Im Rahmen eines Projekts haben die Partner eine Lösung entwickelt, mit der ein großer Teil der Gefahrgutsendungen digital und teilautomatisiert in einem Terminal des Kombinierten Verkehrs abgewickelt werden kann. Projektpartner waren der Terminalbetreiber Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene – Straße (DUSS), Kombiverkehr sowie das Logistik-Kompetenz-Zentrum Prien (LKZ) und CONROO.
Insbesondere die digitale Fahrerkontrolle, die Übermittlung und Verarbeitung von Gefahrgutdaten sowie die kamerabasierte Erkennung von Fahrzeugen, Ladeeinheiten und Gefahrgutkennzeichnungen sei untersucht und erprobt worden, so die Projektpartner.
Ziel des Projekts war es, die bisher größtenteils manuell durchgeführten Prozesse im Rahmen der Kontrollen von Fahrern und Ladeeinheiten bei der straßenseitigen Anlieferung und Abholung von Gefahrgut zu digitalisieren und unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften schneller, effizienter und ohne Schalterabfertigung zu gestalten.
Technischen Voraussetzungen sind vorhanden
Laut den Beteiligten zeigen die Projektergebnisse, dass die technischen Voraussetzungen für eine weitgehend digitale Gefahrgutabwicklung vorhanden sind. Insbesondere die Fahrerkontrolle könne nun bereits im Rahmen der digitalen Voranmeldung automatisiert erfolgen.
- Der Fahrer meldet sich digital an, seine Identität sowie Führerschein und ADR-Schein werden geprüft.
- Die im ADR-Schein hinterlegten Gefahrgutklassen können mit den Daten der Ladeeinheit abgeglichen werden.
- Die Prüfung kann sowohl bei der Buchung als auch bei der Ankunft im Terminal erfolgen.
Kamerabasierte Systeme als Unterstützung
Kamerabasierte Systeme können die Terminalprozesse unterstützen. KFZ-Kennzeichen, Ladeeinheiten und Gefahrgutkennzeichnungen lassen sich automatisch erkennen und mit den vorab übermittelten Transportdaten abgleichen. Voraussetzung hierfür sei ein aktueller und vollständiger Datensatz, der Kennzeichen, Ladeeinheit, UN-Nummer und erforderliche Gefahrgutkennzeichnungen enthält.
„Das Projekt hat gezeigt, dass heute bereits ein großer Teil der Gefahrgutabwicklung digital unterstützt und automatisiert werden kann“, erklärte Petra Seebauer, Geschäftsführerin des Logistik-Kompetenz-Zentrums Prien. „Entscheidend ist dabei die richtige Kombination aus digitaler Prüfung, automatisierter Datenerfassung und menschlicher Kontrolle dort, wo sie aus Sicherheitsgründen erforderlich bleibt.“
Manuelle Kontrolle bleibt unverzichtbar
Im Projekt sei gleichzeitig deutlich geworden, wo die Automatisierung an ihre Grenzen stößt: Physische Schäden an Ladeeinheiten, verschmutzte Prüfplaketten, sich lösende Gefahrgutkennzeichnungen oder mögliche Austritte von Gefahrgut können durch Kameras nicht zuverlässig erfasst werden. Die manuelle Kontrolle durch geschulte Terminalmitarbeiter bleibe deshalb „bei sicherheitsrelevanten Prüfungen unverzichtbar“, so die Projektpartner. Die Digitalisierung ermögliche jedoch, diese Kontrollen gezielter einzusetzen und die Mitarbeiter bei standardisierbaren Prüfungen zu entlasten.
Auch für den Terminalbetrieb ergeben sich Vorteile. Entscheidend sei, dass „die Digitalisierung nicht nur einzelne Prozesse verbessert, sondern der gesamte Terminaldurchlauf effizienter wird. Die schalterlose Gefahrgutabwicklung ist dabei ein weiterer wichtiger Baustein einer durchgängig digitalen und kontaktlosen Lkw-Abfertigung“, so Andreas Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene – Straße (DUSS).
Standardisierung notwendig
Eine zentrale Herausforderung bleibe die unternehmensübergreifende Standardisierung der Daten. Die Projektarbeiten haben gezeigt, dass Gefahrgut- und Transportinformationen grundsätzlich bereits heute digital zwischen den Beteiligten übertragen werden können. Für eine durchgängige automatisierte Verarbeitung müssten jedoch „Dateninhalte, Datenqualität und Verantwortlichkeiten bei Änderungen eindeutig definiert sein“.
„Die technische Übertragung der Daten ist heute nicht mehr das größte Hindernis. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten mit einheitlichen Datenstrukturen arbeiten und Informationen zuverlässig aktuell halten. Bestehende B2B-Schnittstellen und Plattformlösungen wie KV 4.0 können dabei eine wichtige Rolle spielen, um die Daten entlang der Transportkette effizient verfügbar zu machen“, erklärte Heiko Krebs, Geschäftsführer von Kombiverkehr.
DUSS will digitale Abfertigung von Gefahrgut ermöglichen
Die Projektpartner sehen gute Voraussetzungen für eine schrittweise Überführung der entwickelten Lösung in die Praxis. Voraussetzung für eine breitere Anwendung seien aber weitere Fortschritte bei der Digitalisierung der beteiligten Unternehmen sowie bei der Standardisierung und Qualität der auszutauschenden Daten. DUSS will ab 2027 an allen Standorten die digitale Abfertigung von Gefahrgut ermöglichen, so dass Kunden, die die Voraussetzungen erfüllen, deutschlandweit die Vorteile nutzen können.
Gefördert wurde das Projekt durch das Bundesverkehrsministerium im Rahmen des Bundesprogramms Zukunft Schienengüterverkehr (Z-SGV).