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Interview: Lohnt der Verkauf an einen Investor?

Investor und Ex-Kühne- + Nagel-Top-Manager: Cornelius Geber, CEO der CG Beteiligungs- & Management
© Foto: privat

Welche Chancen bietet Mittelständlern in der Speditions- und Logistikbranche der Verkauf an einen Investor? Ein Interview mit Investor und Ex-Kühne- + Nagel-Top-Manager Cornelius Geber, CEO der CG Beteiligungs- & Management.


Datum:
10.02.2022
Autor:
Eva Hassa
Lesezeit: 
5 min
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Sie haben schon so manchen Unternehmenskauf und -verkauf eingefädelt – wie zuletzt den Deal von Duvenbeck und Investor Waterland. Wie attraktiv ist aus Investoren-Sicht die Logistikbranche, und welche Segmente da vor allem?

Finanzinvestoren erkennen zunehmend die Attraktivität der Branche, was auch zurückzuführen ist auf die aktuellen Lieferkettenprobleme und einen erwarteten Konsolidierungsprozess. Das Beispiel eines gelungenen Engagements von Finanzinvestoren ist sicherlich XPO Logistics, das sich als ein sehr attraktives Investment herausgestellt hat. Durch eine erfolgreiche Buy-&-Build-Strategie und Restrukturierung von zugekauften Firmen ist eine respektable und werthaltige Logistikgruppe entstanden. Dieses Beispiel zeigt, dass ein Engagement eines Finanzinvestors sehr gut funktionieren kann. Für mich gilt grundsätzlich, dass das Unternehmen möglichst kein Sanierungsfall sein sollte und in seinem Kerngeschäft bei Betrachtung von Markt und Wettbewerb Geschäftsfelder betreibt, die sich gut internationalisieren oder durch die Straffung und Digitalisierung von Prozessen, auch über neue Querschnittsfunktionen, gut organisatorisch und durch Zukäufe weiterentwickeln lassen.

Wie gut ist aktuell der Zeitpunkt, um mit einem Investor ins Geschäft zu kommen?

Der Markt ist aktuell sehr stark in Bewegung. Es gibt erstaunlich viele Opportunitäten und es ist sehr viel Liquidität vorhanden.

Welche Chancen, Vorteile, bringt der Einstieg eines Investors aus Sicht des Mittelständlers?

Finanzinvestoren erkennen in der Regel sehr schnell die Chancen eines Unternehmens, wenn sie Gelegenheit haben, mit dem Unternehmer in konstruktiven, aber auch kritischen, Gesprächen das Entwicklungspotenzial des Unternehmens zu identifizieren. Investoren denken immer bis zum Ende eines Investments. Das heißt, sie entwickeln gemeinsam „Buy-&-Build“-Strategien beziehungsweise Szenarien für die Weiterentwicklung des Unternehmens bis hin zur Veräußerung.

Am Ende wird dann ein Unternehmen in einer ganz anderen Größenordnung mit weiter verbesserter Profitabilität stehen, womit interessante Perspektiven für einen sehr erfolgreichen Exit, zum Beispiel auch über einen Börsengang, oder eine Veräußerung an einen strategischen Investor, zur Verfügung stehen. Der Unternehmer kann, was häufig attraktiv sein kann, an dem Unternehmen mit einer qualifizierten Minderheit beteiligt bleiben, weiterhin sein Know-how dem Finanzinvestor zur Verfügung stellen und beim Verkauf des Unternehmens erheblich am Zugewinn der Gesellschaft partizipieren.

Auf welche Änderungen muss sich ein Unternehmer einstellen, der mit Investoren arbeiten will?

Das Wichtigste ist, dass ein Unternehmer bereit ist, seine unternehmerische Verantwortung zukünftig mit einem qualifizierten Investor zu teilen. Klar ist, dass die Spielregeln mit einem Investor andere sind als in einem klassischen Familienunternehmen mit einem „Patriarchen“ an der Spitze. Die Reporting-Anforderungen eines Investors, zum Beispiel durch die Schaffung eines Beirates, sind sicherlich andere als in einem reinen Familienunternehmen. Ich selber habe in den 20 Jahren Selbständigkeit als Investor und Unternehmer-Berater bei über 50 Unternehmensbeteiligungen in einer Vielzahl von Transaktionen diesbezüglich sehr positive Erfahrungen gemacht.

Was sind die typischen Fehler, die Unternehmern in der Logistikbranche unterlaufen, wenn sie mit einem Investor Geschäfte machen?

Es gibt ja in der Logistik noch nicht sehr viele Unternehmen, die mit einem Investor zusammenarbeiten. Einige Unternehmer haben nach wie vor ein falsches Bild und auch Vorbehalte gegenüber Private Equity Investoren, insbesondere angelsächsischer Prägung. Mit diesen in der Vergangenheit häufig als „Heuschrecken“ bezeichneten Firmen arbeite ich nicht zusammen, da es mir auf die Entwicklung langfristiger Perspektiven für die Unternehmen ankommt und auf eine partnerschaftliche Herangehensweise an die gemeinsam festgelegten Ziele für das Unternehmen. Bis es allerdings zu dieser Art von kooperativem Miteinander kommt, sehe ich meine Rolle insbesondere darin, hier als Wegbereiter im besten Sinne zu agieren, der Vertrauen auf beiden Seiten schafft. Ich habe insbesondere durch meine langjährige, sehr enge Zusammenarbeit mit dem M&A-Beratungshaus MCF in Hamburg, auch bei dem Duvenbeck Deal, hervorragende Ergebnisse erzielt.

Was ist Ihr wichtigster Rat?

Ich wünsche mir, dass mittelständische Unternehmer diese von mir geschilderte, sehr interessante Alternative zu einem Verkauf an strategische Investoren viel öfter ernsthaft in Erwägung ziehen. Das Wichtigste bei Gesprächen mit potenziellen Investoren ist Diskretion. Ich bin deshalb sehr stolz darauf, dass von der Duvenbeck-Transaktion mit Waterland zwei Jahre lang nichts nach außen gedrungen ist. Das ist für den Erfolg eines solchen Deals essenziell.

Warum?

Ein Unternehmer hat in der Regel seine Firma mit sehr viel Herzblut aufgebaut. Er muss sich also zu 100 Prozent darauf verlassen können, dass von solchen Gesprächen nichts nach außen dringt. Nur wenn Diskretion gewährleistet ist, hat ein Unternehmer auch das Vertrauen, alle Daten und Fakten offenzulegen und mögliche Perspektiven für sein Unternehmen zu diskutieren.

Hintergrund für das Interview ist der aktuelle Umbruch in der Automobilindustrie  –  mit massiven Folgen für mittelständische Speditions- und Logistikbetriebe. Wie attraktiv die Automobillogistik für diese überhaupt noch ist, welche Chancen das Segment bietet, lesen Sie hier im Artikel der VerkehrsRundschau VR3/2022.

 

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