Mobilitätspaket I: Vielen KMU-Fuhrparks drohen hohe Sanktionen

17.03.2026 11:40 Uhr | Lesezeit: 3 min
Äußerlich wird sich der Smart Tacho 2, hier von VDO, kaum vom Vorgänger unterscheiden – kann aber einiges mehr
Bis Juli müssen leichte Nutzfahrzeuge im EU‑Grenzverkehr mit Smart‑Tacho 2 ausgerüstet sein – viele KMU‑Fuhrparks drohen bei Verzug empfindliche Strafen (Symbolbild)
© Foto: AllebaziB/stock.adobe.com, Continental

Eine neue Kienzle-Umfrage zeigt: Zahlreiche kleinere Fuhrparks haben noch immer keinen klaren Plan für die Umsetzung des EU‑Mobilitätspakets I. Besonders die verpflichtende Tachographennachrüstung bis Juli setzt Unternehmen stark unter Zugzwang.

Fast ein Drittel der kleinen und mittleren Fuhrparks steht wenige Monate vor Ablauf zentraler Fristen des Mobilitätspakets I noch ohne konkrete Vorbereitung da. Das zeigt eine aktuelle Erhebung der Tachographen-Spezialisten Kienzle Automotive aus Mülheim/Ruhr. Demnach haben 33,6 Prozent der befragten Unternehmen bisher noch keine Schulungen für ihr Personal eingeplant.

EU‑Mobilitätspaket setzt strengere Standards

Mit dem Mobilitätspaket I verschärft die EU die Regeln im gewerblichen Straßengüterverkehr. Neben Vorgaben zu Lenk- und Ruhezeiten sowie Änderungen im Bereich Kabotage betrifft die Branche insbesondere eine technische Pflicht: Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 2,5 bis 3,5 Tonnen, die grenzüberschreitend eingesetzt werden, müssen spätestens zum 1. Juli mit einem intelligenten Tachographen der zweiten Generation ausgestattet sein. Nur wenige Ausnahmefälle im Werksverkehr sind ausgenommen.

Fahrzeugen, die noch nicht mit einem Tachografen der neuesten Generation ausgestattet sind, drohen auch in Italien hohe Strafen, wie ein erster Fall im Süden des Landes belegt.

Viele Betriebe – kaum Vorbereitung

Für die Erhebung hat Kienzle insgesamt 116 Unternehmen aus Logistik, Transport, Handel sowie Bau- und Dienstleistungsbereichen befragt. Die Ergebnisse zeigen deutliche Defizite:
Mehr als ein Drittel der KMU bewerten ihren Vorbereitungsstand als schwach oder praktisch nicht vorhanden. Nur etwa 31 Prozent fühlen sich ausreichend über die Anforderungen informiert. Rund 39 Prozent stufen ihren Status als gut oder sehr gut ein, während gleichzeitig über 35 Prozent ihn als mangelhaft oder nicht vorhanden bewerten.

Die Diskrepanz könnte erhebliche Folgen haben, denn Verstöße werden in vielen EU‑Staaten streng geahndet

Kosten und Unklarheiten sorgen für Verzögerungen

Die größten Hürden benennen die Unternehmen klar:

  • 57,8 Prozent: hohe Investitionskosten
  • 40,5 Prozent: unklare oder sich ändernde Rechtslage
  • 35,3 Prozent: aufwendige technische Nachrüstung

Viele der teilnehmenden Firmen verfügen über begrenzte Ressourcen: Etwa 60 Prozent erzielen weniger als zehn Millionen Euro Umsatz, ähnlich viele beschäftigen maximal 50 Mitarbeitende. Ein erhebliches Drittel betreibt nur ein bis fünf Fahrzeuge.

Diese Struktur erklärt, warum die Nachrüstung für viele zur finanziellen Herausforderung wird. Die Umrüstung umfasst mehrere Tausend Euro pro Fahrzeug – hinzu kommen mögliche Schulungs- und Prozesskosten.

Jan Kaumanns, CEO und Gesellschafter bei Kienzle
© Foto: Kienzle

„Viele Betriebe unterschätzen den Aufwand komplett“, warnt Jan Kaumanns, CEO und Gesellschafter bei Kienzle. „Es geht nicht nur um den Einbau eines Tachographen. Prozesse, Schulungen, Dokumentationspflichten und interne Abläufe müssen angepasst werden – und das rechtssicher und korrekt.“

Gleichzeitig verweist Kaumanns auf Chancen: Moderne Tachographen schaffen langfristig mehr Transparenz, effizientere Abläufe und eine bessere Rechtsgrundlage: „Das Paket ist kein reiner Zwang, sondern gleichzeitig auch ein Modernisierungsschub“, betont er. „Unternehmen, die jetzt klug planen, können gestärkt aus der Situation hervorgehen.“

Defizite bei Schulungen besonders kritisch

Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen – 33,6 Prozent – hat bislang keinerlei Schulungen vorgesehen. Nur 14,67 Prozent bewerten ihre Schulungsstruktur als sehr gut.
Das birgt erhebliche Risiken, da Bedienfehler oder unvollständige Dokumentation ebenfalls sanktioniert werden können.

Bußgelder bei Verstößen bewegen sich in vielen EU‑Staaten typischerweise zwischen 1500 und 4500 Euro. Hinzu kommen mögliche Stilllegungen oder zusätzliche Maßnahmen.

Nach Angaben des BALM gilt dies in Deutschland besonders klar: Fahrzeuge ohne intelligenten Tachographen der zweiten Generation müssen mit 1500 Euro Bußgeld rechnen – „und das ohne Ausnahme“.

„Informationen zu einer Übergangsfrist nach dem 1. Juli liegen derzeit nicht vor“, erklärt Josef Thiel, Sprecher des BALM. Er empfiehlt daher, im Zweifel die zuständigen Behörden einzubeziehen, um mögliche Ausnahmeregelungen zu klären.

Informationsdefizite bleiben ein Kernproblem

Die Umfrage zeigt außerdem, dass viele Unternehmen ihr Wissen über das Mobilitätspaket I überwiegend über klassische Kanäle beziehen: Verbände (44 Prozent), Fachmedien (43,1 Prozent) und Austausch in der Branche (36,2 Prozent). Digitale Weiterbildungsangebote wie Webinare nutzen hingegen nur rund ein Drittel.

Für Kaumanns ist das alarmierend: „Wer nur punktuell informiert ist, wird den Umstieg nicht schaffen“, mahnt er. „Strukturierte Planung ist jetzt entscheidend.“

Fazit

Die Erhebung macht deutlich, dass ein erheblicher Teil der kleinen und mittleren Fuhrparks kurz vor Ablauf wichtiger Fristen dringend nacharbeiten muss. Ohne rechtzeitige Vorbereitung könnten die Vorgaben des Mobilitätspakets I für viele Betriebe zur wirtschaftlichen Belastungsprobe werden.


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