Der aktuelle Marktreport der Europäischen Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure (ELVIS) AG für das zweite Quartal 2025 beschreibt eine weiterhin angespannte Situation in der deutschen Transportwirtschaft: Zwar habe sich in der Gesamtwirtschaft und in der Lkw-Transportbranche der Abwärtstrend verlangsamt, doch steigende Personalkosten, knapper Laderaum und fehlende politische Impulse verschärfen die Lage für viele Unternehmen.
„Von einer Trendwende kann derzeit keine Rede sein: Die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle, die erhoffte Erholung bleibt aus. Besonders die schwache Produktion im verarbeitenden Gewerbe ist alarmierend und hat gravierende Folgen für die Wirtschaft“, betont Nikolja Grabowski, Vorstand von Elvis.
Industrieproduktion im deutlichen Minus
Der Bericht verweist auf eine insgesamt rückläufige Industrieproduktion. Im Jahresvergleich gingen die Produktionszahlen im Juni 2025 deutlich zurück: Die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen verzeichnete ein Minus von 4,8 Prozent, die Chemiebranche von 7,6 Prozent, während der Maschinenbau sogar um 8,7 Prozent einbrach. Insgesamt sank die industrielle Leistung um durchschnittlich 6,9 Prozent.
Gleichzeitig zeigen die ifo-Indikatoren ein gemischtes Bild: Während Geschäftsklima (+1,8 Prozent) und Geschäftserwartungen (+4,4 Prozent) im Juli 2025 stiegen, verzeichnete die Geschäftslage ein leichtes Minus von 0,7 Prozent.
Belastungen im Transportsektor
Im Straßengüterverkehr ging die Lkw-Maut-Fahrleistung im Juni 2025 gegenüber dem Vormonat um 4,0 Prozent zurück. Die Transportvolumina blieben dagegen stabil, das Transportaufkommen von Teilladungen ist im Jahresvergleich gestiegen (+8,3 Prozent; Juli 2024), und insbesondere die ifo-Geschäftserwartungen für die Güterbeförderung im Straßenverkehr entwickelten sich positiv (+7,8 Prozent zum Vormonat; +10,8 Prozent zum Vorjahr).
Trotz dieser stabilen Nachfrage bleibt der Laderaum knapp. Das Transportbarometer zeigt für Juli 2025 ein um 12,2 Prozent höheres Verhältnis von Fracht zu verfügbaren Kapazitäten als im Vorjahr. Zwar sorgte vermutlich die Ferienzeit für eine kurzfristige Entspannung (-5,7 Prozent zum Vormonat), doch Grabowski geht nicht von einer dauerhaften Verbesserung aus.
Kostensteigerungen verschärfen Druck
Besonders ins Gewicht fällt der Anstieg der Personalkosten: Bereits im ersten Quartal 2025 erhöhten sich die Bruttomonatsverdienste im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent. „Die personalintensive Transportdienstleistung wird zunehmend teurer. Diese steigenden Kosten belasten unsere Branche erheblich“, so Grabowski.
Die Großhandelsverkaufspreise blieben nahezu stabil (+0,5 Prozent im Jahresvergleich), während die Treibstoffkosten leicht rückläufig waren (-2,1 Prozent zum Vorjahr). Dennoch dominieren die steigenden Personalkosten die Gesamtkostenstruktur.
Politische Unsicherheit und Insolvenzen nehmen zu
Von den Investitionsprogrammen der neuen Bundesregierung seien bislang keine spürbaren Effekte zu sehen, kritisiert Elvis – stattdessen wächst die Unsicherheit durch weltpolitische Risiken, hohe Abgaben und anhaltende Bürokratie.
„Die aktuelle weltpolitische Lage sorgt für zusätzliche Unsicherheit und verhindert jede Aufbruchsstimmung. Die unklaren Entwicklungen und globalen Risiken erschweren den Unternehmen die wirtschaftliche Planung“, sagt Grabowski. „Die zuletzt spürbar gestiegenen Insolvenzzahlen verdeutlichen, wie stark die Transportwirtschaft unter Kostendruck, Fachkräftemangel und regulatorischen Belastungen leidet – ein ernstzunehmendes Alarmsignal und vermutlich nur die Spitze des Eisbergs“, warnt der Elvis-Vorstand.
Strategien für Unternehmen
Elvis empfiehlt den Unternehmen, Kosten- und Preisstrukturen regelmäßig zu überprüfen, um die Rentabilität zu optimieren: „Ein weiterer Hebel besteht darin, auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten gezielt in moderne Technologien zu investieren, um Abläufe zu digitalisieren und effizient zu optimieren“, schließt Grabowski .