Der Frankfurter Intermodal-Operateur Kombiverkehr hat im Geschäftsjahr 2025 deutliche Einschnitte bei Volumen und Umsatz hinnehmen müssen – sieht sich aber zugleich operativ stabilisiert und strategisch neu aufgestellt.
So sank die Transportmenge im vergangenen Geschäftsjahr um 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 665.981 Sendungen, sagte Ulrich Maixner, Vorsitzender des Verwaltungsrates auf der Gesellschafterversammlung von Kombiverkehr am Mittwoch in Berlin. Besonders stark betroffen war der nationale Verkehr mit einem Minus von 14,2 Prozent; im internationalen Geschäft lag das Minus bei 13,3 Prozent. Größtes Verkehrssegment des Unternehmens ist weiterhin der Südeuropaverkehr (277.770 Sendungen, minus 5,8 Prozent) mit den Relationen von und nach Italien und der Schweiz, gefolgt vom Nordeuropaverkehr (85.807 beförderte Sendungen, minus 19,4 Prozent).
Korridorsanierung schlägt sich auf Geschäftslage nieder
Auch finanziell schlägt sich die Entwicklung nieder: Der Umsatz von Kombiverkehr sank um rund 36 Millionen Euro auf 398,4 Millionen Euro. Dennoch erzielte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025 einen Jahresüberschuss von 762.000 Euro.
Treiber der Entwicklung waren neben der schwachen Konjunktur vor allem strukturelle Probleme im Schienengüterverkehr. Hohe Energie- und Betriebskosten, ein dichtes Baustellenaufkommen sowie reduzierte Fördermaßnahmen belasteten das Geschäft.
Korridorsanierung: Branche stößt an ihre Grenzen
Besonders scharf fällt die Kritik an der Infrastrukturpolitik aus. Geschäftsführer Armin Riedl machte deutlich, dass die Branche zunehmend an ihre Grenzen stößt: „Es ist einfach nicht zu verstehen“, dass zentrale Verkehre über Monate eingeschränkt oder unterbrochen würden. Die Vielzahl an Korridorsanierungen, unkoordinierte Baustellen und zusätzliche Störungen führten zu massiven Einschränkungen im Betrieb.“
Für die Speditions- und Logistikbranche hat das direkte Folgen: längere Laufzeiten, steigende Kosten und steigende Unsicherheit bei der Verlagerung von Verkehren auf die Schiene. Riedl warnt vor einer Rückverlagerung auf die Straße „in ungeahnter Größe“, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht verbessern.
Kombiverkehr Erfolgreiche Transformation und Neue Zugangebote
Gleichzeitig sieht sich Kombiverkehr nach der Transformation des Netzwerks stabiler aufgestellt. „Wir haben das meiste gerettet, aber es hätte mehr sein können“, sagt Riedl mit Blick auf das Jahr 2025. So ist es Kombiverkehr auf Basis der Neuausrichtung, im vergangenen Geschäftsjahr gelungen, auch neue Zugangebote im Markt zu platzieren. Gleich zu Jahresbeginn wurden die Zugkapazitäten im Brennerverkehr aufgestockt. Zwischen Lübeck und Verona Quadrante Europa wurde ein Direktzug wieder eingeführt, mit zwei Rundläufen pro Woche im Direktverkehr und drei Rundläufen via Hamburg. Der Direktzug Rostock – Verona Interterminal wurde Mitte Oktober auf sieben Rundläufe pro Woche erhöht. Außerdem wurde im Dezember 2025 auf Basis einer neuen Kooperation das Angebot im Polenverkehr auf das Terminal Neuss Trimodal umgestellt. Seitdem verkehren Direktzüge sechs Mal pro Woche und Richtung von und nach Poznan Clip Swarzedz. In das Jahr 2026 ist der Intermodal-Anbieter mit einer neuen Verbindung zwischen Mortara und Köln-Eifeltor gestartet, die heute fünf Mal pro Woche und Richtung bedient wird.
Konsequente Digitalisierung und neues CO2-Emissions-Tool
Wichtige Meilensteine erreichte Kombiverkehr im Geschäftsjahr 2025 auch beim konsequenten weiteren Ausbau der Digitalisierung, berichtete Heiko Krebs, Geschäftsführer von Kombiverkehr: „Dabei setzen wir vor allem auf Standardisierung, um den digitalen Zugang zum Intermodalen Verkehr so einfach und effizient wie möglich zu gestalten.“ Besonders erfolgreich entwickelt habe sich die gemeinsam mit Partnerunternehmen vermarktete Datendrehscheibe KV 4.0 entwickelt, betonte Krebs. Über 30 Unternehmen nutzen bereits Plattform für den digitalen Datenaustausch entlang der intermodalen Transportkette. Weitere 55 Unternehmen haben ihr Interesse an einer Anbindung bekundet.
Stolz ist Kombiverkehr vor allem auf die Entwicklung einer neuen Lösung zur Emissionsbilanzierung – gemeinsam mit dem Hamburger Softwareunternehmen Shipzero. So erhalten Kunden 24 Stunden nach Abschluss eines Transports präzise Emissionsdaten über das neue Tool bereit gestellt. Über das Kundenportal meinKOMBIVERKEHR können Emissionsdaten eingesehen, ausgewertet und durch individuelle Zertifikate dokumentiert werden. Damit unterstützt Kombiverkehr seine Kunden bei den steigenden Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeitsberichterstattung.
Neuer Geschäftsführer und neuer Verwaltungsrat
Auf der Gesellschafterversammlung wurde zudem Armin Riedl als langjähriger Geschäftsführer mit stehenden Ovationen in den Ruhestand verabschiedet. Unter seiner Ägide hatte sich Kombiverkehr in den letzten Jahrzehnten sehr erfolgreich weiter entwickelt. Sein Nachfolger ist seit 1. Juni 2026 Dirk Steffes, der mit Heiko Krebs nun gemeinsam die Geschäfte von Kombiverkehr führen wird.
Auf der Gesellschafterversammlung wurde außerdem durch die Anteilseigner der Kommanditgesellschaft ein neuer Verwaltungsrat gewählt. Die siebenköpfige Speditionsseite im Verwaltungsrat besteht aus Ali Taskan (Lanfer Transport), Ulrich Maixner (Hoyer Internationale Fachspedition), Nils Buchmann (Paneuropa Transport), Sonja Stich (Karl Schmidt Spedition), Georg Dettendorfer (Johann Dettendorfer Spedition Ferntrans), Ueli Maurer (Bertschi) und Stev Etzrodt (Spedition Bode). DB Cargo entsendet als 50-Prozent-Anteilseignerin zwei Mitglieder in den Verwaltungsrat. Ulrich Meixner wurde zum Vorsitzenden des Verwaltungsrates wiedergewählt.