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Wirtschaft braucht mehr Gleise für Schienengüterverkehr

12.04.2024 14:52 Uhr | Lesezeit: 4 min
Rangierbahnhof Maschen am Abend
Abstell- und Dispositionsgleise spielen im Schienengüterverkehr eine wichtige Rolle
© Foto: volkerr/stock.adobe.com

Bei der IHK-Schienenkonferenz tauschten sich verschiedene bayerische Unternehmen, Verbände und Politik über die Lage des Schienengüterverkehrs aus. Zu ihnen zählten der Automobilhersteller BMW, die IHK für München und Oberbayern, der VDV Bayern und der Verband die Güterbahnen.

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Bei der IHK-Schienenkonferenz, einer Tagung zur Schieneninfrastruktur, wurde betont, dass die Wirtschaft mehr Gleise für den Schienengüterverkehr braucht. Dazu gehören auch Abstell- und Dispositionsgleise, die im Eisenbahnnetz als „Parkplätze“ eine wichtige Rolle spielen.

Abstell- und Dispositionsgleise sind, so die Mitteilung von die Güterbahnen, sogenannte Serviceeinrichtungen im Eisenbahnnetz, die benötigt werden, für eine Bereitstellung von leeren Güterwaggons vor der Beladung, für das Rangieren der beladenen Güterwaggons, um Güterzüge zu bilden und abzufertigen sowie um die Güterzüge zu disponieren, bevor diese auf die Langstrecken im Eisenbahnnetz gehen. Bei ankommenden Güterzügen seien die Abstell- und Dispositionsgleise nötig für die Bereitstellung des Güterzugs beziehungsweise der Güterwagen vor dem Entladen beim Güterverkehrskunden beziehungsweise im Umschlagterminal.

Die Stimmen der Branche

Eugen Schantini, Leiter Fahrzeugdistribution der BMW Group: „In unserem Werk in München produzieren wir aktuell 1000 Fahrzeuge pro Tag. Rund 60 Prozent davon werden mit dem Güterzug in die Seehäfen und zu den europäischen Märkten transportiert. Zur Erreichung unserer Nachhaltigkeitsziele werden wir den Anteil auf der Schiene weiter erhöhen. Im Eisenbahnnetz in der Nähe unseres Werks brauchen wir eine robuste und zukunftsfähige Infrastruktur. Dazu gehören auch Abstell- und Dispositionsgleise für die reibungslose Bereitstellung der Leerwagen und für die Bildung der Züge. Diese Infrastruktur ist heute an der Kapazitätsgrenze, woraus dringender Handlungsbedarf in diesem Bereich besteht.“

Georg Dettendorfer, Speditionsunternehmer und Vizepräsident der IHK für München und Oberbayern: „Der Ausbau der Bahninfrastruktur ist von entscheidender Bedeutung für Unternehmen in Deutschland. Er muss energisch vorangetrieben werden. Straße und Schiene sollen bestmöglich miteinander verknüpft werden, um eine Redundanz im Transportwesen zu gewährleisten. Leider ist die Bahn in den letzten Jahren ins Hintertreffen geraten. Das betrifft sowohl die Bereitstellung der Gleisinfrastruktur als auch die Digitalisierung im Betriebsablauf. Es sind daher technische Lösungen für einen effizienteren Betrieb von Gleisanlagen und der Ausbau der Infrastrukturkapazitäten notwendig.“

Dr. Robert Frank, Vorsitzender des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Bayern: „Für mehr Klimaschutz und als Standortfaktor für unsere Wirtschaft brauchen wir die Eisenbahn. Das gilt für Personenverkehr und Güterverkehr. Wir begrüßen, dass Bund und Freistaat Bayern erkannt haben, wie wichtig die Infrastruktur der Eisenbahn ist. Das Eisenbahnsystem ist leistungsfähig, aber hat Engpässe und muss ausgebaut werden. Wir danken dem Bund für die Absicht, mit der Novelle des Bundesschienenwegeausbaugesetzes künftig auch die Abstell- und Dispositionsgleise zu finanzieren. Diese Absicht muss jetzt auch mit den nötigen Haushaltsmitteln hinterlegt werden.“

Peter Westenberger, Geschäftsführer des Verbands die Güterbahnen: "Die Bundesregierung und alle demokratischen Parteien teilen das Ziel, den Marktanteil der Schiene bis 2030 auf 25 Prozent zu steigern. Größter Hemmschuh für unsere wachstumseifrigen Mitglieder ist die Infrastruktur. Regierungen und DB InfraGO ziehen zu häufig am falschen Ende des Strangs, auf dessen anderer Seite die Güterbahnen stehen, die auf eine Top-Infrastruktur angewiesen sind. Konkret heißt das: Ausbau der Strecken, der Verladestandorte, sowie mehr 740-Meter-Gleise, um Güterzüge in voller Länge fahren zu können. Es darf nicht sein, dass heutzutage immer noch Gleise abgebaut werden.“

