneut verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg um 0,3 Punkte auf 90,2 Punkte. Damit legte das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer bereits den sechsten Monat in Folge zu und erreichte den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2023.
Der Anstieg fiel zudem besser aus als von Analysten erwartet. Diese hatten im Durchschnitt mit einer Stagnation bei 89,9 Punkten gerechnet. „Die Konjunkturbelebung setzt sich fort“, erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest zu den Ergebnissen der monatlichen Befragung von 9.000 Unternehmen.
Unternehmen blicken optimistischer nach vorn
Grund für die Aufhellung sind vor allem die gestiegenen Erwartungen der Unternehmen an ihre künftigen Geschäfte. Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage verschlechterte sich dagegen.
Unterschiede zeigen sich auch zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen. Im Dienstleistungssektor trübte sich die Stimmung ein, im Handel stagnierte sie. Im Baugewerbe verbesserte sich das Geschäftsklima hingegen.
Besonders deutlich ging es in der zuletzt schwachen deutschen Industrie aufwärts. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen wurden von den Unternehmen spürbar besser bewertet. Nach Angaben von Fuest drehten beide Indikatoren erstmals seit mehr als drei Jahren wieder ins Plus.
Höhere Energiepreise bremsen Optimismus nicht
Ökonomen bewerten die Entwicklung trotz der gestiegenen Energiepreise positiv. Die Unternehmen schätzen ihre weitere Geschäftsentwicklung inzwischen so optimistisch ein wie seit mehr als viereinhalb Jahren nicht mehr.
Auch die Prognosen für die Gesamtwirtschaft haben sich verbessert. Die Bundesregierung hatte ihre Wachstumsprognose für 2026 zuletzt auf 1,3 Prozent angehoben. Das Ifo-Institut geht von einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent aus.
Zum Vergleich: 2025 war die deutsche Wirtschaft lediglich um 0,2 Prozent gewachsen, nachdem das Bruttoinlandsprodukt in den beiden Jahren zuvor geschrumpft war.
Niedrigwasser belastet Teile der Industrie
Belastungsfaktoren bleiben dennoch bestehen. Neben den höheren Energiepreisen wirkt sich auch das Niedrigwasser auf Teile der deutschen Wirtschaft aus. Nach Einschätzung der Bundesbank bremst es die Produktion unter anderem in der Chemieindustrie.
Für das dritte Quartal 2026 erwartet die Bundesbank daher eine Stagnation der deutschen Wirtschaft. Zum Jahresende soll die Konjunktur jedoch wieder an Fahrt gewinnen. „Im vierten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung wieder spürbar wachsen“, lautet ihre Einschätzung.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht in der Entwicklung des Ifo-Index ebenfalls ein positives Signal, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. Die wirtschaftliche Erholung dürfte sich seiner Einschätzung nach fortsetzen, wegen fehlender Reformen, der US-Zollpolitik und des Wettbewerbsdrucks aus China jedoch nur moderat ausfallen.