Auch Speditionen müssen sich am 30. Mai auf massive Verkehrsbehinderungen am Brennerpass einstellen. Von 11 bis 19 Uhr, für den Lkw‑Verkehr bereits ab 9 Uhr, soll die zentrale Nord‑Süd‑Achse über die Alpen komplett gesperrt werden – in beide Richtungen und auf allen Zufahrtsstraßen. Hintergrund ist eine Demonstration von Anwohnern, die auf die aus ihrer Sicht untragbare Verkehrssituation entlang der Brennerroute aufmerksam machen wollen.
Die Polizei warnt eindringlich davor, an diesem Tag den Versuch zu unternehmen, über den Brenner nach Italien oder zurück Richtung Österreich und Deutschland zu fahren. Verkehrsprobleme dürften weit über den Pass hinausreichen.
Für die Anwohner sei die Situation längst kaum noch auszuhalten. Besonders die Bundesstraße, die oft als Ausweichroute dient, belaste die Gemeinden stark. Der Verkehr präge inzwischen den gesamten Alltag – vom Schulweg über Arztbesuche bis hin zum Pendeln nach Innsbruck, wo viele der rund 15.000 Talbewohner arbeiten.
Lärm, Abgase und Feinstaub beeinträchtigten die Lebensqualität erheblich. Teilweise seien Fenster wegen des Verkehrslärms kaum noch zu öffnen. Auch einfache Wege innerhalb der Region dauerten bei Staus ein Vielfaches der normalen Fahrzeit.
Besonders kritisch sehen die Bewohner die Auswirkungen auf Rettungsdienste. Nach Berichten aus der Region kam es bereits zu Situationen, in denen Rettungskräfte wegen langanhaltender Staus nicht rechtzeitig zu Einsatzorten gelangten. In einem Fall sei ein Lkw‑Fahrer infolge eines medizinischen Notfalls gestorben, da Hilfe zu spät eingetroffen sei und ein Hubschraubereinsatz wetterbedingt nicht möglich war.
Die angekündigte Vollsperre stößt nicht überall auf Verständnis. Aus der Politik kommt deutliche Kritik. Vertreter aus Bayern und Österreich befürchten Belastungen für die Logistikbranche sowie politische Spannungen mit Deutschland und Italien. Auch aus Südtirol wurde vor einem möglichen Akzeptanzverlust in der breiten Bevölkerung gewarnt, sollte es zu stundenlangen Verkehrsblockaden kommen.
Zwar existieren theoretisch Ausweichrouten wie der Reschenpass, das Timmelsjoch oder Tunnel in der Schweiz, diese gelten jedoch als deutlich zeitaufwendiger und störanfälliger. Als komfortable Alternative bleibt vorerst nur der Zugverkehr. Spürbare Entlastung erhoffen sich viele erst mit der Inbetriebnahme des Brenner‑Basistunnels, die derzeit für 2032 vorgesehen ist.
Bis dahin konzentrieren sich die Hoffnungen der Anwohner vor allem auf zusätzlichen Lärmschutz. Gefordert werden moderne Lärmschutzwände oder Einhausungen. Die Asfinag verweist darauf, dass in Tirol bereits besonders hohe Investitionen in den Lärmschutz erfolgen und im Wipptal zusätzliche Schutzwände mit einer Fläche von rund 25.000 Quadratmetern geplant sind.