Dekarbonisierung ist für Europas Mittelstand längst strategischer Kern und nicht mehr nur Umweltmaßnahme. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten halten 88 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Mid-Caps an der Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen fest oder stufen diese als kritisch ein. Das zeigt das Argos-BCG Climate Transition Barometer 2026.
Gleichzeitig werden wirtschaftliche Effekte zunehmend konkret sichtbar. Bereits 56 Prozent der Unternehmen geben an, durch ihre Dekarbonisierungsmaßnahmen Wettbewerbsvorteile zu erzielen – dreimal so viele wie noch 2023.
Die Studie basiert auf einer Befragung von 750 Führungskräften aus fünf europäischen Regionen und wurde zwischen Mitte März und Mitte April 2026 durchgeführt.
Dekarbonisierung bleibt strategische Priorität
Trotz geopolitischer Spannungen bleibt der Handlungsdruck hoch. Insgesamt planen 85 Prozent der Unternehmen, ihre Maßnahmen zur Emissionsreduktion beizubehalten oder zu beschleunigen.
Damit zeigt sich eine anhaltende strategische Verankerung der Klimaziele. Selbst angesichts gelockerter regulatorischer Vorgaben rückt die Dekarbonisierung nicht in den Hintergrund, sondern bleibt zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. 88 Prozent der befragten KMU und Mid-Cap-Unternehmen betrachten die Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen als wichtig oder kritisch.
Fokus verschiebt sich auf strukturelle Transformation
Nach ersten Effizienzmaßnahmen stehen jetzt tiefgreifende Veränderungen im Mittelpunkt. 73 Prozent der Unternehmen sehen in der Dekarbonisierung mittlerweile eine Chance zur Wertschöpfung.
Vor allem Geschäftsmodelle werden zunehmend angepasst. So haben bereits 54 Prozent ihre Angebote oder Prozesse grundlegend verändert, um den CO₂-Fußabdruck zu reduzieren – doppelt so viele wie 2023. Gleichzeitig setzen 58 Prozent auf Eco-Design-Ansätze.
„Die Dekarbonisierung verändert ihren Charakter: Sie ist nicht länger ausschließlich eine Frage operativer Verbesserungen, sondern wird zu einem Hebel für strategische Differenzierung und die nachhaltige Transformation von Unternehmen. Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt: Dekarbonisierung ist nicht mehr nur ein Ziel, sondern ein Treiber von Wettbewerbsfähigkeit“, betont Simon Guichard, Partner von Argos Fund.
Strukturierte Strategien entscheiden über den Erfolg
Besonders erfolgreich sind Unternehmen mit klar definierten Klimastrategien. 34 Prozent investieren mittlerweile strukturiert in Dekarbonisierung – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2023. 56 Prozent der Befragten geben an, durch ihre Dekarbonisierungsmaßnahmen bereits einen Wettbewerbsvorteil erzielt zu haben.
Diese systematische Herangehensweise zahlt sich wirtschaftlich aus. Zu den wichtigsten Vorteilen zählen:
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70 % sagen: Energieeffizienz und Kosteneinsparungen
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48 % nennen: neue Märkte und Marktanteilsgewinne
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45 % finden: bessere Finanzierungskonditionen
Der Zusammenhang ist eindeutig. 66 Prozent der Unternehmen mit Wettbewerbsvorteilen gehören zu denjenigen, die Investitionen gezielt mit einer langfristigen Klimastrategie verknüpfen: „Die fortschrittlichsten Unternehmen erzielen die besten Ergebnisse: 66 Prozent der Unternehmen, die einen Wettbewerbsvorteil festgestellt haben, gehören zu denjenigen, die Investitionen mit einer strukturierten Klimastrategie kombiniert haben. Dekarbonisierung schafft Wert, wenn sie Teil einer langfristigen Vision ist“, sagt Mehdi Ifourah, Principal von BCG.
Finanzierung bremst die Transformation
Trotz Fortschritten bleibt Kapital der zentrale Engpass. 58 Prozent der befragten Unternehmen nennen finanzielle Einschränkungen als größte Hürde für ihre Dekarbonisierungsprojekte.
Damit zeige sich laut Studie, von der Beteiligungsgesellschaft Argos und der Boston Consulting Group, die Wichtigkeit des Zugangs zu Finanzierungslösungen.
Lesen Sie hier das Interview: Wieso Nachhaltigkeit auch in angespannten Zeiten relevant bleibt.
Deutschland: Kunden treiben den Wandel
In Deutschland gewinnt die Dekarbonisierung weiter an Dynamik. 40 Prozent der mittelständischen Unternehmen verstärken ihre Transformationsmaßnahmen trotz unsicherer Rahmenbedingungen. Lesen Sie dazu hier: Praxisbeispiel Sterac - Nachhaltige Planung als wirtschaftlicher Faktor.
Ausschlaggebend ist vor allem der Druck entlang der Lieferketten. 69 Prozent der Unternehmen nennen Kundenerwartungen als wichtigsten Treiber – der höchste Wert im europäischen Vergleich. Besonders relevant ist dies in industriellen Schlüsselbranchen, wie der Automobilindustrie, Chemie sowie Maschinenbau, in denen enge B2B-Verflechtungen bestehen.
Dekarbonisierung erfolgt zunehmend nicht mehr nur aus regulatorischen Gründen, sondern aufgrund konkreter Marktanforderungen.
Methodik der Studie
Die Ergebnisse basieren auf einer breit angelegten Befragung, durchgeführt von OpinionWay, in Europa. Insgesamt wurden 750 kleine und mittelgroße Unternehmen in Frankreich, Deutschland, Italien, Benelux und dem Vereinigten Königreich untersucht.
81 Prozent der Teilnehmenden sind Führungspositionen, die übrigen sind unmittelbar für Nachhaltigkeit beziehungsweise CSR verantwortlich. Die Studie umfasst etwa100 mittelständische Unternehmen pro Branche aus sieben für die Dekarbonisierung besonders relevanten Sektoren. Die Unternehmen befinden sich überwiegend in privatem oder börsennotiertem Besitz, erzielen Umsätze von weniger als 500 Millionen Euro und beschäftigen zwischen 50 und 1000 Mitarbeitende.
Das Barometer misst die Entwicklung der Dekarbonisierungsbemühungen von KMU und Mid-Cap-Unternehmen in Europa. Mit dem Barometer verfolgen Argos und BCG nach eigenen Angaben das Ziel, diese Entwicklungen kontinuierlich zu beobachten.