Deutscher Logistik-Preis 2026: Die Sieger stehen fest

22.10.2026 11:21 Uhr | Lesezeit: 3 min
Deutscher Logistikpreis 2026
Am 21.10.2026 wurde der Deutsche Logistikpreis verliehen
©Foto: VerkehrsRundschau/ Eva Hassa

Die Preisträger des Deutschen Logistik-Preises 2026 der BVL sind gekürt. Erfahren Sie, welche Unternehmen und Persönlichkeiten die Auszeichnung erhalten.

Für die erste gemeinsam elektrifizierte E2E-FMCG-Lieferkette (E2E: End-to-End; FMCG: schnelldrehende Konsumgüter) werden Markenartikelhersteller Mars und das Lebensmittelhandelsunternehmen Rewe inklusive der beteiligten Unternehmen Einride, L.I.T. AG und Rigterink mit dem Deutschen Logistik-Preis 2026 der Bundesvereinigung Logistik (BVL) ausgezeichnet. Mit ihrem Konzept der nachhaltigen Supply Chain haben sie es auf Platz eins geschafft. Mit dem Deutschen Logistik-Preis prämiert die BVL in der Praxis realisierte Logistikkonzepte, die von Unternehmen aus Industrie, Handel und dem Dienstleistungssektor eingereicht werden können. Im Zentrum steht dabei stets die Frage: Ist ihre Logistik innovativ?

Der Preis wird seit 1984 vergeben. Die Preisträger der letzten sechs Jahre waren Strauss (2025), Denkinger Internationale Spedition (2024), Dachser & Fraunhofer IML (2023), SMS-Group (2022), DB Cargo, Voest-alpine, Logserv, Cargoserv (2021) oder Dm Drogerie Markt (2020), um nur einige Namen zu nennen. In der Jury des Preises ist unter anderem auch Gerhard Grünig, Chefredakteur der VerkehrsRundschau, vertreten.

Platz 1 für Mars und Rewe

Ist eine durchgängig elektrifizierte E2E-Lieferkette vom Werk bis ins Regal heute schon realisierbar? Das war die Ausgangsfrage und Vision von Mars und Rewe. Mit ihren Partnern, der Technologiefirma Einride sowie den Transport- und Logistikunternehmen L.I.T. und Rigterink entwickelten sie eine Lösung, die es in dieser Form in der Konsumgüterbranche bislang nicht gab. Getestet wurde das Konzept auf dem elektrifizierten E2E-Korridor, der die Produktionsstätten von Mars in Veghel/Niederlande, Viersen und Verden über die Distribu­tionszentren mit den Rewe-Filialen in Oranienburg und Berlin verbindet – 1135 Streckenkilometer laufen damit vollständig elektrifiziert. Größte Herausforderung dabei war nicht die Technik, sondern die Synchronisation aller Partner entlang der gesamten Lieferkette. Gleichwohl hat sich die Lösung im Praxiseinsatz bewährt und zahlt in die Nachhaltigkeit ein. Insgesamt über 3500 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr haben die Projektpartner damit nach eigenen Angaben eingespart. Die nun ausgezeichnete Lösung sehen sie deshalb jetzt als Blaupause für weitere elektrifizierte Zustellungen.

Rüdinger Spedition erringt Platz 2

Unter die Finalisten des Deutschen Logistik-Preises 2026 schaffte es auch die Rüdinger Spedition in Krautheim, die mit ihrer Lösung eindrucksvoll aufzeigt, wie sich E-Lkw in der Stückgutlogistik wirtschaftlich einsetzen lassen – ohne Aufpreis für den Kunden. Am Ende schaffte es der Mittelständler damit auf den zweiten Platz! So werden Sendungen schon heute per Rüdinger-E-Lkw abgeholt und damit CO₂-frei transportiert. Ebenfalls elektrisch und emissionsfrei erfolgen die Hauptläufe in der Nacht zum Hub. Die Zustellung der Sendungen über Partnerspeditionen erfolgt zwar noch mit konventionellen Diesel-Lkw. Im Gegenzug stellt allerdings die Rüdinger Spedition Sendungen ihrer Partnerspeditionen per E-Lkw zu. Der Clou dabei: Die elektrische Gegenleistung wird bilanziell mit der konventionellen Zustellung verrechnet; im Sinne der Klimabilanz ergibt sich dadurch ein CO2-freier Transport. Insgesamt 36 E-Lkw (ein 3,5-Tonner, fünf 7,5-Tonner, neun 18-Tonner und 21 E-Sattelzugmaschinen) umfasst der Rüdinger-Fuhrpark heute schon; weitere 15 E-Lkw für 2027 sind bestellt, und bis zum Jahr 2029 soll auch der Nahverkehr vollständig elektrisch und damit CO2-frei erfolgen. Glückwünsche nach Krautheim!

Platz drei für Lorenz Snacks

Einen dritten Platz errang in diesem Jahr Lorenz Snacks mit seinem Projekt „Closed-Loop Autonomous Yard & Plant Transport System“. Der Snackhersteller setzt seit Anfang September auf seinem Werksgelände zwei elektrische, autonome Fahrzeuge und die Technologie von Einride ein. Mit respektablen Ergebnissen: Der Break-even wurde laut Lorenz schon nach einem Jahr erreicht; zudem werden jährlich zehn Tonnen CO2 eingespart. Fernziel deshalb: der Einsatz der autonomen Fahrzeuge auch auf öffentlichen Straßen.


Deutscher Logistik-Preis: So bewertet die Jury

Wer den Deutschen Logistik-Preis der Bundesvereinigung Logistik (BVL) gewinnen will, muss weit mehr als eine gute Idee präsentieren. Entscheidend sind vier zentrale Bewertungskriterien sowie der Nachweis, dass das Konzept erfolgreich in die Praxis umgesetzt wurde. 
Im Mittelpunkt steht zunächst der Innovationsgrad. Gesucht werden Lösungen, die Logistik und SCM neu denken und sich zum Beispiel durch neue technologische Ansätze deutlich vom Marktstandard abheben. Ebenso wichtig ist die operative Exzellenz. Die eingereichten Projekte müssen nachweisbar zur Verbesserung von Abläufen, Qualität oder Wirtschaftlichkeit beitragen und einen messbaren Mehrwert schaffen. 
Zudem bewertet die Jury, welchen Beitrag ein Konzept zur Resilienz von Lieferketten leistet. Ausgezeichnet werden Lösungen, die Firmen widerstandsfähiger machen. Kriterium ist zudem die Relevanz für die Zukunft. Erfolgreiche Projekte verbinden wirtschaftlichen Nutzen mit ökologischer und sozialer Verantwortung. Wichtig ist auch die Übertragbarkeit der Projekte auf andere Firmen. Voraussetzung ist zudem, dass die Konzepte schon erfolgreich implementiert wurden. Das Projekt muss überdies einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen und die Zusammenarbeit verschiedener Partner entlang der Lieferkette einbeziehen.
Der Auswahlprozess erfolgt in drei Stufen. Nach der Selbsteinschätzung und dem Feedbackgespräch mit der BVL-Geschäftsstelle nominiert die Jury auf Basis der Bewerbungen in der Regel die drei aussichtsreichsten Kandidaten, wobei es bei Punktegleichheit in der Vorauswahl auch mal mehr waren. Danach werden die Finalisten durch ein unabhängiges Audit vor Ort überprüft. Erst nach dieser Verifizierung der Praxisergebnisse fällt die Jury ihre endgültige Entscheidung über die Preisvergabe.




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