Die EU-Kommission plant ein Gesetz zur Klimaresilienz, das Europas Umgang mit Klimarisiken verbessern soll. Vorgesehen sind unter anderem ein gemeinsamer Referenzpfad für die globale Erwärmung, regelmäßigere Klimarisikobewertungen und neue Instrumente für Behörden, Unternehmen und Kommunen. Zudem ist eine „Climate Insurance Alliance“ geplant.
Die Europäische Kommission hat einen EU-Rahmen für Klimaresilienz vorgestellt, um Europas Fähigkeit zur Vorhersage, Vorbereitung und Bewältigung von Klimarisiken zu stärken. Das Rahmenwerk soll unter anderem lokale und regionale Behörden bei der Anpassung durch Pilotprojekte und Beratungsdienste unterstützen, aber auch Unternehmen nützliche Tools an die Hand geben.
EU-Kommission sieht Klimaresilienz als strategische Investition
Klimaresilienz sei eine strategische Investition in die Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit, Gesundheit und den Wohlstand Europas, nennt die Kommission als einen Grund für das geplante Gesetz. Die wirtschaftlichen Verluste durch Klimaschäden werden für den Zeitraum 2022 bis 2025 laut Kommission auf rund 200 Milliarden Euro geschätzt. Das entspricht 50 Milliarden Euro pro Jahr.
Die Folgen seien auch in diesem Sommer deutlich geworden: Hitzewellen und Dürren hätten zu Niedrigwasser in den größten Flüssen Europas geführt. Hinzu kamen gefährliche Waldbrände. In den vergangenen Jahren kam es außerdem zu schweren Überschwemmungen.
„Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Um wirklich klimaresilient zu werden, müssen wir uns anpassen und dabei lernen“, hebt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hervor. „Heute stellen wir einen europäischen Ansatz für Klimarisiken vor – um diese zu antizipieren, uns darauf vorzubereiten und sie zu bewältigen.“
Das plant die EU beim Klimaresilienzgesetz
Auf die wachsenden Risiken will die Kommission mit einem einheitlicheren europäischen Rahmen reagieren. Das vorgeschlagene Gesetz zur Klimaresilienz setzt als Basis einen gemeinsamen Referenzpfad für die globale Erwärmung. Mit dieser Grundannahme können die Mitgliedsstaaten bei ihren Entscheidungen künftige Klimarisiken bewerten.
Nach aktuellen wissenschaftlichen Prognosen wird sich die Erde bis 2030 um 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmen, so die Kommission. Bis 2050 komme es zu einer Erwärmung um 2 Grad Celsius und bis 2100 um 3 Grad Celsius.
Die Kommission zielt mit dem Gesetz darauf ab, den Verwaltungsaufwand der Mitgliedstaaten zu verringern. Die nationalen Planungsverpflichtungen und -instrumente sollen durch die Einführung eines einzigen nationalen Strategieplans vereinfacht werden. Geplant sind zudem verbesserte und regelmäßigere Klimarisikobewertungen für mehr Vergleichbarkeit zwischen EU und den einzelnen Mitgliedsstaaten, heißt es in der Mitteilung.
„Climate Insurance Alliance“ soll Versicherungslücke verringern
Neben staatlicher Planung und Risikobewertung bezieht die Kommission auch Versicherungen in ihren Ansatz ein. Denn auch Versicherungen spielen eine wichtige Rolle, um Klimarisiken besser zu bewältigen. Sie entlasten laut Kommission die öffentlichen Finanzen und setzen Ressourcen für andere Präventionsmaßnahmen frei. Man werde daher eine „Climate Insurance Alliance“ ins Leben rufen.
Diese soll Lösungen und umsetzbare Maßnahmen erarbeiten, mit denen die Deckungslücke bei Naturkatastrophen verringert werden kann. Die Maßnahmen haben das Ziel, den Abschluss von Versicherungen zu fördern, Anreize für die Risikoprävention zu schaffen und eine angemessene Versicherungskapazität sicherzustellen.
Neue Instrumente zur Bewertung von Klimarisiken
Ergänzend sollen Behörden, Unternehmen und Kommunen praktische Instrumente für den Umgang mit Klimarisiken erhalten. Die europäische Online-Plattform für Klimaresilienz soll dabei folgende neue Instrumente umfassen:
- European Climate Viewer: soll eine interaktive Karte der prognostizierten Klimagefahren in Europa bereitstellen. Das Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF) hat ihn entwickelt.
- Navigator of Climate Resilience Tools: soll Nutzern helfen, passende Instrumente zu finden. Dies soll anhand von Standort, Sektor und spezifischen Risiken, denen sie ausgesetzt sind, geschehen. Die Europäische Umweltagentur (EEA) hat ihn entwickelt.
- Solutions Explorer: präsentiert praktische Anpassungslösungen, die im Rahmen der EU-Mission zur Anpassung an den Klimawandel entwickelt und getestet wurden.