Auf den Schienengüterverkehr könnte in diesem Jahr ein Preisschock in Form drastisch steigender Trassenpreise zukommen, warnt der Verband „Die Güterbahnen“. Denn die Trassenpreise könnten laut Antrag der DB InfraGo im nächsten Fahrplanjahr um ganze 37 Prozent steigen. Das wären 381 Millionen Euro Zusatzbelastung für die Unternehmen, deren Gesamtumsatz im Jahr rund sieben Milliarden Euro beträgt, rechnen die Güterbahnen vor. „Der Verkehrsminister muss jetzt seine Ideen präsentieren, sonst droht eine regelrechte Flucht der Verlader auf die Straße. Beim gegenwärtigen Preisroulette können die Unternehmen kaum verhandeln und sind nicht wettbewerbsfähig, wenn der Lkw mit stabilen Preisen punkten kann“, erklärte Peter Westenberger, Geschäftsführer der Güterbahnen.
Güterbahnen fordern marktverträgliche Trassenpreise
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hatte angekündigt, zum 1. Januar 2027 ein reformiertes Trassenpreissystem starten zu wollen, bisher liege aber noch kein Vorschlag vor, schreiben die Güterbahnen. Die Trassenpreise müssen „durch eine Reform langfristig marktverträglich gestaltet“ und am Ziel ausgerichtet werden, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern, fordern nun die Güterbahnen von der Politik. Dies könne erreicht werden, indem „die Preise für fünf Jahre festgelegt und der Start mit zunächst zwei Euro pro Güterzug und Kilometer“ erfolge, schlägt der Branchenverband vor. Westenberger betonte, es gehe bei dem Vorschlag „nicht darum, einen möglichst günstigen Preis aufzurufen, sondern einen marktgerechten“. Die Güterbahnen wollten auch künftig ihren Beitrag zum Betrieb der Infrastruktur leisten.
"Beim gegenwärtigen Preisroulette können die Unternehmen kaum verhandeln und sind nicht wettbewerbsfähig."
Peter Westenberger, Geschäftsführer der Güterbahnen
Preise für die nächsten fünf Jahre festlegen
Das Konzept der Güterbahnen für ein Gemeinwohl-Trassenpreissystem sieht vor – dabei der Logik bei der Lkw-Maut folgend – die Preise für fünf Jahre festzulegen. Die Ziel-Schienenmaut müsse „bei den industriellen Endkunden wettbewerbsfähige Preise zum Lkw ermöglichen und darf anfangs nicht höher als zwei Euro pro Kilometer für den Standard-Güterzug liegen“, fordern die Güterbahnen. Das wären 0,89 Euro bzw. 31 Prozent weniger als aktuell real gezahlt werden (die Trassenpreisförderung dämpft den realen Preis etwas ab). Der Wert läge damit immer noch etwas höher als von der Europäischen Union empfohlen. Die bisherige Trassenpreisförderung des Bundes könnte im Gegenzug entfallen und Teil einer stabilen Teilfinanzierung von Instandhaltung und Betrieb des Bundes werden. Kritik am Trassenpreissystem hatte gestern bei seiner Jahrespressekonferenz auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) geübt und eine Reform des derzeitigen Systems gefordert.
Schon vor einem Jahr stiegen die Trassenpreise kräftig
Bereits vor einem Jahr drohte ein ähnlicher Preisanstieg von 35 Prozent Kostensteigerung pro Trassenkilometer im Schienengüterverkehr. Dieser wurde in letzter Minute durch die Regierungsfraktionen abgewendet, so dass die Kostensteigerung letztlich sechs Prozent betrug. Um nicht länger auf weitere Last-Minute-Rettungsmissionen angewiesen zu sein, wartet die Branche auf einen ersten Entwurf des Bundesverkehrsministeriums für ein neues Trassenpreissystem, das dann zügig durch Bundestag und Bundesrat beschlossen werden müsse, um zum neuen Fahrplanjahr in Kraft zu treten.