Der Transportmarkt bewege sich trotz moderater wirtschaftlicher Erholung weiterhin in einem angespannten Umfeld, so die Analyse des Europäischen Ladungs-Verbunds Internationaler Spediteure (ELVIS) in ihrem aktuellen Marktreport zum zweiten Quartal 2026. „Ein leichtes Wachstum ist da, aber es kommt noch nicht in der Breite der Wirtschaft an. Gerade bei den für den Transport wichtigen Industrien fehlen weiterhin die Impulse“, sagte Nikolja Grabowski, Vorstand von ELVIS.
Frachtraum ist nur begrenzt vorhanden
Zwar sorge eine moderate Nachfrage für eine hohe Auslastung, gleichzeitig stehe jedoch nur begrenzt Frachtraum zur Verfügung, so ELVIS weiter. Besonders der zunehmende Mangel an Fahrpersonal werde angesichts der Ferienzeit wieder deutlich sichtbar. „Hinzu kommen hohe und volatile Energiepreise sowie weiter steigende Personalkosten“, schreibt ELVIS. Für das anstehende Herbstgeschäft kommt es aus Sicht des Speditionsverbunds daher darauf an, „vorhandene Kapazitäten zu sichern und Fahrer langfristig zu binden“.
"Was wir aktuell sehen, ist vor allem ein begrenztes Angebot an verfügbarem Frachtraum."
Nikolja Grabowski, Vorstand von ELVIS
Kapazitätssituation im Transportmarkt bleibt angespannt
Im Lkw-Güterverkehr hat die mautpflichtige Fahrleistung im zweiten Quartal deutlich zugelegt: Im Juni lag sie 10,5 Prozent über dem Vormonat und 8,1 Prozent über dem Vorjahresmonat, schreibt ELVIS. Gleichzeitig blieb die Kapazitätssituation im Transportmarkt über das gesamte zweite Quartal hinweg angespannt. „Wir dürfen hohe Auslastung nicht mit einem starken Markt verwechseln. Was wir aktuell sehen, ist vor allem ein begrenztes Angebot an verfügbarem Frachtraum“, betonte Grabowski.
Energie- und Personalkosten belasten Transportunternehmen
Die hohen Energiepreise des zweiten Quartals würden zunehmend auf die Kostenstrukturen der Unternehmen durchschlagen. Auch bei den Personalkosten bleibe der Druck hoch: Zwar blieben sie gegenüber dem Vorquartal unverändert, lagen jedoch 3,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresquartals. Beim Diesel zeigte sich im Quartalsverlauf zunächst eine kurzfristige Entlastung: Im Juni lagen die Preise 11,8 Prozent unter dem Vormonat, gleichzeitig aber noch 11,2 Prozent über dem Vorjahresniveau.
"Die Geschwindigkeit, mit der sich die Kosten verändern, macht eine verlässliche Kalkulation zunehmend schwierig."
Nikolja Grabowski, Vorstand von ELVIS
Nicht nur das Preisniveau ist eine Herausforderung
Außerdem erschwere die hohe Volatilität die Kalkulation im Spotmarkt: Kurzfristige Veränderungen der Kraftstoffkosten können die Wirtschaftlichkeit einzelner Transporte spürbar beeinflussen. „Für Speditionen ist nicht nur das Preisniveau eine Herausforderung, sondern vor allem die Geschwindigkeit, mit der sich die Kosten verändern. Das macht eine verlässliche Kalkulation zunehmend schwierig“, führte Grabowski aus.
Stimmung bei den Transportunternehmen ist angespannt
Die Stimmung in der Transportbranche bleibt angespannt. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Geschäftserwartungen: Sie verschlechterten sich im Juni um 2,6 Prozent gegenüber dem Vormonat und lagen 22 Prozent unter dem Vorjahreswert. Auch die Umsatzerwartungen gingen gegenüber dem Vormonat um 3,0 Prozent zurück.
"Die Ferienzeit zeigt sehr deutlich, wie wenig personelle Puffer viele Betriebe inzwischen haben."
Nikolja Grabowski, Vorstand von ELVIS
Der verfügbare Frachtraum bleibt begrenzt
Hinzu komme, dass „der verfügbare Frachtraum trotz der beginnenden Ferienzeit begrenzt bleibt“, so ELVIS. Zwar geht die Nachfrage in dieser Phase saisonbedingt teilweise zurück, gleichzeitig fallen jedoch viele Fahrer und Fahrzeuge durch Urlaubsabwesenheiten aus. „Die Ferienzeit zeigt sehr deutlich, wie wenig personelle Puffer viele Betriebe inzwischen haben. Wenn ein Teil der Stammfahrer im Urlaub ist, wird es schnell schwierig, die vorhandenen Fahrzeuge überhaupt auf die Straße zu bringen“, sagt Grabowski.
Fahrpersonal gewinnen und an sich binden
Mit Blick auf das anstehende Herbstgeschäft rät der Speditionsverbund den Unternehmen daher, die aktuelle Phase zu nutzen, um ihre Personal- und Kapazitätsplanung zu überprüfen. Insbesondere die Gewinnung und Bindung von Fahrpersonal spiele dabei eine wichtige Rolle. Viele Betriebe stoßen hier jedoch bereits heute an ihre Grenzen und haben zunehmend Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen.