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Tarifstreit über Entlohnung der Hafenarbeiter offenbar geschlichtet

Zu erneuten Streiks der Hafenarbeiter wird es nun voraussichtlich nicht kommen
© Foto: Christian Charisius/dpa/picture alliance

Im Tarifstreit über die Entlohnung der Hafenarbeiter in den deutschen Nordseehäfen gibt es eine Einigung. Die Bundestarifkommission der Gewerkschaft Verdi hat dem Ergebnis der zehnten Verhandlungsrunde zugestimmt, nun sollen aber noch die Mitglieder gehört werden.


Datum:
24.08.2022
Autor:
Stephanie Noll
Lesezeit: 
3 min
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Nach zehn Verhandlungsrunden und einer beispiellosen Serie von Warnstreiks in den deutschen Nordseehäfen haben die Gewerkschaft Verdi und die Hafenbetriebe ihren Tarifkonflikt beigelegt. Mit dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) einigte sich die Gewerkschaft in der Nacht zum Dienstag in Bremen auf spürbare Entgelterhöhungen in diesem und im kommenden Jahr für die 12.000 Beschäftigten. Zudem sieht der Abschluss Anpassungsregeln vor, sollte die aktuell extrem hohe Inflationsrate auch im kommenden Jahr ausufern.

Die Bundestarifkommission der Gewerkschaft, die Beschäftigte aller Betriebstypen repräsentiert, habe der Einigung „relativ eindeutig“ zugestimmt, sagte Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth der dpa. Angesichts des besonderen Charakters dieser Tarifrunde wolle die Gewerkschaft allerdings noch die Zustimmung der Mitglieder in den betroffenen Betrieben einholen. Die endgültige Entscheidung der Tarifkommission ist für den 5. September geplant.

Die Hafenlogistikwirtschaft reagierte erleichtert auf die Einigung und die Zustimmung der Verdi-Tarifkommission. „In einer gemeinsamen Kraftanstrengung ist es uns auch mit Hilfe neuer Instrumente gelungen, einen Kompromiss zu finden“, sagte die ZDS-Verhandlungsführerin Ulrike Riedel. „Wir warten nun die weitere Entscheidungsfindung bei Verdi ab.“

Gefahr weiterer Streiks höchstwahrscheinlich gebannt

Mit der Einigung ist ein erneuter Arbeitskampf in den Häfen mit großer Wahrscheinlichkeit vom Tisch. Zuletzt hatte Verdi dort Mitte Juli den Güter- und Containerumschlag für 48 Stunden weitgehend lahmgelegt. Zuvor gab es im Juni Warnstreiks, die acht beziehungsweise 24 Stunden gedauert hatten. In einem Flugblatt an die Belegschaften hatte Verdi nach Ende der neunten Verhandlungsrunde eine Urabstimmung über einen Erzwingungsstreik ins Gespräch gebracht. Einen solch heftigen Tarifkonflikt gab es in den Häfen seit mehr als vier Jahrzehnten nicht mehr.

Ein Ausstand hätte die ohnehin zulasten von Wirtschaft und Verbrauchern massiv gestörten Lieferketten zur Unzeit getroffen. Der globale Containerschiffsverkehr ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor zweieinhalb Jahren zunehmend aus dem Takt, sodass dringend benötigte Lieferungen ihr Ziel nicht rechtzeitig erreichen. Jede Störung, etwa Lockdowns in einzelnen Häfen, eine Havarie wie die der „Ever Given“ im Suezkanal oder eben Arbeitskämpfe bringt zusätzlich Sand ins Getriebe und mindert zusätzlich die Pünktlichkeit der Schiffe.

9,4 Prozent mehr Lohn in Vollcontainerbetrieben

Nach Verdi-Angaben sieht der Tarifabschluss vor, dass die Entgelte in Containerbetrieben in der Ecklohngruppe 6 rückwirkend zum 1. Juli um 9,4 Prozent steigen; für die konventionellen Stückgut-Betriebe betrage das Plus 7,9 Prozent. „Ab 1. Juni 2023 erhöhen sich die Entgelte in den genannten Betriebsarten um jeweils weitere 4,4 Prozent“, teilte die Gewerkschaft mit. „Sollte die Preissteigerungsrate darüber liegen, tritt eine Inflationsklausel in Kraft, die eine Preissteigerungsrate bis 5,5 Prozent ausgleicht.“ Vom ZDS lagen keine Angaben über die Details des Abschlusses vor.

Für den Fall einer höheren Inflationsrate wurde laut Verdi eine Verhandlungsverpflichtung inklusive eines Sonderkündigungsrechtes vereinbart. „Unser wichtigstes Ziel war ein echter Inflationsausgleich, um die Beschäftigten nicht mit den Folgen der galoppierenden Preissteigerung allein zu lassen. Das ist uns gelungen“, sagte Schwiegershausen-Güth. Die Gewerkschaft war ursprünglich mit einem Forderungspaket in die Verhandlungen gegangen, das nach Verdi-Angaben in der Spitze Lohnerhöhungen von bis zu 14 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten bedeutet hätte. (dpa/sn)

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