Greenpeace fordert Tempolimit 100 auf Autobahnen in Deutschland

08.06.2026 12:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
Aktivisten von Greenpeace überkleben an der Autobahn 93 (A93) ein Hinweisschild mit den Tempolimits auf deutschen Straßen die Angabe für Richtgeschwindigkeit 130 auf Autobahnen mit einem „Tempolimit“
Greenpeace-Aktivisten überkleben an der Autobahn 93 bei Kiefersfelden ein Schild mit der Richtgeschwindigkeit, um ein Tempolimit von 100 km/h zu fordern
© Foto: ven Hoppe/dpa/picture alliance

Mit einer Aktion an Verkehrsschildern in Deutschland fordert Greenpeace ein generelles Tempolimit von 100 km/h. Die Umweltschutzorganisation sieht darin eine schnelle Maßnahme gegen hohe Energiepreise, Emissionen und Unfallrisiken.

Greenpeace-Aktivisten haben etwa am Autobahn-Grenzübergang Kiefersfelden in Oberbayern für ein generelles Tempolimit von 100 km/h geworben: Am frühen Morgen überklebten sie an der Autobahn 93 ein Verkehrsschild, das die empfohlene Richtgeschwindigkeit von 130 km/h ausweist, vorübergehend mit der Zahl 100, wie zunächst die Deutsche Presseagentur (dpa) schrieb.

Nach Angaben der Umweltschutzorganisation handelte es sich um eine koordinierte Aktion, vergleichbare Aufkleber seien zeitgleich auch an weiteren Autobahnstandorten in Deutschland angebracht worden: Auch auf der Autobahn 4 bei Aachen brachten sie einen 100-km/h-Aufkleber dort an, wo zuvor nur die Zahl 130 als empfohlene Richtgeschwindigkeit gestanden hatte. Man habe dies auch an den anderen 25 Autobahn-Grenzübergängen gemacht, hieß es von Greenpeace. 

Als die Aktivistinnen den Aufkleber am Aachener Grenzübergang Ventschau anbrachten, lief der in den Morgenstunden nicht allzu dichte Verkehr auf der Autobahn ganz normal weiter, wie ein dpa-Reporter berichtete. Reaktionen von Autofahrern seien nicht erkennbar gewesen. Verkehrsteilnehmer, die aus den Niederlanden nach Deutschland kamen, sahen eine Veränderung auf dem großen Schild mit den generellen Tempolimits in Deutschland: Die ersten zwei Spalten waren unverändert: innerorts Tempo 50 und außerorts Tempo 100. In der dritten Spalte prangte nun aber nicht mehr die blaue unverbindliche Empfehlung zu Tempo 130, sondern die Zahl 100 - die wirkte, als sei sie verbindlich. 

Allerdings war diese Zahl größer als die anderen und unten drunter stand auch Greenpeace - es war also erkennbar, dass es sich nur um eine Aktion der Umweltschützer handelte. Möglicherweise hat manch hastig vorbeifahrender Autofahrer das aber nicht erkannt und zumindest kurzzeitig angenommen, dass er nicht allzu schnell fahren sollte. Auf deutschen Autobahnen gilt kein generelles Tempolimit, auf großen Teilen der Strecken gelten aber unterschiedliche Höchstgeschwindigkeiten. 

Eine Mehrheit der Autofahrer in Deutschland befürwortet die Einführung eines generellen Tempolimits auf Autobahnen.

Tempolimit als Reaktion auf Energiepreis-Krise

Greenpeace sieht in einem generellen Tempolimit eine kurzfristig wirksame Antwort auf die aktuellen Entwicklungen an den Energiemärkten. Aus Sicht der Organisation ließen sich durch geringere Geschwindigkeiten der Kraftstoffverbrauch senken und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren.

Lena Donat, Expertin für Mobilität bei Greenpeace, sagte am Rande der Aktion in Kiefersfelden: „Seit 100 Tagen, seit dem Angriff auf den Iran, gucken wir gebannt auf die Preisachterbahn an den Tankstellen“, erklärte Donat.

Bei VR-Funk untersuchten Tabea Schulz und Christian Bonk, ob ein Tempolimit tatsächlich ein geeignetes Mittel gegen Stau ist.

Greenpeace: Tempolimit senkt Verbrauch und erhöht Sicherheit

Nach Einschätzung von Greenpeace hätte ein Tempolimit von 100 km/h mehrere unmittelbare Effekte. Neben einem geringeren Spritverbrauch würde es auch die Verkehrssicherheit erhöhen und Emissionen reduzieren.

„Das Tempolimit ist wirkungsvoll, es ist kostenlos und es hat nur Vorteile. Es senkt den Spritverbrauch und macht uns damit unabhängiger von Öl, es schützt das Klima quasi sofort und es schützt Menschenleben“, sagte Donat weiter.

Im März 2025 hat das Bundesverkehrsministerium eine Studie zum Klimaeffekt eines möglichen generellen Tempolimits auf deutschen Autobahnen vorgelegt: Bei einem generellen Tempolimit von 130 km/h, könnten laut der Studie pro Jahr 1,3 bis 2 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

Forderung an Bundesregierung

Die Umweltschutzorganisation richtet ihre Forderung ausdrücklich an die Bundesregierung. Diese müsse alles daransetzen, Deutschland aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu lösen, so Greenpeace. Ein generelles Tempolimit sei dafür ein erster Schritt.

Brandenburgs Verkehrsminister Tabbert etwa hält jedoch nichts von Tempolimit auf Autobahnen.

Autobahnmeisterei entfernt Aufkleber

Der überklebte Hinweis auf die Richtgeschwindigkeit blieb nur kurze Zeit sichtbar. Nach Angaben der Polizei entfernte die zuständige Autobahnmeisterei den Aufkleber am Standort Kiefersfelden zeitnah.

Nach erster Einschätzung liege keine Sachbeschädigung vor, da kein Schaden am Verkehrsschild entstanden sei, erklärte ein Polizeisprecher. Unabhängig davon prüft die Verkehrspolizei, ob im Zusammenhang mit der Aktion verkehrsrechtliche Verstöße vorliegen.

(Dieser Artikel wurde am 08.06.2026 um 12:52 aktualisiert.)

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