Alexander Bonfig, Abteilungsleiter Schienen- und Luftverkehr im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr: „Der Güterverkehr ist die Grundlage für den Erfolg der bayerischen Wirtschaft und die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Waren. Mit dem bayerischen Güterverkehrskonzept wollen wir den Güterverkehr noch effizienter und nachhaltiger gestalten. Unser Ziel ist es, die Stärken der einzelnen Verkehrsträger bestmöglich zu nutzen und zu kombinieren. Für lange Strecken ist der Transport auf der Schiene ideal – wenn die Voraussetzungen stimmen: ausreichend Verknüpfungspunkte mit anderen Verkehrsträgern und eine gut ausgebaute Schieneninfrastruktur, für die nach dem Grundgesetz der Bund zuständig ist. Dennoch engagiert sich der Freistaat freiwillig für die Beseitigung von Engpässen im Schienennetz, zum Beispiel finanziert er zweigleisige Abschnitte auf den Strecken Landshut – Plattling und Ulm – Kempten mit, die auch für den Güterverkehr von Nutzen sind.“

Michael Theurer, Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr, habe via Videokonferenz auf die große Bedeutung einer leistungsfähigen logistischen Infrastruktur sowohl für die großen als auch besonders die kleinen und mittleren Unternehmen in den Zulieferketten verwiesen. Theurer zufolge sei im Güterverkehr bis 2050 mit einem deutlichen Zuwachs von über 40 Prozent zu rechnen. „Ein Großteil davon muss auf die Schiene, wenn wir den Kollaps auf der Straße vermeiden wollen. Wir brauchen dafür das Ineinandergreifen aller Verkehrsträger.“ Weiterhin habe er auf das im Koalitionsvertrag niedergelegte Ziel der Bundesregierung verwiesen, den Anteil des Schienengüterverkehrs im modalen Split der Verkehrsträger auf 25 Prozent zu erhöhen. „Wir wissen, dass die Nachfrage nach mehr Gütertransport auf der Schiene da ist.“ Angesichts des unbefriedigenden Zustands des Schienennetzes, stelle sich die Bundesregierung der Aufgabe der Generalsanierung, so Theuer. Deren Schwerpunkt liegt bis 2030 auf der Sanierung und damit Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit der Hochleistungskorridore, über deren 9000 Streckenkilometer 90 Prozent des Güterverkehrs laufen. Theurer verwies darauf, dass die 42 Milliarden Euro, die bislang in der Finanzplanung für 2024 bis 2027 für die Schiene vorgesehen sind, um weitere 27,3 Milliarden Euro erhöht wurden. „Das ist eine Steigerung von 70 Prozent und damit ein deutliches Signal, dass wir die Schiene in den Mittelpunkt rücken.“

Ingrid Felipe, Vorständin Infrastrukturplanung und -projekte der DB InfraGO: „Wir haben uns das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2030 über 4.000 Schienenkilometer im deutschen Streckennetz generalzusanieren. Wir wollen und wir müssen endlich unseren Kunden – und dazu gehören unbedingt auch die aus dem Schienengüter­verkehr die sichere und zuverlässige Infrastruktur bieten, die sie verdienen. Das deutsche Schienenverkehrsnetz spielt zudem für die europäische Verkehrswende eine zentrale Rolle. Verkehrswende und Klimaschutz können in Europa nur gelingen, wenn wir das deutsche Schienennetz entsprechend ertüchtigen. Die anstehende General­sanierung der Hochleistungskorridore ist dazu ein wesentlicher Beitrag.“

Dr. Maximilian Altmann, Vorstandsvorsitzender des Automobillogistik-Unternehmens ARS Altmann: „Wir initiieren gerade gemeinsam mit der Industrie und den Bahnverbänden ein Bündnis für Gütergleise unter dem Motto „Jeder Meter zählt“. Ziel ist, auf den Infrastrukturbedarf des Güterverkehrs im Eisenbahnnetz aufmerksam zu machen. Im Fokus stehen dabei die Abstell- und Dispositionsgleise. Alle Verlader aus Industrie und Handel, alle Logistiker und alle Eisenbahnunternehmen sind eingeladen, das Bündnis als Partner oder als Unterstützer mitzugründen. Die Gründungs­versammlung soll im Sommer stattfinden.“

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