Die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland bleiben nach Einschätzung von Allianz Trade 2027 auf hohem Niveau. Der Kreditversicherer prognostiziert für dieses und nächstes Jahr jeweils 25.900 Fälle. Zu den besonders betroffenen Branchen zählen Transport und Logistik, Bau, Gastgewerbe sowie die Automobil- und Maschinenbauindustrie.
Mehr und mehr Unternehmen werden zu Sanierungsfällen. Nach einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland geht der Kreditversicherer Allianz Trade von anhaltend hohen Zahlen im nächsten Jahr aus. Die Hamburger Allianz-Tochter prognostiziert dieses und nächstes Jahr je 25.900 Fälle.
Ähnlich viele Insolvenzfälle gab es hierzulande zuletzt 2013, gegen Ende der europäischen Schuldenkrise. Damit liegen die Zahlen laut Allianz Trade deutlich unter den Höchstwerten der globalen Finanzkrise, aber über dem Niveau vor der Corona-Pandemie.
Transport und Logistik besonders von Insolvenzen betroffen
Nach Einschätzung von Allianz-Trade-Deutschlandchef Milo Bogaerts ist auch im kommenden Jahr keine Entspannung in Sicht. Er begründete das mit dem schwelenden Iran-Krieg, der schwachen Konjunktur, den fehlenden Fachkräften und den hohen Betriebskosten, unter denen die Unternehmen litten.
Bogaerts sagte: „Besonders betroffen sind Transport und Logistik, Bau, Gastgewerbe sowie die Automobil- und Maschinenbauindustrie.“
Globale Insolvenzen werden zum Risiko für deutsche Unternehmen
Risiken sieht Allianz Trade jedoch nicht nur in der Entwicklung innerhalb Deutschlands. Für deutsche Unternehmen birgt laut dem Versicherungsunternehmen auch die weltweite Insolvenzentwicklung erhebliche Geschäftsrisiken entlang internationaler Liefer- und Absatzketten.
„Die Insolvenzentwicklung endet nicht an Landesgrenzen“, sagt Bogaerts „Deutschland ist als exportorientierte Volkswirtschaft besonders anfällig für steigende Insolvenzen im Ausland. Und in den wichtigsten deutschen Exportmärkten steigen die Insolvenzen aktuell besonders stark an.“
Gründe dafür sieht der Versicherer unter anderem in anhaltenden Spannungen im nahen Osten, hohen Energiekosten, längerfristig höheren Zinssätzen und einem unterdurchschnittlichem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts.
„60 Prozent der Länder werden 2027 höhere Leitzinsen beibehalten als in den vorangegangenen 12 bis 24 Monaten. Das treibt die Finanzierungskosten in die Höhe und schmälert die Margen“, so Aylin Somersan Coqui, CEO von Allianz Trade.
Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigen weiter
Auch die bisherige Entwicklung in Deutschland zeigt einen anhaltenden Anstieg der Insolvenzen in den vergangenen Jahren. Das Statistische Bundesamt zählte vergangenes Jahr 24.064 Fälle. In den Jahren davor waren es 21.812 und 17.814 Insolvenzen.
Im ersten Halbjahr dieses Jahres registrierte das Statistische Bundesamt 12.812 Unternehmensinsolvenzen, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einer Zunahme um 6,7 Prozent entspricht. Nach Prognose von Allianz Trade wird der Anstieg im Gesamtjahr acht Prozent betragen.
Aufsehen erregten jüngst die Insolvenzen der Warenhauskette Galeria, des Discounters Kodi und des Batterieherstellers Varta.
Trendwende bei Insolvenzen für 2028 erwartet
Der Kreditversicherer geht davon aus, dass die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 2028 fallen werden. Allianz Trade prognostiziert einen Rückgang um fünf Prozent auf 24.600 Fälle.
Die Konjunkturmaßnahmen der Regierung könnten dann weiter an Wirkung gewinnen, hieß es zur Begründung.