Korridorsanierungen der Bahn: Rechnungshof fordert konsequentes Nachsteuern

27.10.2026 09:56 Uhr | Lesezeit: 1 min
Korridorsanierung_Berlin-Hamburg
Die Korridorsanierungen der Bahn sollen hoch belastete Strecken weniger störanfällig machen. Der Bundesrechnungshof fordert bei den bisherigen Maßnahmen Nachbesserungen
©Foto: Deutsche Bahn AG/ OLiver Lang

Bei den Korridorsanierungen der Bahn sieht der Bundesrechnungshof gravierende Fehlentwicklungen. Im Fokus stehen die Wirtschaftlichkeit der Projekte, gestiegene Kosten und nicht eingehaltene Zusagen der DB InfraGO.

Der Bundesrechnungshof sieht bei den Korridorsanierungen der Bahn erhebliche Defizite. Kritisiert werden unter anderem die Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen, Kostensteigerungen und die zugesagte Baufreiheit nach Abschluss der Sanierungen. Das Verkehrsministerium soll nach Ansicht des Rechnungshofs nachsteuern und die Wirtschaftlichkeit jeder Korridorsanierung gesondert nachweisen.

„Die ersten Korridorsanierungen zeigen gravierende Fehlentwicklungen“, heißt es in einem Bericht des Rechnungshofs an den Haushaltsausschuss des Bundestags. Der Bericht lag der Deutschen Presse-Agentur vor.

Der Bundesrechnungshof wirft der Bahn dabei erhebliche Mängel bei der Sanierung hochbelasteter Bahnstrecken vor. Bisherige Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen seien „fehlerhaft und nicht belastbar“, heißt es im Bericht. Die Bahn-Sparte DB InfraGO halte Versprechen weitgehend nicht ein.

Der Bundesrechnungshof fordert ein „konsequentes Nachsteuern“. Das Bundesverkehrsministerium habe in einer Stellungnahme die Feststellungen des Rechnungshofs nicht entkräftet, sondern bestätige vielmehr bestehende Defizite bei den Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen und der Erfolgskontrolle.

Bahn verweist auf günstigere Sanierungsprojekte

Gegen die Kritik des Rechnungshofs, dass die Kosten für einzelne Projekte häufig die ursprünglichen Planungen überschreiten, führt die Bahn auch Sanierungen an, die günstiger wurden als geplant. Dazu zählen den Angaben zufolge etwa die Modernisierungen der Strecken Nürnberg-Regensburg sowie Hagen-Wuppertal-Köln.


Korridorsanierungen: Was die Bahn am Konzept ändert

Bei den Korridorsanierungen werden vielbefahrene Bahnstrecken über Monate gesperrt und grundlegend modernisiert. Anschließend sollen sie deutlich weniger störanfällig sein und so zu mehr Pünktlichkeit im gesamten Netz beitragen.

Nach Problemen bei den ersten Maßnahmen hatten Bahn und Bund vor zwei Wochen bekanntgegeben, dass in den kommenden fünf Jahren deutlich weniger Strecken saniert werden sollen als bisher geplant.

Ebenfalls geändert wird die Freigabe der Strecke für den Zugverkehr nach dem Ende der Bauarbeiten. Bislang sollen an einem bestimmten Datum alle Verkehrsträger wieder fahren. Künftig soll der Zugverkehr nur schrittweise wieder hochgefahren werden.

Bei den bislang abgeschlossenen Generalsanierungen hatte es nach Abschluss der Arbeiten immer wieder Probleme etwa mit verspäteten Zügen gegeben.



Rechnungshof fordert Wirtschaftlichkeitsnachweis für jede Korridorstrecke

Neben der Umsetzung des Konzepts stellt der Rechnungshof vor allem dessen wirtschaftliche Grundlage infrage. Der Bundesrechnungshof fordert in dem Bericht das Verkehrsministerium auf, die Wirtschaftlichkeit und den Erfolg der Korridorsanierungen „haushaltsrechtskonform“ nachzuweisen und die festgestellten Defizite zu beheben. Die Wirtschaftlichkeit jeder Korridorsanierung müsse gesondert nachgewiesen werden.

„Für die Milliardeninvestitionen in Korridorsanierungen fehlt eine tragfähige Entscheidungsgrundlage.“ Dem Haushaltsausschuss fehlten wesentliche Informationen, um seine parlamentarische Budget- und Kontrollverantwortung wahrnehmen zu können. Bei den ersten abgeschlossenen Korridorsanierungen seien die Kosten zum Teil erheblich gestiegen.

Die Bahn habe die in Aussicht gestellte „Baufreiheit“ bei den Korridorsanierungen von zunächst zehn auf fünf Jahre verringert. Auch die fünfjährige Baufreiheit aber halte sie bereits jetzt wegen nachgelagerter Arbeiten und der Beseitigung von Mängeln nicht ein.

Die Bahn hält hingegen grundsätzlich an ihrer Zusage fest, größere baubedingte Einschränkungen nach der Modernisierung möglichst lange zu vermeiden

Bahn hält an Versprechen zur Baufreiheit fest

Der bundeseigene Konzern betonte jüngst, dass das Versprechen weiterhin gelte: „Einmal bauen, einmal grundlegend modernisieren – und die Strecke anschließend möglichst bis zu zehn Jahre weitgehend frei von größeren baubedingten Einschränkungen halten.“ Die Einhaltung solle künftig konsequenter sichergestellt werden. Gleichzeitig brauche es auch mehr Realismus.

Grüne kritisieren Bilanz der Sanierungen

Die Grünen-Fraktion des Bundestags reagierte mit Kritik an der Bahn auf den Bericht des Rechnungshofes. „Ausufernde Kosten, längere Sperrungen, reduzierter Sanierungsumfang – das ist die miese Bilanz der bisherigen Korridorsanierungen“, sagte die Grünen-Haushälterin Paula Piechotta.

Die Versprechungen der Bahn, Fehler vergangener Korridorsanierungen abzustellen, erfüllten sich nicht. „Die Bahn hat den Vertrauensvorschuss, den sie für die Korridorsanierungen bekommen hat, restlos aufgebraucht.“

HASHTAG


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